Isabella, Irlane, Nathalia und Daiane (v.l.n.r.) protestieren gemeinsam gegen jede Form von Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen in Brasilien. © Plan International / Maurício Neto
Isabella, Irlane, Nathalia und Daiane (v.l.n.r.) protestieren gemeinsam gegen jede Form von Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen in Brasilien. © Plan International / Maurício Neto
24.02.2017

Brasiliens Mädchen: aktiv gegen Gewalt und Unterdrückung

Sie tragen pinke Shirts, halten Spruchbanner hoch und schreien ihre Forderungen in die Megafone. Sie sind Teil der globalen Bewegung Because I am a Girl. In Brasilien setzen sich junge Aktivistinnen dafür ein, dass es Gesetze für Gleichberechtigung und gegen sexuelle Gewalt gibt.

Sexuelle Gewalt gegen Mädchen und junge Frauen ist in Brasilien weit verbreitet. Diese Kultur der Gewalt ist tief verwurzelt. Die Menschen haben sogar einen Namen dafür entwickelt: „cultura do estupro“. Übersetzt bedeutet dies so viel wie „Vergewaltigungskultur“. Schätzungen zufolge gibt es im ganzen Land pro Jahr über 500.000 Fälle von Vergewaltigungen. Eine Kampagne von Plan International Brasilien soll dies ändern.

Gleichberechtigung! Mädchen verschaffen sich Gehör

 

Plan unterstützt Mädchen wie Irlane Félix (19). Die jungen Aktivistinnen setzen sich für bessere Strategien und rechtliche Grundlagen für den Schutz von Mädchen ein. Zum Welt-Mädchentag 2016 organisierten sie verschiedene Aktionen - unter anderem einen Protestmarsch in Codó City. Hunderte Teilnehmerinnen protestierten gemeinsam gegen jede Form von Gewalt und Unterdrückung gegenüber Frauen.

Mit Hilfe von Plan verschafften sich die Mädchen mit ihren Forderungen mittlerweile auch auf politischer Ebene Gehör. Bereits im Jahr 2015 verfassten die jungen Aktivistinnen aus allen fünf Regionen Brasiliens gemeinsam eine "Declaration of the Girls of Brazil". Anschließend überreichten sie ihre Erklärung an die Präsidentin Dilma Rousseff. Zwei der Teilnehmerinnen nahmen zudem am UN-Gipfel in New York teil. Hier brachten sie ihre Vorschläge in die "Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung" mit ein. Irlane spricht von einer lebensverändernden Erfahrung. "Ich nehme die Welt jetzt anders wahr", sagt sie. "Durch die Versammlung habe ich verstanden, dass ich für meine Rechte wirklich kämpfen kann. Ich bin jetzt motiviert, das zu tun."

Erfolgreicher politischer Protest


Die Aktivitäten der jungen Frauen erhielten im Land große Aufmerksamkeit. "Es regt sich jetzt ein so großer Widerstand, wenn es hier in Brasilien um Geschlechterfragen geht, dass die Politiker gezwungen sind, die Rechte von Mädchen ernst zu nehmen", stellt Flavio Debique, Technischer Manager für Kinderschutz bei Plan International Brasilien, fest. Das Jahr 2016 war dafür ein Meilenstein: Plan International Brasilien entwickelte gemeinsam mit der Regierungsorganisation Conanda eine Gesetzesresolution für Geschlechtergleichheit und die Rechte von Mädchen. Im Dezember stimmte der Nationale Rat für die Rechte von Kindern und Jugendlichen der Resolution zu. Diese hat den gleichen Rang wie ein Gesetz. Die Bundesregierung muss jetzt jedes neue Gesetz darauf prüfen, ob dieses die Gleichberechtigung fördert und dazu vorliegende Daten zu Diskriminierung und Benachteiligung mit einbeziehen. 
Debique glaubt, dass es damit möglich sein wird, die Ursachen von sexueller Gewalt auf gesetzlicher Ebene wirksam zu bekämpfen - ein großer Schritt, um die "cultura do estupro" in Brasilien zu beenden.



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