Kinder aus der Zentralafrikanischen Republik tragen die Lasten der Flucht.
26.03.2014

Flüchtlingsdrama in Zentralafrika

Seit dem Jahreswechsel eskaliert die Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Fraktionen in der Zentralafrikanischen Republik. Weitgehend unbeachtet von der Weltöffentlichkeit sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht - unter anderem in das Nachbarland Kamerun, wo Plan die Familien in den Flüchtlingscamps unterstützt.

Ein paar Zelte in einer staubigen Ebene und die Fürsorge von Hilfsorganisationen - all dies erscheint den Flüchtlingen aus der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) immer noch besser, als ein weiteres Leben in Angst und Schrecken in ihrer Heimat."Wir liefen tagelang und baten unterwegs in den Dörfern um einen Schlafplatz und um Essen", sagt die 9-jährige Aisha, die zusammen mit ihrer Familie aus der ZAR nach Kamerun floh.

Dort einmal angekommen, blieb auch die Angst hinter der Demarkationslinie zurück. "Ich sehe nun die bösen Männer mit den Gewehren nicht mehr", freut sich Aisha.

Zuvor brachten die Flüchtlinge Entfernungen von bis zu 400 Kilometern hinter sich - zu Fuß. Nun aber finden sie im ost-kamerunischen Lolo den Schutz vor gewalttätigen Milizen, den sie in ihrer Heimat nicht mehr haben.

Krise mit Ankündigung
Erst kam es im Frühjahr 2013 in der ZAR zum Putsch, dann terrorisierten rivalisierende religiöse Fraktionen die Bevölkerung. Eine Spirale der Gewalt setzte sich in Gang, die auch vor Kleinkindern nicht Halt macht.

Hunderttausende Menschen sind auf der Flucht, seit die Situation zum Jahreswechsel außer Kontrolle geriet. Sie suchen Zuflucht in der Hauptstadt Bangui - oder in den Nachbarstaaten. Allein in Kamerun kamen seit Ausbruch der Gewalt in der ZAR mindestens 70.000 Menschen an. Sie leben unter extremen Bedingungen im Grenzgebiet zwischen beiden Staaten.

Unterstützung für ZAR-Flüchtlinge
Plan in Kamerun beteiligte sich an der Versorgung der Flüchtlinge. In Zusammenarbeit mit Behörden und Partnern anderer Organisationen sollen Trinkwasser, Nahrungsmittel sowie medizinische und Hygiene-Artikel bereitgestellt werden. Aktuell beteiligt sich Plan an Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen in den Camps und unterstützt die Koordination von Hilfsmaßnahmen.

Die Flüchtlinge - sowohl mit muslimischem als auch mit christlichem Hintergrund - sind in verschiedenen Siedlungen untergebracht. Hier ist die Versorgungslage prekär, weil täglich weitere Familien eintreffen, für die Unterstützung organisiert werden muss.

Maßnahmen für den Kindesschutz
Für Plan steht besonders der Schutz der Flüchtlingskinder vor Ausbeutung und Missbrauch im Fokus. "Da gibt es dringenden Bedarf in den Camps, weil Kinder sich wirklich erst dann sicher fühlen, wenn sie in Gruppen spielen, sich geschützt treffen und austauschen können", sagt Henri-Noel Tatangang, Katastrophenschutzexperte bei Plan Kamerun.Viele Mädchen und Jungen sind Analphabeten und beherrschen zudem nicht das amtliche Französisch, sondern die lokale Sprache Fulfulde. Hier ist die Hilfe von freiwilligen Übersetzern erforderlich, zum Beispiel von ZAR-Flüchtlingen wie Djoubero Haman, der in seiner Heimat einen kleinen Lebensmittelladen unterhielt. "Zum Schluss musste ich mein Zeug durch die Hintertür verkaufen", sagt der engagierte Einzelhändler. "Draußen war es viel zu gefährlich. Ich konnte überhaupt nicht mehr öffnen! Doch dann wurde die Lage so dramatisch, dass ich ganz schließen musste, mit den nötigsten Dingen machte ich mich auf den Weg hierher."

Plan als Organisation, die die Kinderrechte stärkt, mobilisiert in Kamerun seine Kräfte, um den Schutz der Flüchtlingskinder zu verbessern. "Wir werden Treffpunkte für die Mädchen und Jungen einrichten", sagt Tatangang. "Trainierte Erzieher werden für sie da sein, mit ihnen spielen und die Freizeit verbringen. Das hilft ihnen auch, traumatische Erlebnisse von der Flucht zu verarbeiten. Und wir unterstützen Maßnahmen, um einen Basisunterricht für Schulkinder aufzubauen.

"Nothilfe-Fonds ermöglicht Hilfe
Um in Fällen wie diesen schnell und unbürokratisch helfen zu können, hat Plan einen Nothilfe-Fonds eingerichtet. Sie können online dafür spenden.


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