Im Norden Äthiopiens fehlt es wegen der Dürre an Trinkwasser. Es ist Aufgabe der Mädchen, das Wasser von den Ausgabestellen nach Hause zu schleppen. © Michael Tekele
Im Norden Äthiopiens fehlt es wegen der Dürre an Trinkwasser. Es ist Aufgabe der Mädchen, das Wasser von den Ausgabestellen nach Hause zu schleppen. © Michael Tekele
20.06.2016

„Die Weltgemeinschaft darf diese Katastrophe nicht vergessen“

In Äthiopien herrscht die schlimmste Dürre seit 30 Jahren. Das Wetterphänomen El Niño und die Auswirkungen des Klimawandels haben große Teile des Landes in eine staubige Wüstenlandschaft verwandelt. Doch die Unterstützung für die Menschen kommt nur langsam voran. Der humanitäre Bedarf des Landes liegt bei 1,5 Milliarden Dollar. Bisher aber steht erst die Hälfte davon zur Verfügung.

Über zehn Millionen Äthiopier sind Angaben der Vereinten Nationen (UN) schon mindestens seit einem Jahr von Lebensmittelverteilungen abhängig. Zwei Millionen Menschen gelten als unterernährt, fast eine halbe Million Kinder sind schwer unterernährt. Mit jedem Tag, an dem der ersehnte Juni-Regen ausbleibt, wird die Situation dramatischer.

„Die Weltgemeinschaft darf diese Katastrophe nicht vergessen“, sagt Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von Plan International Deutschland nach einem Besuch in dem besonders stark von der Krise betroffenen Norden Äthiopiens. Von den derzeit 702 Millionen Dollar, die zur Rettung der Menschen zur Verfügung gestellt wurden, kam schon eine halbe Milliarde von der äthiopischen Regierung selbst. „Der globale Beitrag ist viel zu gering“, sagt Maike Röttger.

Auch in einer Gesundheitsstation in Chilla Kebele, in der Plan International die Gesundheit der Kleinkinder und ihrer Mütter überprüft, überwacht und sie entsprechend gesundheitlich oder mit Zusatznahrung versorgt, zeigt sich, wie dramatisch die Situation geworden ist. Allein im vergangenen Monat ist die Zahl der Patientinnen und Patienten von 6000 auf 7500 gestiegen. „Daran erkennen wir, dass die Menschen keine Reserven mehr haben. Ihre Situation verschlechtert sich von Tag zu Tag“, warnt Manoj Kumar, der Länderdirektor von Plan in Äthiopien.

Warten auf den Sommerregen

Bereits im November 2015 startete Plan International sein Nothilfe-Programm in Äthiopien. Die Menschen erhalten seither Trinkwasser, Nahrung, gesundheitliche Behandlung, Hygiene-Schulungen sowie Saatgut für Getreide und Gemüse. Derzeit wird verstärkt Saatgut verteilt, denn alle warten auf das Einsetzen des großen Sommerregens Meher. In der Region Amhara rund um die historische Stadt Lalibela ist er schon im vergangenen Jahr ausgeblieben. Jetzt sind die Felder wieder gepflügt und die 32 Jahre alte Sewnet blickt jeden Morgen als erstes gen Himmel. „Es muss jetzt regnen“, sagt sie. „Sonst werden wir die Gegend verlassen müssen.“

40 Liter Wasser bekommt jede Familie täglich

Sewnet organisiert die Wasserausgabestation für ihre Gemeinde. Meterlang sind die weißen Wasserkanister aufgereiht, geduldig warten die Menschen, bis sie je zwei 20-Liter-Kanister pro Familie füllen können. Das ist die Ration, die sie von der Verteilstelle mitnehmen dürfen. 150 Haushalte werden aus diesem Wassertank, den Plan International seit Februar 2016 täglich auffüllt, versorgt. Zusammen mit der Gemeinde hat Plan den Standort so ausgewählt, dass möglichst viele Menschen den Tank in kurzer Zeit erreichen können. „Vorher war ich acht Stunden unterwegs, um in einem ausgetrockneten Flussbett nach Wasser zu graben und es zu meiner Familie zu bringen“, erzählt Sewnet. Ihre sechs und neun Jahre alten Kinder konnten nur einmal am Tag essen. Inzwischen gibt es wieder zwei Mahlzeiten, weil Plan Öl und Getreide an die Menschen verteilt. Ihr Sohn, erzählt Sewnet, gehe auch weiter zur Schule. Ihre Tochter sei derzeit zu schwach.

Meistens ist es die Aufgabe der Mädchen und Frauen, Wasser zu holen. „Das erhöht gerade in der jetzigen Situation das Risiko, dass Mädchen deswegen die Schule verpassen. Wir haben in den letzten Jahren viele Anstrengungen unternommen, die Einschulungsraten der Mädchen zu erhöhen. Genau das ist jetzt wieder in Gefahr“, sagt Maike Röttger. Das ist auch der Grund, warum Plan darauf achtet, dass das Verteilen von Wasser in der Nähe oder direkt an Schulen stattfindet. Insgesamt leben 5387 Kindern mit deutschen Paten in der Region. Auch sie werden über die Nothilfe-Programme erreicht.

Mehrere Dürren in Folge verstärken die Not

Geze Mihrete hat sich eingereiht in die Ausgabe für Getreide-Saatgut. Er ist 65 Jahre alt und wartet sehnsüchtig auf den Regen: „Die Ernte ist noch schlechter als im letzten Jahr. Wir hatten uns noch nicht einmal von der letzten Dürre erholt. Die Auswirkungen von El Nino werfen uns jetzt noch einmal zurück. Die Regierung allein kann uns nicht mehr helfen.“ Er hat acht Kinder. Das jüngste ist erst ein Jahr, seine älteste Tochter ist 25 Jahre alt und bereits verheiratet. „Sie leiden Hunger“, sagt er. „Ich hoffe, Gott gibt uns bald Regen, so dass wir wieder eine Ernte haben.“

Wer Saatgut erhält, den begleitet das Team von Plan auch bis zur Aussaat. Zu groß ist sonst die Gefahr, dass die Menschen die Saat essen, bevor sie eingesät wird.

Seit drei Jahren herrscht Dürre

In einigen Regionen des Landes sind nicht nur der letzte Juni- und Märzregen ausgeblieben. In Sehala im oberen Norden des Landes hat es seit drei Jahren nicht mehr geregnet. Der sonst reißende Fluss am Boden der riesigen Canon-Landschaft gleicht nur noch einem Rinnsal „Selbst wenn es jetzt regnet, bedeutet das nicht das Ende der Dürre. Wir müssen erkennen, dass diese Situation sich dauerhaft entwickelt. Unsere Aufgabe ist es deshalb, die Menschen zu stärken, damit sie auch zukünftige Trockenperioden gut überleben können“, sagt Maike Röttger.

So wird Plan im Norden Äthiopiens auch in Zukunft verstärkt darauf setzen, Wassersysteme anzulegen, Alternativen zum Getreideanbau zu finden und den Menschen einen besseren Zugang zu den lokalen Märkten zu verschaffen. Seit 2011 schult Plan die Menschen darin, nicht nur Getreide, sondern auch Gemüse anzubauen, Honig zu züchten und den Fischfang auszuweiten. Zudem werden Familien mit Einkommen schaffenden Maßnahmen gestärkt, indem sie zum Beispiel Ziegen bekommen.

Hilfe für Menschen in Notsituationen

Plan International finanziert unter anderem humanitäre Hilfe in Krisensituationen in Entwicklungsländern.

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