Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel diskutierte beim Civil20-Gipfel mit der Zivilgesellschaft. © Stephanie von Becker
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel diskutierte beim Civil20-Gipfel mit der Zivilgesellschaft. © Stephanie von Becker
21.06.2017

Entwicklungspolitische Themen groß auf der Agenda von G20

„Den G20-Gipfel kritisch und konstruktiv begleiten“, das ist laut Plan-Geschäftsführerin Maike Röttger die Aufgabe von Plan International und anderen Vertretern der Zivilgesellschaft zum G20-Gipfel in Hamburg. Wichtig sei es, sich bei global relevanten Themen einzubringen und gemeinsam Lösungen zu finden, betont Maike Röttger im Interview.

Welche Rolle spielt die Zivilgesellschaft bei dem anstehenden G20-Treffen?

Maike Röttger: „Unter der deutschen Präsidentschaft des G20-Gipfels wurde beschlossen, dass es parallel zu G20 einen Beteiligungsprozess der Zivilgesellschaft geben sollte. So konnten verschiedenste Gruppen wie Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften, Jugendliche, Frauen etc. ihre Schlüsselbotschaften so schnell wie möglich in das Arbeitsumfeld der G20 einbringen. Unser Ziel ist es, die Entscheidungen der G20 zu beeinflussen und unsere wichtigsten Themen dort zu positionieren.

Um das breite Themenspektrum abzubilden, wurden im C20-Prozess sechs Arbeitsgruppen gebildet, die ihrerseits Forderungen ausarbeiteten. Plan übernahm den Vorsitz der C20-Arbeitsgruppe zu Ungleichheit, Geschlechtergerechtigkeit und sozialer Sicherung. Im Zuge der Arbeit gab es mehrere Konsultationsprozesse mit den so genannten Sherpas. Das sind die Unterhändler der Regierung, die die Forderungen der Zivilgesellschaft - also der sechs Arbeitsgruppen - entgegennehmen. Sie sind auch diejenigen, die die Texte verhandeln und dann schließlich das Abschlusskommuniqué schreiben, das für alle verbindlich ist. Wir sehen unsere Hauptaufgabe darin, den G20- Gipfel kritisch und konstruktiv zu begleiten.

Haben denn Organisationen wie Plan eine Chance, wirklich Gehör für ihre Themen zu finden?

Bei diesem G20-Gipfel stehen entwicklungspolitische Themen zum ersten Mal ganz groß auf der Agenda. Noch nie wurde im Vorfeld eines solchen Gipfels die Zivilgesellschaft so intensiv befragt. Wir führen das auf den Einfluss von Kanzlerin Angela Merkel zurück. Sie hatte angekündigt, dass ihr neben klassischen Bereichen wie Wirtschafts- und Finanzpolitik auch die globalen Entwicklungsziele wichtig sind. Dass C20 zudem quasi ein eigener Gipfel war und dass das C20-Dialogforum eine Woche vor G20 stattfand, ist ebenfalls ein wichtiges Signal dafür, wie ernst dieser Prozess genommen wurde. Und die Kanzlerin war persönlich beim C20-Dialogforum dabei.

Was passierte beim C20-Dialogforum am 19. Juni?

Am 19. Juni wurde das Forderungspapier der C20-Gruppen an Kanzlerin Merkel übergeben, und es gab eine Diskussion dazu. In dem Forderungspapier sind alle Empfehlungen der einzelnen Arbeitsgruppen enthalten. Was davon am Ende in den Beschlüssen der G20 landet, ist offen, aber wir versprechen uns davon, dass unsere Kernthemen aufgenommen werden.
Wir haben zudem am 18. Juni bei dem Workshop „Economic Empowerment of Women“ als Panelist teilgenommen und darauf hingewiesen, wie wichtig Bildung für Mädchen ist.

Was genau fordert Plan?

Wir möchten, dass die Gleichberechtigung und Stärkung von Mädchen und Frauen in das Abschlussdokument aufgenommen wird. Das wäre ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Armut.

Eine unserer wichtigsten Forderungen ist auch, dass deutlich mehr Geld für Grundbildung ausgegeben wird. 15 Prozent der Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit sollten für Bildung zur Verfügung stehen. Nur so kann Armut nachhaltig bekämpft werden. Es ist nachgewiesen, dass bessere Bildung von Frauen nicht nur zu einer gerechteren Welt führt, sondern auch zu mehr Wirtschaftswachstum. Jedes zusätzliche Jahr auf der Sekundarschule erhöht das spätere Einkommen eines Mädchens um bis zu 20 Prozent.

Warum ist der G20-Gipfel für diese Forderungen so wichtig?

Angesichts der globalen Herausforderungen ist es wichtiger denn je, dass die führenden Industrie- und Schwellenländer gemeinsam nach Lösungen suchen und diese vorantreiben. Kein Land kann das alleine bewältigen. Es braucht verlässliche Partnerschaften. Das sehen wir auf Seite der Regierungen, aber auch in unserer eigenen Programmarbeit und in der Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft.


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