Besuch in Kamboscha: Marina Kem (Mitte) auf der Spurensuche zu ihrem Vater. © STERNTAUCHER Filmproduktion
Besuch in Kamboscha: Marina Kem (Mitte) auf der Spurensuche zu ihrem Vater. © STERNTAUCHER Filmproduktion
30.10.2015

Fremde neue Heimat Kambodscha

Mit der Suche nach der Geschichte ihres kambodschanischen Vaters ist der Regisseurin Marina Kem aus Hamburg ein eindringliches Porträt gelungen. Ihr Dokumentarfilm „Bonne Nuit Papa – Gute Nacht Papa“ zeigt die Auswirkungen des Völkermordes durch die Roten Khmer aus deutsch-kambodschanischer Sicht. Ein Film, bei dem die ganze Familie der Plan-Patin mitgewirkt hat.

"Kambodscha war mir lange Zeit fremd, ebenso mein Vater, der meistens schwieg", berichtet Marina Kem. "Ich bin in Deutschland geboren und aufgewachsen, sprach kein Kambodschanisch. Fragen nach meiner Herkunft machten mich sprachlos." So kannte die junge Filmemacherin außer ihrem Vater lange Zeit keinen anderen Menschen aus dem südostasiatischen Land. Mit den Recherchen zu "Bonne Nuit Papa" nährte sich Marina Kem ihrem inzwischen verstorbenen Vater und seiner bewegenden Geschichte.

Mitte der 1960er-Jahre war Ottara Kem zum Studium in die damalige DDR gekommen. Das Auslandsstudium rette ihn vor den mörderischen Roten Khmer. Seine engsten Familienangehörigen in der fernen Heimat wurden aber unter ihrer Terrorherrschaft gefangen, gefoltert und getötet. Der junge Ottara musste im Exil bleiben und baute sich, abgeschnitten von seiner Kultur, in Ost-Deutschland eine neue Existenz auf.

Wurzeln gekappt
Nach der Wende jedoch verlor Kem seine Arbeit und auch die Ehe zur Mutter seiner Töchter hielt nicht. Mit jedem Jahr zog sich der Heimatlose mehr in sein Schweigen zurück. Auf dem Sterbebett wünschte er sich schließlich, in Kambodscha bestattet zu werden. Für Marina und ihre Schwestern begann damit eine Reise ins Unbekannte. Langsam entdeckten die Plan-Patinnen ihre fremde neue Heimat Kambodscha.

2007 übernahm Marina Kem die erste Patenschaft für ein Mädchen aus Guinea, die Herkunft spielte für sie keine Rolle. Auch ihr Partner Oliver Neis, mit dem sie zusammen die Filmproduktion Sterntaucher in Hamburg aufgebaut hat, entschied sich für ein Plan-Patenkind. Weitere Patenschaften folgten – diesmal für Kinder in Kambodscha. „Ich habe sie alle infiziert“, sagt Marina Kem lächelnd. Mutter Monika Bethmann und Schwester Viry haben ihre Patenkinder bereits mehrfach besucht. Und auch Marina Kem war bei der Visite im nun nicht mehr ganz so fremden Kambodscha dabei. Mit ihren Besuchen hat die Familie neue Freundschaften in Kambodscha geschlossen. Und sogar zu den hinterbliebenen Familienangehörigen des Vaters besteht nun enger Kontakt.


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