Die Verheiratung der Töchter hat für viele Eltern in Pakistan Priorität - ihre Bildung bleibt dabei auf der Strecke. © Plan International / Laura Salvinelli
Die Verheiratung der Töchter hat für viele Eltern in Pakistan Priorität - ihre Bildung bleibt dabei auf der Strecke. © Plan International / Laura Salvinelli
26.06.2017

Pakistan: Die Situation von Mädchen sichtbar machen

Zu der Situation von Mädchen liegen in vielen Ländern kaum Daten vor - viele Mädchen bleiben unsichtbar. Mit Studien unter dem Titel „Counting the Invisible“ (dt.:„Die Unsichtbaren zählen") verfolgt Plan International das Ziel, Herausforderungen und Möglichkeiten von Mädchen aufzudecken und die Datenlücke schließen zu können.

Die 2015 verabschiedeten Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) geben der Staatengemeinschaft den Auftrag, Geschlechtergrenzen aufzulösen. „Niemanden zurücklassen“ ist das Leitprinzip der SDGs - um dem gerecht werden zu können und Fortschritte messen zu können, werden verlässliche Zahlen und Fakten zu der Situation von Mädchen benötigt. Plan International hat deshalb denjenigen eine Stimme gegeben, die am stärksten gefährdet sind, übersehen zu werden: Für den Bericht „Counting the Invisible “ befragte Plan International Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren dreier unterschiedlicher ethnischer Minderheiten in Pakistan.

Der Zugang zur Bildung bleibt Mädchen verwehrt

In Pakistan werden viele Mädchen bereits verheiratet bevor sie 18 Jahre alt sind. Plans Studie verdeutlicht, dass ihre Schulbildung dadurch häufig auf der Strecke bleibt: „Wenn ich gebildet bin, will mich niemand heiraten. Niemand möchte, dass die Schwiegertochter gebildet ist. Sie denken, dass Bildung schlecht für Mädchen ist und gebildete Mädchen den Älteren nicht gehorchen“, erzählt ein Mädchen. Ein anderes sagt: „Auch wenn man gebildet ist, hat man nach der Heirat sowieso die gleichen Haushaltspflichten, es ist also Geldverschwendung, die Bildung von Mädchen zu finanzieren. Meine Eltern sind froh, dass sie nicht für meine Schule und Bücher zahlen müssen.“ Fast die Hälfte der befragten Mädchen besuchte zum Zeitpunkt der Datenerhebung keine Schule. Dies ist äußerst bedenklich, denn Bildung für Mädchen ist die wichtigste Grundlage, um Armut zu bekämpfen.

Frühe Verheiratung, Teenagerschwangerschaften und häusliche Verpflichtungen führen dazu, dass die Mädchen häufig stark sozial isoliert leben: 84 Prozent der befragten Mädchen sagten, dass verheiratete Mädchen ihren Ehemann oder die Schwiegereltern um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie nur das Haus verlassen wollen. Erschreckend sind außerdem die Ängste und die Gewalt im Alltag: Weit über die Hälfte der Verheirateten haben ausgesagt, dass sie häusliche Gewalt „ertragen“, um ihre Familie zusammenzuhalten. 79 Prozent der Befragten fühlt sich außerdem an öffentlichen Plätzen und in Bussen nicht sicher.

Geschlechtergerechtigkeit erreichen

Die Mehrheit der Mädchen wünscht sich die Unterstützung ihrer Gemeinde, um eine gute und gesunde Zukunft zu haben sowie über das eigene Leben entscheiden zu können. Die am häufigsten geäußerten Ziele waren, eine Ausbildung zu bekommen, um bessere Chancen auf eine gut bezahlte Beschäftigung zu haben sowie mehr Bewegungsfreiheit im Alltag.
Unter dem Dach der Bewegung Because I am a Girl verfolgt Plan das Ziel, Mädchen zu unterstützen, die Chancen wahrzunehmen, die ihnen durch Armut, Stereotype und kulturelle Erwartungen häufig verwehrt bleiben.

Die Berichte unter dem Titel „Counting the Invisible“ sind eine Weiterentwicklung der Because I am a Girl-Reports „Zur Situation der Mädchen in der Welt“, die zwischen 2007 und 2015 jedes Jahr zu einem aktuellen Thema erschienen sind. Ziel ist es, die Fortschritte auf dem Weg hin zu Gleichberechtigung bis 2030 zu dokumentieren.


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