Takeover: Marie Augustine übernahm für eine Woche das Bildungsministerium in Senegal. © Plan International West Afrika
Takeover: Marie Augustine übernahm für eine Woche das Bildungsministerium in Senegal. © Plan International West Afrika
02.02.2018

Eine Woche Bildungsministerin von Senegal

Die junge Aktivistin Marie Augustine Dieme war ein Woche lang Bildungsministerin von Senegal. Während ihrer Amtszeit machte sie sich für die Bildung von Mädchen stark.

Gemeinsam mit Frankreich übernimmt Senegal in diesem Jahr die Rolle des Gastgebers für die dritte Finanzierungskonferenz der Global Partnership of Education (Globale Partnerschaft für Bildung). Am 02. Februar 2018 wird in Dakar starkes Engagement von den Geber- und den Entwicklungsländern erwartet, die an der Partnerschaft beteiligt sind. Die Entwicklungsländer sollen im Rahmen der Konferenz zusichern, in Zukunft mindestens 20 Prozent ihres Staathaushaltes in Bildung zu investieren.  

Im Zusammenhang mit der Konferenz übernahm  die junge Aktivistin Marie Augustine Dieme bei einer so genannten Takeover-Aktion im Januar das Amt des Bildungsministers von Senegal. Sie erzählt: „Ich war dadurch in der Lage, mit anderen Regierungsvertretern über die Schule von morgen zu sprechen und darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Bildung von Mädchen für die Entwicklung des Landes ist.“

Zwischen vorbildlich und rückschrittlich

Senegal gibt bereits jetzt rund 24 Prozent seines Haushaltes für Bildung aus und gilt im Vergleich zu anderen afrikanischen Staaten als vorbildlich. „Doch auch das reicht noch nicht“, sagt Marie Augustine. „Unser Bildungssystem hat auch weiterhin mit vielen Problemen zu kämpfen.“ So herrscht beispielsweise ein Mangel an Lehrpersonal. Auch haben viele Lehrer keine professionelle Ausbildung für den Unterricht an einer Schule.

Darüber hinaus ist die Infrastruktur unzureichend. Laut Regierung gibt es in Senegal momentan 6.369 Notunterkünfte, in denen Schüler unterrichtet werden. Das bedeutet, dass jedes zehnte senegalesische Klassenzimmer nur behelfsmäßig eingerichtet ist. Zusätzlich sind die sanitären Einrichtungen in vielen Schulen in einem sehr schlechten Zustand. 

Schließlich schränken kulturelle Zwänge und Praktiken das Leben der Menschen vor Ort ein. Mädchen müssen aufgrund von Traditionen wie der Kinderheirat häufig ihre Schulausbildung abbrechen.

Zwischen heute und morgen 

„Ein Mädchen zu sein sollte kein Fluch sein, sondern ein Segen“, sagt Marie Augustine. „Ich erkenne mein Potenzial und weiß, dass ich eine tolle Frau sein werde. Warum sollte ich nicht einer der Menschen sein, die in diesem Land Geschichte schreiben? Doch das wird nur möglich sein, wenn ich eine gute Ausbildung erhalte.“ 

Viele senegalesische Politiker haben das verstanden und Initiativen ins Leben gerufen, die sich speziell an Mädchen richten. Ein Beispiel hierfür ist das „Programme to Support the Education of Girls (PAEF)“, welches Stipendien an Mädchen vergibt, die aus benachteiligten Familien stammen. Darüber hinaus wurden vielerorts Frauenorganisationen gegründet, die Müttern dabei helfen, durch verschiedene Aktivitäten ein Einkommen zu generieren. Mit diesem Geld können sie ihre Töchter zur Schule schicken. 

„Es war ein einmaliges Erlebnis, von Angesicht zu Angesicht mit dem Minister über die Ausbildung von Mädchen zu sprechen“, sagt Marie Augustine. Am Ende ihrer Unterhaltung schlug er vor, dass Marie Augustine in Zukunft Schulen besuchen könnte, um mit dem Verantwortlichen vor Ort über die Bildung von Mädchen zu sprechen. „Er versteht nun, dass es wichtig ist, junge Menschen bei Entscheidungen zu involvieren, die sie unmittelbar betreffen“, sagt sie. 

Ein Video von Marie Augustine als Bildungsministerin in Senegal finden Sie hier.


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