Nur für Jungs? Frauen in männerdominierten Berufen

Foto: Plan International

In der Berufswelt zeigt sich, wie wirkungsstark Geschlechterstereotype nach wie vor sind. Technische, ingenieur- und naturwissenschaftliche Felder sind von Männern dominiert. Ein Ausbildungsprojekt in Kenia bildet vorwiegend junge Frauen in genau diesen Feldern aus, um diesem Phänomen entgegenzuwirken. Sechs Auszubildende berichten von ihren Erfahrungen.

„Ich wurde oft beleidigt und entmutigt, sogar von meinen Verwandten, die mich fragten, wie ein Mädchen einen Schweißkurs machen kann.“

Jeniffer (20)
Auszubildende

Obwohl heute mehr Mädchen zur Schule gehen als je zuvor, sind nur 35 Prozent der Studierenden in den Bereichen Mathe, Ingenieurswesen, Naturwissenschaften und Technologie (MINT) an Hochschulen Frauen. Zu viele Mädchen und junge Frauen werden durch Vorurteile, soziale Normen und Erwartungen in ihrer Ausbildungs- und Berufswahl eingeschränkt.

Diese Kluft zwischen den Geschlechtern ist in manchen, rapide wachsenden, Industrien und Berufen besonders deutlich zu spüren, insbesondere Informatik und Ingenieurswesen. Das bringt weitreichende strukturelle Probleme mit sich: die Unterscheidung in sogenannte Männer- beziehungsweise Frauenberufe geht mit einem deutlichen Verdienstunterschied einher, dem Gender Pay Gap, der die Ungleichbehandlung der Geschlechter verstärkt.

Um jungen Frauen in Kenia Chancen in technischen Bereichen zu bieten, die ihnen normalerweise nicht offenstehen, nimmt Plan International Mädchen in Berufsausbildungskurse auf, die vom Schweißen über Automatisierungssysteme, bis hin zur Bedienung von Drehmaschinen zur Herstellung von Werkzeugen reichen. Doreen, Pamela, Christine, Joy, Jeniffer und Margaret sind sechs junge Frauen, die derzeit an dem Ausbildungsprogramm teilnehmen.

Doreen, eine junge Frau mit kurzen Haaren und Brille bedient ein Automatisierungssystem.
Doreen will mehr Frauen ermutigen, eine Ausbildung in technischen Berufen zu machen. Plan International
Pamela, eine junge Frau mit lockigen Haaren, beugt sich lachend über ein Automatisierungsgerät.
Pamela will anderen Frauen die Angst vor Ingenieurwesen und Maschinenbau nehmen.Plan International

Doreen stammt aus einem kleinen Dorf im Bezirk Meru. Die 25-Jährige lernt derzeit, wie man Automatisierungssysteme wartet und repariert. Es gibt in ihrem Kurs nur wenige Frauen, da der Beruf für gewöhnlich meist von Männern ausgeübt wird. „Ich habe gesehen, dass es nur sehr wenige Frauen in der Technikbranche gibt. Viele Frauen haben wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und die Chancen, in dieser Branche erfolgreich zu sein. Sie haben das Gefühl, dass dieser Beruf nur für Männer gedacht ist, aber diese Einstellung ist total falsch. Ich will mehr Frauen ermutigen, in unsere Fußstapfen zu treten.“

Die 21-jährige Pamela wollte Ingenieurin werden, um mehr Mädchen und Frauen zu motivieren, auch eine Karriere in diesem Bereich einzuschlagen. „Ingenieurwesen und Maschinenbau ist nicht schwer, man braucht nur Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen. In meiner Ausbildung habe ich erkannt, dass nichts von Natur aus einem einzigen Geschlecht vorbehalten ist. Wir sind alle Menschen, die gemeinsam Großes erreichen können. Wenn ich diese Ausbildung abgeschlossen habe, möchte ich meine eigene Elektronikwerkstatt eröffnen und Frauen einstellen, die diesen Kurs absolviert haben oder Interesse an dem Thema zeigen.“

Joy, eine junge Frau im Blaumann, sitzt lächelnd vor einer Regelmaschine.
Joy will nach ihrer Ausbildung Ingenieurin werden.Plan International
Christine zeigt, wie man einen Bildschirm repariert.
Christine kann sich vorstellen, Ausbilderin zu werden und selbst junge Frauen auf ihrem Weg zu unterstützen.Plan International

Joy, 21 Jahre alt, studiert Mess- und Regeltechnik und möchte nach Abschluss ihrer Ausbildung Ingenieurin werden. „Ich finde diese Ausbildung sehr spannend, weil es immer etwas Neues zu lernen gibt. Ich möchte Mädchen und junge Frauen ermutigen, ihre Zukunft selbstbestimmt zu gestalten und sich nicht von Vorurteilen zurückhalten oder beeinflussen zu lassen. Deshalb möchte ich auch andere Mädchen für technische Ausbildungen und Studiengänge begeistern. Traut euch! Wenn wir es so weit geschafft haben, könnt ihr es auch!“

Die 22-jährige Christine lernt, wie man Automatisierungssysteme wartet und repariert. „Die Chance hat sich ergeben und ich habe sie ergriffen. Da die meisten Frauen vor solchen Möglichkeiten zurückschrecken, wollte ich mir und meinen Freundinnen beweisen, dass die Welt der Ingenieure auch ein Ort für uns sein kann. Seitdem bin ich sehr glücklich und sehr motiviert, ein Mitglied der wachsenden Community von Frauen in MINT-Branchen zu werden. Ich kann mir auch gut vorstellen, irgendwann selbst Ausbilderin zu werden und junge Frauen auf ihrem Weg zu begleiten und zu unterstützen.“

Jeniffer, eine junge Frau mit kurzen Haaren strahlt in die Kamera. Sie hält ihre Schweißermaske und ihr Werkzeug in den Händen.
Jeniffer bekam viel Gegenwind, als ihre Familie erfuhr, dass sie eine Ausbildung zur Schweißerin machen will.Plan International
Margaret kniet neben einer Drehbank und prüft eine Einstellung.
Margaret lernt, wie sie mithilfe der Drehmaschine verschiedene Werkzeuge herstellen kann.Plan International

Die 20-jährige Jeniffer absolviert einen Schweißkurs. „Der Weg zum Schweißen war für mich nicht einfach, besonders als junge Frau. Sogar hier in dem Kurs sind mehr Männer als Frauen, was viele Herausforderungen mit sich bringt. Ich musste stark sein und für mich selbst kämpfen.

Ich wurde oft beleidigt und entmutigt, sogar von meinen Verwandten, die mich fragten, wie ein Mädchen einen Schweißkurs machen kann. Aber ich habe immer gewusst, was ich erreichen will. Ich bin eine entschlossene junge Frau und ich habe mir vorgenommen, mit meinen Ergebnissen zurückzukommen und ihnen zu beweisen, dass Schweißen nicht nur für Jungs ist."

Margaret, 20 Jahre alt, entschied sich für eine Ausbildung als Bedienerin einer Drehmaschine. Sie sagt, dass sie einen Kurs in einem Fach belegen wollte, das als männlich dominierter Beruf gilt, weil sie in ihrer Kindheit Frauen im Gastgewerbe, in der Modebranche, im Design und im Friseurhandwerk arbeiten sah, sich selbst aber nie in diesen Berufen sehen konnte.

„Ich habe in diesem Kurs sehr viel gelernt. Es hat mich total erstaunt, zu sehen, wie einfach Schrauben, Schraubschlüssel und viele andere Werkzeuge mit dieser Maschine hergestellt werden können. Ich habe auch gelernt, geduldig zu sein, denn die Maschine erfordert Zeit und Konzentration. Ich habe in dem Kurs auch gelernt, wie ich mit anderen Menschen in meinem Bereich interagieren und Beziehungen aufbauen kann. Die wichtigste Lektion aber war, dass alles möglich ist, und dass nichts nur für Männer ist. In drei Jahren möchte ich eine eigene Werkstatt haben, damit ich Beschäftigungsmöglichkeiten für junge Frauen schaffen kann, die dasselbe studieren wie ich.“

„Viele Frauen haben wenig Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und die Chancen, in dieser Branche erfolgreich zu sein. Sie haben das Gefühl, dass dieser Beruf nur für Männer gedacht ist, aber diese Einstellung ist total falsch.“

Doreen (25)
Auszubildende

Das Projekt „Competence Based Education and Training“ (deutsch: Kompetenzbasierte Schulung und Ausbildung) wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) finanziert, die die deutsche Regierung bei der Implementierung ihrer Ziele im Bereich der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung unterstützt.

Ziel dieses Projektes ist es, benachteiligten Jugendlichen, insbesondere jungen Frauen, Chancen in technischen Ausbildungsprogrammen zu eröffnen. Das erhöht die Beschäftigungsfähigkeit von Frauen in technischen Berufen, welche zurzeit von Männern dominiert werden. Zu diesen Bereichen gehören die Inspektion, das Einstellen und die Steuerung von automatisierten Prozessen, die Bedienung von Drehmaschinen und das Schweißen.

Die Kurse werden in Zentren für technische und berufliche Bildung an der Technischen Universität Mombasa, dem Nyeri National Polytechnikum und dem Meru National Polytechnikum durchgeführt. Rund 60 Prozent der Projektteilnehmer:innen sind Frauen und 40 Prozent Männer. Sie werden mit den Fähigkeiten und Qualifikationen für eine Anstellung auf dem formellen Arbeitsmarkt ausgestattet.

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