Eine junge Frau aus Niger: Heranwachsende Mädchen sind in Krisen- und Katastrophensituationen besonders schutzlos. © Vincent Tremeau
Eine junge Frau aus Niger: Heranwachsende Mädchen sind in Krisen- und Katastrophensituationen besonders schutzlos. © Vincent Tremeau
23.09.2016

Hilfsorganisationen warnen vor Hungerkrise im Nordosten Nigerias

Wegen des anhaltenden Konflikts mit Boko Haram leiden immer mehr Menschen in der Region des Tschadsees unter Hunger: Laut UN-Angaben sind inzwischen über sechs Millionen Menschen betroffen. 15 in der Region tätige Hilfsorganisationen - unter ihnen auch Plan International - warnen am Rande der UN-Vollversammlung in New York davor, dass sich die Hungerkrise noch weiter ausweitet, wenn den Betroffenen nicht bald geholfen wird.

Mit mehr als zwei Millionen Binnenvertriebenen ist die Situation im Nordosten Nigerias derzeit die sich am schnellsten ausweitende Vertreibungskrise in Afrika. Auf der UN-Generalversammlung diskutieren die teilnehmenden Regierungen das Thema Flucht und Vertreibung. Doch Binnenvertriebene, also Menschen, die im eigenen Land auf der Flucht sind, kommen in dieser Diskussion kaum vor. Wie wichtig es ist, sich mit der Situation der Binnenflüchtlinge in der Tschadsee-Region zu befassen, zeigen folgende Zahlen:

Versorgung von über sechs Millionen Menschen gefährdet.

In den Ländern Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun ist die Nahrungsversorgung von insgesamt 6,3 Millionen gefährdet, davon 4,4 Millionen allein in Nigeria. In einigen Gebieten von Borno, dem nordöstlichsten Bundesstaat Nigerias, sind durchschnittlich 50 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren akut unterernährt. Das ist vergleichbar mit der Hungerkrise in Somalia im Jahr 2011. Die Vereinten Nationen veranschlagen bis zum Ende des Jahres einen Finanzbedarf in Höhe von 559 Millionen US-Dollar, um die Menschen in der Region mit humanitärer Hilfe zu unterstützen.

Menschen sind von ihrer Lebensgrundlage abgeschnitten.

Der Kampf des nigerianischen Militärs gegen Boko Haram hat unter anderem dazu geführt, dass Teile des Krisengebiets weiträumig abgeriegelt wurden, obwohl diese Gebiete mit ihrem Ackerland, ihren Flüssen und Seen die wichtigste Lebensgrundlage für die dort lebende Bevölkerung darstellen. Die Bewohner der Tschadsee-Region haben viele der Vertriebenen aufgenommen. Nun haben sie selbst kaum noch die Möglichkeit, ihre Felder zu bewirtschaften, zu fischen oder ihre Erzeugnisse auf den lokalen Märkten zu verkaufen. Sie haben fast nichts mehr, was sie mit den Vertriebenen teilen könnten.

Plan International leistet Nothilfe für betroffene Kinder und ihre Familien.

Die 15 Hilfsorganisationen erklären, dass sie allein in Nigeria über 143 Millionen US-Dollar bis zum Ende des Jahres benötigen, um lebenswichtige Hilfe, wie Nahrung, Wasser und Notunterkünfte, bereitzustellen. Die Geflüchteten werden auf lange Zeit nicht in ihre Heimatdörfer zurückkehren können. Aus diesem Grund sind langfristige Lösungen und eine robuste Finanzierung für humanitäre Hilfsmaßnahmen über mehrere Jahre nötig.

Plan International ist seit 2014 in Nigeria tätig und hat im August 2016, im Rahmen seiner umfassenden regionalen Strategie, ein Nothilfe-Programm für die von Krieg und Vertreibung betroffene Bevölkerung gestartet. Der Fokus liegt dabei auf Maßnahmen zum Kinderschutz, insbesondere dem Schutz junger Mädchen, und der Bereitstellung lebenswichtiger Güter, wie Wasser, Nahrung, Unterkunftsmaterial und Hygieneartikel. Weitere Schwerpunkte der Unterstützung sind Bildung in Notsituationen und die ökonomische Stärkung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

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