In Sri Lanka lernen Mädchen und Frauen den Umgang mit modernen Technologien, um ihre Rechte besser wahrnehmen zu können. © Plan International
In Sri Lanka lernen Mädchen und Frauen den Umgang mit modernen Technologien, um ihre Rechte besser wahrnehmen zu können. © Plan International
27.04.2017

Für eine digitale Gleichberechtigung

Allein aufgrund ihres Geschlechts wird vielen Mädchen und jungen Frauen der Zugang zu modernen Kommunikationstechnologien verwehrt. Dabei bieten Internet und Technologie enormes Potential, wenn es darum geht, Mädchen zu stärken.

Der 27. April 2017 ist der internationale Tag für Mädchen in der Informations- und Kommunikationstechnologie („Girls in ICT-Day“). Plan International nutzt diese Gelegenheit, um auf die wichtige Rolle von Internet und Technologie zur Stärkung von Mädchen aufmerksam zu machen.

Weltweit haben mehr Männer Zugang zum Internet als Frauen. In den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt ist diese digitale Kluft besonders groß. Die Möglichkeit, im Netz zu surfen, ist dort für Mädchen ein Drittel geringer als für Jungen. Auch besitzen Mädchen und Frauen seltener technische Geräte. In vielen Fällen liegt dies an traditionellen Rollenverteilungen und Stereotypen: In armen Familien werden Jungen häufig bevorzugt, berufstätige Frauen verdienen meist weniger als Männer. So haben weltweit rund 200 Millionen weniger Mädchen als Jungen ein eigenes Mobiltelefon. Besitzen Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern ein Handy, haben sie den sicheren Umgang oftmals nicht erlernt und sind sich dessen Nutzen nicht bewusst. Auf diese Benachteiligungen hat Plan bereits 2010 hingewiesen.

Begrenzte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben


Durch diese digitale Kluft wird Mädchen und jungen Frauen die gleichberechtigte Teilhabe in den sich immer weiter digitalisierenden Gesellschaften und der globalen Gemeinschaft erschwert. Laut der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) haben heute mehr als 90 Prozent aller Jobs weltweit eine digitale Komponente. Viele Mädchen sind hierfür häufig nicht qualifiziert, und Jobchancen bleiben ihnen verwehrt. Diese Benachteiligung hat damit auch erhebliche Auswirkungen auf das wirtschaftliche Wachstum und die Entwicklung eines Landes.

Das Internet und digitale Technologien können wertvolle Werkzeuge zur Stärkung von Mädchen darstellen. Sie bieten Bildungsangebote, den Zugang zu Gesundheitsinformationen, ermöglichen einen Austausch und erleichtern neben der wirtschaftlichen auch die soziale und politische Partizipation.

Mit der digitalen Diskriminierung werden generelle geschlechtsspezifische Ungleichheiten weiter verschärft. Von einem gleichwertigen Zugang zu modernen Informations- und Kommunikationstechnologien würden Mädchen und Frauen, aber auch die Volkswirtschaften und die globale Gemeinschaft profitieren. Plan International setzt sich deshalb für eine größere Teilhabe von Mädchen in der sich digitalisierenden Welt ein.

Internet und Technologie zur Stärkung von Mädchen und Frauen


In verschiedenen Projekten von Plan International werden weltweit Mädchen und jungen Frauen digitale Kompetenzen vermittelt, damit sie die Vorteile der Technologien bewusst nutzen können. Ein von der Europäischen Union finanziertes Projekt in Sri Lanka hat beispielsweise das Ziel, durch Internet und Technik die Nutzung von Regierungs-und Behördendiensten möglich zu machen.

In ländlichen Kommunen Sri Lankas, aber auch zum Beispiel auf Tee-Plantagen leben Mädchen und Frauen meist stark isoliert. In den Schulungen des Projektes wird ihnen der sichere Umgang mit Smartphones, Tablets, Laptops und sozialen Netzwerken wie Facebook beigebracht. Ziel ist es, den Frauen durch die praktischen Fähigkeiten eine schnelle Informationsbeschaffung und den Dialog zwischen Frauengruppen, der Zivilgesellschaft und Behörden zu ermöglichen. Zudem wird mit den örtlichen Behörden zusammengearbeitet, um die digitalen Dienste und Informationen auf Websites entsprechend der Bedürfnisse der Frauen zu verbessern.

Die 17-jährige Keerthana erzählt, dass sie gelernt hat, wie sie Frauen in ihrer Kommune helfen kann, mit Hilfe eines Smartphones eine Geburtsurkunde zu erhalten. T. Krishnaveni, die als Präsidentin der lokalen Frauengruppe „Women in Action Alliance“ mit Plan zusammenarbeitet, sagt: „Ich hatte den Umgang mit Smartphones oder Laptops vorher nicht gelernt. Durch die Schulung kann ich jetzt Informationen zu staatlichen Sozialleistungen herunterladen und diese mit den jungen Menschen hier teilen. Wenn wir Behördendienste benötigen, müssen wir jetzt nicht mehr dafür zahlen oder uns an Vermittler wenden. Wir können mit den Dokumenten direkt zu den Regierungsbeamten gehen, um unsere Leistungen zu bekommen.“

Es liegt noch viel Arbeit vor der internationalen Gemeinschaft, um die Kluft in der digitalen Alphabetisierung zu überwinden. Plan International möchte drauf aufmerksam machen, dass Internet und Technologie jungen Frauen und Mädchen als wichtige Wegbegleiter zur Verfügung stehen sollten, anstatt weitere Barrieren zu sein. Der Zugang zu Informations- und Kommunikationstechnologien sowie entsprechende Fähigkeiten sind notwendig damit Mädchen lernen, leiten, selbst entscheiden und ihr volles Potential entfalten können.


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