Die Zahl der Teenager-Schwangerschaften ist seit Schließung der Schulen in Sierra Leone eklatant gestiegen. ©Andy Shipley/Plan
Die Zahl der Teenager-Schwangerschaften ist seit Schließung der Schulen in Sierra Leone eklatant gestiegen. ©Andy Shipley/Plan
17.06.2015

Kinder in Sierra Leone: Ausbeutung und frühe Schwangerschaften sind seit Ebola gestiegen

Freetown, Sierra Leone (17. Juni 2015) – Landesweit berichten Kinder in Sierra Leone von vermehrter Ausbeutung und Gewalt gegen Mädchen und Jungen seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie. Laut einem Gutachten von Plan International, Save the Children und World Vision International sind Kinderarbeit, die Anzahl von Schwangerschaften bei jungen Mädchen und häusliche Gewalt drastisch gestiegen.

Über 1.100 Mädchen und Jungen im Alter von 7 bis 18 Jahren aus neun Distrikten wurden zu den Auswirkungen von Ebola auf ihr Leben befragt. Der von UNICEF unterstützte Bericht schildert die persönlichen Erlebnisse und die Sorgen über die zerstörerischen Langzeit-Effekte, die Ebola auf das Leben von Kindern hat. Er soll der Regierung Sierra Leones helfen, die Sicht der Kinder und Jugendlichen in eine Wiederaufbau-Strategie einfließen zu lassen.

Die Ursache für die vielfältigen Probleme, denen die Kinder ausgesetzt sind, sehen die Befragten in der neunmonatigen landesweiten Schließung der Schulen als Bekämpfungsmaßnahme gegen die Ausbreitung des Virus. So benannten die meisten der 617 befragten Mädchen als Grund für die zunehmenden Schwangerschaften den Verlust des schützenden Schulumfelds. Erst seit dem 14. April 2015 sind Schulen für die ca. 1,7 Millionen Schülerinnen und Schüler wieder geöffnet.

Manche der Befragten (10 Prozent der Zielgruppe) berichteten von Mädchen aus ihrem Umfeld, die im Austausch für Belange des täglichen Bedarfs wie zum Beispiel Nahrungsmittel zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden.

Die Angst vor sexuellen Übergriffen teilten viele Kinder. Die meisten kannten mindestens einen Fall von Vergewaltigung in ihrem Umfeld, auch in den von der Ebola-Quarantäne betroffenen Haushalten. Nicht nur Mädchen im Alter von 15 bis 18 Jahren, sondern auch jüngere Mädchen äußerten Angst davor, selbst Opfer zu werden. Auch die befragten Jungen wussten um die Gefahr für ihre Schwestern und Freundinnen. „Manche unserer Freundinnen werden vergewaltigt, wenn sie weiter weg gehen, um Wasser zu holen. Andere ertrinken in den Fluten“, sagt ein Junge aus Kailahun.

Die Kinder äußern große Sorge über die Auswirkungen der sexuellen Gewalt in ihrem Umfeld. Sie befürchten psychische Schäden sowie Angst vor sexuell übertragbaren Krankheiten, schwere Verletzungen, zum Teil mit Todesfolge, Diskriminierung und Stigmatisierung. „Der Bericht bestätigt die ungeheure Belastung für das Leben der Kinder. Es wird viel Zeit brauchen, bis sie sich wieder erholen. Die Auswirkungen sind enorm“,  betont Casely Coleman von Plan International.

Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen haben Vorschläge zur Vermeidung der Teenager-Schwangerschaften, Ebola-Neuinfektionen, Wiederaufbau des Gesundheitssystems und zur Stärkung der Einkommens- und Nahrungssituation gemacht. Die Existenzgrundlage vieler Familien wurde durch die Ebola-Krise zerstört, so dass sie sich unter anderem den Schulbesuch ihrer Kinder nicht mehr leisten können.

Die drei Hilfsorganisationen fordern die Regierung Sierra Leones dazu auf, die Sorgen und Vorschläge der Kinder und Jugendlichen in die Wiederaufbau-Strategie des Landes einfließen zu lassen. „Was die Kinder erzählt haben, sind Geschichten über vertane Chancen, Aus-beutung und Missbrauch. Wenn der Wiederaufbau gelingen soll, müssen ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Das bedeutet: Zugang zu Bildung für alle und Unterstützung, um das verlorene Schuljahr aufzuholen“, mahnt Isaac Ooko von Save the Children.

Fast die Hälfte der Bevölkerung Sierra Leones ist unter 18 Jahre alt. „Die Kinder haben gesprochen: Bildung, Zugang zu Gesundheitsversorgung und ein sicheres Umfeld sind ihre Prioritäten. Wir haben sie gehört und nun müssen wir entsprechend handeln“,  fordert Leslie Scott von World Vision International.

Die Verfasser des Berichts fordern:
1.    Umsetzung der Maßnahmen um Ebola-Neuinfektionen zu verhindern und Beginn der Wiederaufbauphase;
2.    Zugang zu Bildung für alle Kinder; finanzielle Unterstützung bei Schulgeld und Stipendien für Kinder, deren Eltern durch Ebola verstorben sind;
3.    Stärkung des Gesundheitssystems durch mehr und qualifiziertes Personal, besonders auch in ländlichen Gegenden;
4.    Beendigung der Kinderarbeit, Ausbeutung und von Teenager-Schwangerschaften durch Informationen an Eltern und Gesellschaft; Schaffung von Einkommensmöglichkeiten für arme Familien, um Mädchen vor sexueller Ausbeutung zu schützen.

Kontakt, Fotos und Informationen: 

Sabine Marxen, Pressereferentin,  Tel.  040 61140 278, presse@plan.de
Barbara Wessel, Pressereferentin,  Tel.  040 61140 204, presse@plan.de


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