In Simbabwe wird eins von drei Mädchen bereits vor ihrem 18 Lebensjahr verheiratet. Diskriminierung, häusliche Gewalt, Teenagerschwangerschaften und Frühverheiratung gehören zum Alltag junger Frauen und Mädchen. © Plan
24.10.2016

Die Lücke schließen: Mädchen in Simbabwe fördern

Die Nachhaltigen Entwicklungsziele streben einen universalen Zugang zu Bildung an. Doch im diesjährigen Report „Counting the Invisible“ hebt Plan International hervor, dass die ambitionierten Ziele nur eingehalten werden können, wenn die Situation von Mädchen in Entwicklungsländern in die globalen Pläne einbezogen wird.

Ohne eine signifikante Datenerfassung und detaillierte Zahlen besteht keine Möglichkeit, zu analysieren, wo Geschlechterungerechtigkeit und Gewalt auftreten und somit das globale Bildungssystem zu verändern.

Simbabwe: Geschlechterungerechtigkeit und Gewalt im Alltag

In Simbabwe wird eins von drei Mädchen bereits vor ihrem 18 Lebensjahr verheiratet. Diskriminierung, häusliche Gewalt, Teenagerschwangerschaften und Frühverheiratung gehören zum Alltag junger Frauen und Mädchen.
Für den Bericht "Counting the Invisible“(dt.:„Die Unsichtbaren zählen") befragte Plan International Mädchen und junge Frauen in Simbabwe. So gaben zum Beispiel 89 Prozent der befragten Mädchen an, dass sie mit einer abgeschlossenen Schulbildung eine bessere Ausgangsposition auf dem Arbeitsmarkt haben würden.
33 Prozent ergänzten anschließend, dass ihnen die Chance auf eine umfassende Bildung durch finanzielle und familiäre Gründe verwehrt bliebe.
Hohe Schulgebühren, stereotypische Rollenaufteilung und Frühverheiratung führen dazu, dass Mädchen in Entwicklungsländern ihren Schulbesuch frühzeitig abbrechen müssen. Mit fatalen Folgen: Die globale Because I am a Girl-Bewegung von Plan International weist darauf hin, dass Bildung für Mädchen die wichtigste Grundlage ist, um Armut zu bekämpfen. Ein Mädchen mit abgeschlossener Bildung wird später heiraten und aufgrund ihres Wissens um ihren Körper und ihre Rechte weniger Kinder bekommen. Zudem führt eine weiterführende Schuldbildung dazu, dass das Einkommen des Mädchens erhöht wird. Ein weiterer bedrohlicher Trend der Studie: Gewalt gegen Mädchen im Alltag nimmt zu. Viele der Befragten sind Opfer häuslicher Gewalt: So gaben 68 Prozent der Mädchen an, gewalttätige Übergriffe zu „ertragen“ um im Gegenzug ihre Familie zu schützen. 

Erfahrungsberichte

Weil ihre Familie nicht mehr für die Gebühren aufkommen konnte, musste Siphiwe mit 15 Jahren die Schule abbrechen. Ohne Arbeit und Aussicht darauf, ihre Ausbildung weiterzuführen, blieb eine Heirat die einzige Option, um ihr Überleben zu sichern. Vor allem in den ländlichen Gemeinden von Simbabwe gilt eine frühe Heirat als „erstrebenswert“ - eine abgeschlossene Schulbildung jedoch nicht.

Die 13-Jährige Jenny musste vor einem Jahr die Schule verlassen und arbeitet nun als Prostituierte. Die Arbeit ist gefährlich - sexualisierte Gewalt an der „Tagesordnung“: „Du bist zu jung, schreien die Kunden immer und dann bezahlen sie mich nicht“, erklärt Jenny und senkt ihre Stimme. „Manchmal werden sie gewalttätig und es ist schmerzhaft“.

Neben physischer und psychischer Gewalt ist für Jenny das Risiko, sich mit HIV zu infizieren, sehr hoch. Rund 15 Prozent der Bevölkerung in Simbabwe zählen zu den Trägern des Virus.

Plan International möchte den Kreislauf der Ausbeutung durchbrechen und unterstützt Mädchen dabei, Chancen wahrzunehmen und einen Bildungsabschluss zu erwerben. Plan International möchte die stereotypische Rollenverteilung ein für alle Mal auf den „Kopf stellen“ und arbeitet deswegen auch eng mit Jungen und Eltern zusammen.
„Counting the Invisible“ ist der erste Report einer neuen Reihe, die bis 2030 die Fortschritte auf dem Weg hin zu Gleichberechtigung dokumentieren will. Für diese Berichte wird Plan International diverse Daten deshalb gemeinsam mit verschiedenen Organisationen erheben und so Fortschritte in Bezug auf Geschlechtergerechtigkeit dokumentieren.

Plan International arbeitet in Afrika südlich der Sahara gegen Frühverheiratung. Im Fokus: Mädchen zu stärken.


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