"Wenn die Kinder nicht zur Schule kommen können, dann bringen wir die Schule einfach zu ihnen", betont Bina Lashkari, Direktorin der „Door Step School“. © Plan
"Wenn die Kinder nicht zur Schule kommen können, dann bringen wir die Schule einfach zu ihnen", betont Bina Lashkari, Direktorin der „Door Step School“. © Plan
02.09.2015

Wissen auf Tournee

Während es für uns in Deutschland selbstverständlich ist, die Schulbank zu drücken, müssen einige Kinder und Jugendliche in Mumbai auf ungewöhnliche Maßnahmen zurückgreifen, um ihre Chancen auf ein besseres Leben zu sichern.„Wir haben kein richtiges Dach über dem Kopf“, erzählt Barthi, während sie auf der Bank Platz nimmt, die ihrer Familie als Unterschlupf dient. Direkt gegenüber der überfüllten Slums gelegen,, bietet die schmale Bank inmitten des Monsuns nur wenig Schutz vor Regen und Wind. Aber Bharti  und ihre Familie müssen - so wie viele andere Familien auch - durchhalten.

„Ich will meine Familie unterstützen“, erklärt die Fünfzehnjährige. „Ich arbeite auf dem Fischmarkt und verkaufe Garnelen. Wenn die Regenzeit anbricht, dann ist der Job für mich vorbei, und ich handle mit Zitronen und Chillis an der Straßenecke. Wenn es gerade keine Arbeit gibt, dann versuche ich meine Familie bei alltäglichen Dingen zu unterstützen, während meine Mutter an der Straßenecke bettelt.“

Eine Stadt der Superlative

Das starke Wachstum der indischen Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass Metropolen wie Mumbai aus allen Nähten platzen. Auf der verheißungsvollen Suche nach einem besseren Leben strömen Tausende Menschen in die längst überfüllten Großstädte. Für viele endet der Traum vom großen Glück in den Slums von Mumbai.
Um sich den Lebensunterhalt zu sichern, muss in den meisten Fällen die ganze Familie mit anpacken. Auch von den Jüngsten wird erwartet, dass sie arbeiten und die Familie entlasten - darunter leidet vor allem die Schulbildung. Laut einer Statistik der UNESCO, gehen bereits 1,7 Millionen indische Kinder nicht in die Grundschulen.

Hilfe rollt an

Entschlossen, allen Kindern eine Chance auf Bildung zu gewähren, hat Plan International in Kooperation mit der „Door Step School“ 2008 das Projekt „School on Wheels“ gegründet. Rund 3.000 Kinder in Mumbai profitieren bereits jährlich von der Schule auf Rädern.
„Wenn sie nicht zur Schule kommen können, dann bringen wir die Schule einfach zu ihnen“, betont Bina Lashkari, Direktorin der „Door Step School“.
So düst jeden Tag ein riesiger, gelber Bus durch die Straßen der Slums und macht an vier Stationen halt, um die Kinder mit Lernmaterial zu versorgen.
Für Bharti ist der Schulbus das Highlight des Tages. „Ich mag es, zur Schule zu gehen. Ich mag es zu lernen. Außerdem kümmern sich unsere Lehrer um uns“, erzählt sie mit leuchtenden Augen.
Vor allem für die jungen Mädchen ist es besonders wichtig, regelmäßig zur Schule zu gehen. Denn nur wer gebildet ist, kann auch alle seine Rechte wahrnehmen und unabhängig werden.

„Der Schulbus ist gut besucht. Wir unterrichten bis zu 25 Kinder. Sie fühlen sich bei uns sicher und erzählen uns von ihren Erlebnissen auf der Straße. Ich bin glücklich, diesen Job zu haben“, Lalita Raman arbeitet bereits seit 19 Jahren als „mobile“ Lehrkraft in den Straßen von Mumbai.
Das Engagement wird belohnt: Das Projekt kann schon jetzt zahlreiche Erfolgsgeschichten vorweisen. Besonders beeindruckend ist die von Fatima, einem ehemaligen Waisenkind aus den Slums von Mumbai. Mit Hilfe ihrer engagierten Lehrerinnen hat sie es geschafft, ihr Studium abzuschließen und jetzt für die indische Regierung zu arbeiten. Solche Erfolge geben den Kindern den Mut, am Ball zu bleiben, wenn die Doppelbelastung von Arbeit und Unterricht an ihren Kräften zehrt.


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