Mit einem Projekt zur beruflichen und ökonomischen Stärkung konnte Plan International Deutschland vielen Mädchen und jungen Frauen in der Projektregion Mansa eine berufliche Perspektive bieten. © Plan
12.12.2016

Heiraten oder junge Unternehmerin werden?

Als Bernadette sich mit 15 Jahren entschloss zu heiraten, stellte sich diese Frage nicht. Wie den meisten Mädchen und jungen Frauen in Sambia bot ihr das Leben zu dieser Zeit nur wenig berufliche Perspektiven. Ein Projekt von Plan International in Sambia hat dies nun für 633 Mädchen und junge Frauen geändert.

Mädchen werden in der traditionell männlich dominierten Gesellschaft Sambias häufig benachteiligt. Sie müssen schon früh im Haushalt und bei der Betreuung von jüngeren Geschwistern helfen. Viele brechen die Schule deshalb frühzeitig ab. Mehr als 30 Prozent der Mädchen heiraten, noch bevor sie 18 Jahre alt sind. Entsprechend gering ist die Zahl der Ausbildungsangebote für junge Frauen.

Mit einem Projekt zur beruflichen und ökonomischen Stärkung konnte Plan International Deutschland über 600 Mädchen und jungen Frauen in der Projektregion Mansa eine berufliche Perspektive bieten. Unter dem Dach der globalen Because I am a Girl - Bewegung von Plan wurden mehr als 1.000 Gemeindemitglieder in Aufklärungsveranstaltungen für die Rechte von Mädchen sensibilisiert. Dabei erfuhren sie, mit welchen Hindernissen Frauen im Berufsleben konfrontiert sind, und welche Folgen es für Mädchen hat, wenn sie schon in jungen Jahren verheiratet oder schwanger werden.

Erfolgreich mit dem eigenen Unternehmen

Zu Beginn des Projektes schlossen sich die Mädchen und jungen Frauen zu Gruppen zusammen. In Schulungen erwarben sie grundlegende unternehmerische Fähigkeiten und lernten Buchführung, Budgetplanung und die Umsetzung von Geschäftsideen. Am Ende des Projektes hatten sie gemeinsam 29 Landwirtschaftsbetriebe, acht Unternehmen im Kleinhandel oder der Gastwirtschaft und vier Schneidereibetriebe gegründet.

Knapp 100 Mädchen schlossen im Rahmen des Projektes eine Ausbildung an einer Berufsschule ab. Dort besuchten sie Kurse in der Landwirtschaft, der Lebensmittelproduktion oder im Schneiderhandwerk. Die dort erworbenen Kenntnisse gaben sie anschließend in ihren Gruppen weiter und unterstützten so den Aufbau der verschiedenen Unternehmen.

Berufliche Perspektiven eröffnen

„Die Leute sagten, die Ehe sei ein Segen Gottes“ - für Bernadette war sie das nicht. Ihr Ehemann schlug und vergewaltigte sie. Bernadette ließ sich scheiden und zog mit ihrer kleinen Tochter zu ihrer Großmutter. Dort lebte die Familie vom Anbau von Erdnüssen und Kassava. Sie hatten gerade so viel, dass es zum Leben reicht.

Im Rahmen des Projektes hat Bernadette eine sechsmonatige Berufsausbildung absolviert. In Schulungen stärkte sie ihr Selbstbewusstsein und lernte, was Gleichberechtigung bedeutet. Heute arbeitet sie in einer führenden Position in einem kleinen Hotel. Sie kann ihre Großmutter unterstützen, die sich weiterhin um die Tochter kümmert. Für sich und ihren jüngeren Bruder hat Bernadette eine kleine Wohnung gemietet. Der Bruder besucht die neunte Klasse. Inzwischen hat sie auch Geld gespart und plant, ein eigenes Restaurant zu eröffnen. „Das Projekt hat mein Leben verändert“, sagt Bernadette. „Ich bin jetzt eine sehr stolze Frau.“

 

 


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