Gwladys Awo bezieht Männer in ihre Projektarbeit ein. © Plan
Gwladys Awo bezieht Männer in ihre Projektarbeit ein. © Plan
31.07.2017

Drei Fragen an … Gwladys Awo

Gwladys Awo ist Plan-Expertin für weibliche Genitalverstümmelung und Referentin unseres Projektes „Change Plus – Mädchen aktiv schützen“.

Warum wenden sich aktive Beschneiderinnen von der Praktik ab?
Viele machen es aus wirtschaftlichen Gründen. Gibt man ihnen eine alternative Berufsmöglichkeit, wenden Sie sich von der Praktik ab. Manche lassen auch davon ab, sobald sie ein dramatisches Erlebnis hatten, wenn zum Beispiel bei der Beschneidung ein Kind gestorben ist. Eine Frau hörte auf, weil sie im Alter begann, die Schreie der Mädchen im Traum zu hören. Sie konnte es nicht mehr ertragen.

Warum führen immer mehr Ärzte in Ägypten die Prozedur durch?
Wird Genitalverstümmelung medikalisiert, wird sie schwerer greifbar. Viele, die von der Praktik überzeugt sind, glauben, man würde den Mädchen damit weniger schaden. Sie würden schließlich unter hygienischen Bedingungen verstümmelt. Doch die Menschenrechtsverletzung und ihre Folgen bleiben die gleichen. Ihnen wird ihre sexuelle Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit geraubt.

Warum ist es wichtig, Männer in die Aufklärungsarbeit einzubeziehen?
Weil Männer in Gesellschaften wie Ägypten die Entscheidungsmacht haben. Ihr Wort hat Gewicht. Wenn Sie also davon überzeugt sind, dass Genitalverstümmlung abgeschafft werden muss und eine Menschenrechtsverletzung ist, dann haben ihre Worte eine große Wirkung. Die Leute hören ihnen zu und nehmen sie ernst. Ich selbst beziehe in meiner Projektarbeit in Hamburg Männer wie zum Beispiel Imame ein. Sie haben großen Einfluss in ihren Gemeinden und können viel bewegen.


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