Najm Un Nisa und ihre Freundinnen stärken als Fahrerinnen der pinken Rikschas das Selbstbewusstein aller Frauen in Pakistan. © Plan International
Najm Un Nisa und ihre Freundinnen stärken als Fahrerinnen der pinken Rikschas das Selbstbewusstein aller Frauen in Pakistan. © Plan International
09.01.2017

Die Pinke Rikscha: Ein Taxi nur für Frauen

Najm Un Nisa ist für viele junge Mädchen in Pakistan ein Vorbild. Als eine der ersten weiblichen Rikscha-Fahrerinnen ist sie in den Straßen der Provinz Punjab Chakwall unterwegs. Aber noch etwas hebt sie deutlich von anderen Verkehrsteilnehmenden ab. Ihre Rikscha ist pink und die Fahrgäste sind ausschließlich weiblich.

„Für mich ist es eine Ehre, Fahrerin einer pinken Rikscha zu sein. So kann ich meinen Beitrag zur Veränderung der Gesellschaft leisten“, erzählt Najm stolz. Durch den Frauen-Rikscha-Service verhilft Plan International Pakistan Frauen zu mehr Freiheit und Unabhängigkeit - sie können sich nun sicher im Straßenverkehr bewegen.

Frauen sind in Pakistans bevölkerungsreichster Provinz Punjab Chakwal sowohl sozial als auch ökonomisch benachteiligt. Nur etwa fünf Prozent der pakistanischen Frauen besitzen einen Führerschein. So haben sie kaum eine andere Möglichkeit, als eine öffentliche Rikscha zu nutzen, um zur Arbeit oder zur Schule zu kommen. Allerdings werden Frauen auf ihren Wegen häufig belästigt, weshalb sie nur in Begleitung von männlichen Familienmitgliedern das Haus verlassen können. Die Einschränkungen ihrer Freiheit und Unabhängigkeit machen den Frauen eine normale Teilnahme am öffentlichen Leben und am Straßenverkehr nahezu unmöglich. Dies hat unter anderem zur Folge, dass gerade einmal 25 Prozent der Frauen einer Arbeit nachgehen - es gibt zu wenig sichere Verkehrsmittel, die sie für den Arbeitsweg nutzen könnten.

Freiheit durch Sicherheit

Mit dem neuen Rikscha-Service kann sich das jetzt ändern. Durch die pinken Rikschas können sich Frauen nun sicher und geschützt vor Belästigung und Diskriminierung fortbewegen. Sie können nun frei und unabhängig von männlichen Familienmitgliedern entscheiden, wo sie wann und mit wem hingehen möchten. Außerdem haben es Frauen nun deutlich einfacher, einer Arbeit nachzugehen, selbst wenn der Arbeitsplatz weit entfernt vom Wohnort liegt. Durch diese neue Bewegungsfreiheit der Frauen wird auch die traditionelle Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen in Pakistan in Frage gestellt - ein wichtiger Schritt hin auf dem Weg zu mehr Gleichberechtigung.

Ein neues Selbstbewusstsein

Die ausschließlich weiblichen Fahrerinnen der pinken Taxis stärken das Selbstbewusstsein aller Frauen in Pakistan und sind Vorbilder für die Frauen und Mädchen ihrer Gemeinden. Sie arbeiten in einem bis dahin ausschließlich von Männern dominierten Bereich und verdienen sich ihren Lebensunterhalt selbst. Neben Bildung ist die Möglichkeit, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, einer der wichtigsten Faktoren für Frauen, um ihre Rechte wahrzunehmen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Fahrerin Bali Rani erklärt ihre Motivation so: „Ich habe zwei Kinder und war dazu gezwungen, auf der Straße betteln zu gehen. Das Projekt von Plan International hat mir einen anständigen und respektvollen Weg gezeigt, Geld zu verdienen. Ich wurde Fahrerin einer pinken Rikscha. Nun kann ich meine Familie unterstützen und meinen Kindern eine gute Ausbildung bieten.“ Die Fahrerinnen fahren etwa 10 bis 12 Frauen und verdienen um die 300 Rupien pro Tag, was ungefähr 3 US-Dollar entspricht. Auch wenn dies noch ein geringes Einkommen darstellt: Sowohl für die Fahrerinnen als auch für die Fahrgäste bietet der Rikscha-Service ein neues Maß an Bewegungsfreiheit und Unabhängigkeit von ihren Familien.
Auch Plan International Deutschland fördert unter dem Dach von Because I am a Girl ein Berufsbildungsprojekt: In Simbabwe können Jugendliche und junge Frauen mit Hilfe verschiedener Berufstrainings und durch die Teilnahme an Spargruppen lernen, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften.


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