Die Kinder stehen vor geschlossenen Türen. Der Unterricht musste wegen der starken Nachbeben unterbrochen werden. © Plan
28.07.2015

Nepal: Nachbeben behindern Hilfsmaßnahmen

Stellt euch vor, eure Schule schließt auf unbestimmte Zeit ihre Türen. Was hierzulande Schülerinnen und Schüler durchaus freuen könnte, ist für die Kinder in Nepal ein wahrgewordener Albtraum.Seit dem schweren Erdbeben liegen viele Schulen in Schutt und oder müssen geschlossen bleiben. Denn noch immer drohen Nachbeben - wie das jüngste vom 12. Mai.

Die Not ist überall

„Plötzlich fing das ganze Zimmer an zu wackeln. Erst dachte ich, jemand würde sich streiten. Als ich nachgucken wollte, fing der Boden wieder an, stark zu schwanken. Als es dann endlich aufhörte, rannten meine Freunde und ich nach draußen. Zusammen versuchten wir, schnell einen sicheren Ort zu finden. Wir drängelten uns durch die Menschenmassen. Was ich sah, erschütterte mich. Denkmäler waren bis auf den Grund zusammengestürzt, und überall sah ich schwer verwundete und sterbende Menschen. Viele waren am ganzen Körper verletzt - ein Anblick der mich bis heute verfolgt, “ berichtet die 23-Jährige Because I am a Girl-Botschafterin Urmila Chaudhary, die sich zum Zeitpunkt des großen Bebens in der Hauptstadt Kathmandu befand. Als ehemaliges Kamalari-Mädchen aus Nepal kämpft sie schon seit Jahren für die Befreiung von Mädchen aus ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen und setzt sich für ihre Rechte ein.
In der derzeitigen Krisensituation sorgt sich Urmila besonders um das Wohlergehen von Mädchen und jungen Frauen. Ohne tägliche Routine, steigt für sie das Risiko, Opfer geschlechterbasierter Gewalt zu werden. „Viele junge Mädchen sorgen sich nun um ihre Sicherheit, da sie zwischen fremden Leuten schlafen mussten“, erklärt die Because I am a Girl-Botschafterin.
Hinzu kommt, dass die Erdbebengefahr noch lange nicht gebannt ist. Drei Beben mit einer Stärke von 7,3 erschütterten das Land am 12. Mai aufs Neue. Die Aufbauarbeiten werden durch die starken Nachbeben behindert, die Bevölkerung befindet sich in Panik. In Nepal herrscht weiterhin der Ausnahmezustand.

Erste Hilfe: Schulbesuch möglich machen

Um wieder für Stabilität zu sorgen, konzentriert sich Plan darauf, den Schulunterricht wieder aufzunehmen. Dabei arbeitet die Hilfsorganisation eng mit der nepalesischen Regierung zusammen und möchte 200 provisorische Klassenzimmer für rund 12.000 Schülerinnen und Schüler errichten.
Gerade die Rückkehr zur Schule soll den Kindern wieder Normalität suggerieren. Insbesondere jungen Mädchen bietet die Wiederaufnahme des Unterrichts zahlreiche Vorteile:

  • Die Schule ist ein sicherer Ort. Durch den körperlichen Schutz sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Mädchen Opfer sexueller Übergriffe werden.
  • Die Schule hilft den Mädchen, ihre Traumata zu bewältigen. Sie können sich außerdem psychologisch geschultem Personal anvertrauen.
  • Die Schule unterstützt die Mädchen dabei, ausreichend Nahrungsmittel erhalten. Zusätzlich werden sie auch darüber unterrichtet, wie sie sich in der Krisensituation vor Krankheiten schützen können.


Auch Urmila ist von der Situation betroffen: „Ich möchte wieder zur Schule gehen und meine Prüfungen der 11. Klassenstufe abschließen, aber die Regierung hat die Schulen für eine Woche geschlossen. Bis die Schulen wieder geöffnet werden, werde ich versuchen, zu lernen. Aber immer wenn ich versuche, mich zu konzentrieren, holt mich das Erlebnis wieder ein. Ich bin mir sicher, dass es anderen genau so geht.“
Langfristig betrachtet, ermöglicht der Zugang zur Bildung den Mädchen die Chance, viele Dinge in ihrem Leben selbst zu bestimmen. Durch eine fundierte Bildungsgrundlage können sie später für sich selbst sorgen oder ihre Familie aus der Armut zu befreien. Gerade in Notsituationen ist es deswegen besonders wichtig, den Zugang zur Bildung aufrecht zu erhalten. Ausführliche Informationen zum Thema Bildung findet ihr in dem Because I am a Girl-Bericht „Fürs Leben lernen“.

Aktuelle Informationen und Neuigkeiten zum Erdbeben in Nepal findet ihr auf der Plan Deutschland Website.


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