Die Plan-Teams stellen in Guinea Desinfektionsmittel, Kanister und Zerstäuber bereit.
28.03.2014

Ebola-Virus breitet sich aus – Plan unterstützt Gegenmaßnahmen

Neue Verdachtsfälle und Todesopfer – das Ebola-Virus breitet sich in Guinea weiter aus. Plan hilft mit Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen in den betroffenen Gebieten im Südosten des Landes. Die Plan-Büros in benachbarten Ländern sind in Alarmbereitschaft. Dr. Unni Krishnan, Katastrophenschutz-Experte bei Plan, unterstützt die Gegenmaßnahmen in Westafrika. Mit dem Bericht "Wie man ein Killer-Virus eindämmt" meldet er sich aus der Krisenregion.

In Kino- und TV-Spielfilmen werden häufig fiktive virale Infektionskrankheiten für dramatische Szenarien eingesetzt.

Diese Was-Wäre-Wenn-Drehbücher mögen übertrieben sein, sie haben einen sehr realen Hintergrund.

Der aktuelle Ebola-Ausbruch in Guinea droht, weitere Nachbarländer zu erreichen. Sollte dies geschehen, wären die Konsequenzen verheerend – nicht nur für Guinea und seine zehn Millionen Einwohner, sondern auch für Liberia und Sierra Leone.

Die Menschen, die in den Grenzgebieten zu diesen drei Ländern wohnen, sind besonders hilflos. Aus Guinea werden viele Waren zum Beispiel nach Sierra Leone exportiert und Conakry, die Hauptstadt Guineas, ist ein wichtiges Handelszentrum.

Tödliches Virus – ein Alptraum für Ärzte
Will man die Ausbreitung des tödlichen Viralinfekts stoppen, so müssen ergänzend Gesundheitsmaßnahmen getroffen und Informations-Veranstaltungen zum Thema Hygiene und Gesundheit durchgeführt werden. Nicht zuletzt soll für eine effektive und reibungslose Kommunikation zwischen allen beteiligten Partnern gesorgt werden. Daran beteiligt sich Plan in Guinea.

Die schlechte Nachricht ist: Gegen Ebola helfen weder Medikamente noch Impfstoffe. Das Ebola-Fieber ist ein durch Viren ausgelöstes hämorrhagisches Fieber. Das Virus greift den Körper und das Immunsystem an. Alle Organe und Gewebe – bis auf Knochen – werden angegriffen. Dies führt zu starken, zum Teil inneren Blutungen und Nierenversagen. 25 bis 90 Prozent der erkrankten Menschen sterben binnen zwei bis 21 Tagen.

Beim Krankheitsausbruch in Guinea wurden 87 Fälle von hämorrhagischem Fieber gemeldet. 66 Menschen sind bis heute daran gestorben – und zwar in Guéckédou, Macenta, Kissidougou, Conakry und Kankan.

Zu den häufigsten Symptomen gehören neben Fieber auch Schwächeanfälle, Muskel-, Kopf- und Halsschmerzen. Sind in einer Region Ebola-Fälle gemeldet (eine sogenannte "Hot Zone"), so sind die Fiebersymptome bei jedem Patienten sehr ernst zu nehmen und jeder Fall muss sofort bei der Gesundheitsbehörde gemeldet werden. Jede Verspätung kann die Ausbreitung der Krankheit begünstigen.

Vorbeugung ist der beste Schutz
Das Ebola-Virus wird bei Kontakt mit Blut, Schweiß oder Fäkalien, durch Geschlechtsverkehr sowie durch ungeschützten Umgang  mit Leichen infizierter Personen übertragen. Um sich zu schützen, sollte man engen Kontakt mit an Ebola erkrankten Menschen vermeiden!

Mit der in vielen Teilen Westafrikas üblichen Tradition, Leichen bei Beerdigungen anzufassen und zu küssen, sollte man brechen! Dies ist ein Übertragungsweg und daher ein unnötiges Risiko. In den Medien wurde viel über einen 14-jährigen Jungen berichtet, der starb, nachdem er auf der Beerdigung eines an Ebola gestorbenen Menschen war.

Die Bevölkerung muss über solche Infektionswege aufgeklärt werden und darüber, wie sie sich schützen können. Im Kampf gegen Ebola sind Informationsveranstaltungen sehr wichtig, die über die folgenden Schutzmaßnahmen aufklären:

• Übertragung von Tieren auf Menschen sollte vermieden werden: Fleisch und alle anderen Tierprodukte müssen vor Verbrauch gegart werden.


• Enger Kontakt mit an Ebola erkrankten Menschen – und mit deren Körperausscheidungen – sollte unbedingt vermieden werden.

• Bei der Betreuung von an Ebola erkrankten Menschen sowie im Umgang mit Tieren und Proben sind regelmäßiges Händewaschen sowie Handschuhe und Schutzkleidungen  Pflicht.

• Die Leichen der an Ebola gestorbenen Menschen sollten umgehend, den Sicherheitsvorschriften entsprechend, verbrannt werden.

• Gebäude in der Nähe von Ebola-Patienten müssen desinfiziert und es müssen sofortige Quarantäne-Maßnahmen für infizierte Personen getroffen werden.

• Wanderviehwirtschaft sollte beschränkt oder möglichst verboten werden.

Online und per SMS gegen Ebola
Als Ebola 1970 zum ersten Mal entdeckt wurde, suchten Gesundheitsbeauftragte mit Megaphonen und Lautsprechern die Dörfer auf, um die Bewohner über die Krankheit sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen aufzuklären. Nicht selten brachten sie dabei ihr eigenes Leben in Gefahr. Etwas Ähnliches habe ich selber 1994 in Indien erlebt, als ich Gesundheitsmaßnahmen gegen eine andere Seuche koordinierte.

Heutzutage sind Mobiltelefone und Radiogeräte sogar in den abgelegensten Dörfern Afrikas zu finden. Es ist also viel leichter, die Bevölkerung über Gesundheit, Hygiene und Schutzmaßnahmen zu informieren. Man muss also nicht unbedingt die "Hot Zone" persönlich aufsuchen.

Öffentliches Gesundheitswesen als Puffer
Vorbeugen ist besser als heilen. Diese Weisheit gilt für alle Katastrophen, darunter auch für Gesundheitskrisen wie aktuell der Ebola-Ausbruch. Zu den wichtigsten Gegenmitteln gehören unter anderem eine bessere Vorbereitung auf Katastrophen und Gesundheitskrisen, effektive Gesundheitsmaßnahmen, gezielte Arbeit mit besonders gefährdeten Gruppen sowie aktive Beteiligung der Gemeindebewohner an allen Informations- und Aufklärungsaktionen.

Alle diese Maßnahmen sind am effektivsten, wenn sie von funktionstüchtigen öffentlichen Gesundheitssystemen getragen werden, welche in solchen Krisen als vielleicht einziger "Puffer" fungieren können. In Guinea werden nur 1,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für das Gesundheitswesen ausgegeben (zum Vergleich: 8,9 Prozent sind es in Frankreich). Die aktuelle Krise sollte uns daran erinnern, dass mehr in das Gesundheitswesen investiert und an der Verbesserung der Nothilfemaßnahmen gearbeitet werden muss.

Dr. Unni Krishnan – Plans Katastrophenschutz-Experte und Spezialist
Für Plan International koordiniert Dr. Unni Krishnan die Nothilfseinsätze. Der Humanmediziner ist Experte auf dem Gebiet der Naturkatastrophen und für humanitäre Einsätze in Kriegen, Konflikten und bei Epidemien.

Seine Erfahrung in Erdbebengebieten in Indien, Pakistan, der Türkei, China, Iran und Haiti sowie mit Hurrikans, Überflutungen und Tsunamis in Asien, in Kriegssituationen und Konflikten in Liberia, Afghanistan oder Sri Lanka machen ihn zu einem Spezialisten in der Koordination der Hilfsleistungen mit besonderem Schwerpunkt in Gesundheit und psychosozialer Betreuung.

Nothilfe-Fonds ermöglicht Hilfe
Um in Fällen wie diesen schnell und unbürokratisch helfen zu können, hat Plan einen Nothilfe-Fonds eingerichtet. Sie können online dafür spenden.


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