Mädchen und junge Frauen haben es besonders schwer, während und auch nach Katastrophensituationen ihre Rechte wahrzunehmen. © Plan / Fabricio Morales
16.06.2016

In der Krise Mädchen helfen: Niemand wird zurückgelassen

Weltweit sind 100 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen - wie ihnen sinnvoll geholfen werden kann, stand im Fokus des ersten Humanitären Weltgipfels, der vom 23. bis 24. Mai in Istanbul stattfand. Katastrophen und Krisen haben auf alle Betroffenen negative Auswirkungen - tritt eine Notsituation ein, stehen vor allem Mädchen und junge Frauen vor besonderen Herausforderungen.

Die Auswirkungen stehen oftmals im direkten Zusammenhang mit ihrer Stellung in der Gesellschaft und im politischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Kontext. Wie stark Mädchen von Katastrophen betroffen sind, wird unter anderem auch durch ihre Familie, ihren Status, ihr Alter und materiellen Wohlstand beeinflusst. Vor allem in Gesellschaften, in denen Mädchen benachteiligt sind, erhöhen Krisen das Risiko, verwundbarer zu sein.
Mädchen sind besonders betroffen

Die Rechte von Mädchen und jungen Frauen werden in Krisen- und Katastrophensituationen viel zu oft ignoriert - dies stellte Plan International bereits 2013 im Because I am a Girl-Bericht „Mädchen und Katastrophen“ fest. Seit der Veröffentlichung arbeitet Plan International unter dem Dach von Because I am a Girl noch intensiver daran, sicherzustellen, dass Mädchen in Notsituationen berücksichtigt werden. Unter anderem werden Mädchen und junge Frauen in Plans Not- und Soforthilfemaßnahmen eingebunden - von der Ebola Krise in Westafrika, bis hin zum Erdbeben in Ecuador: Mädchen sind Schlüsselfiguren in der Bewältigung humanitärer Krisen - sie informieren ihre Gemeinde, sorgen für psychologische Unterstützung und holen Feedback in den betroffenen Regionen ein.

Die neunzehnjährige Vicky aus El Salvador weiß, was es bedeutet, täglich mit Gewalt konfrontiert zu werden. 2015 wurden 575 Frauen in ihrer Heimat ermordet - und nur 11 Prozent der Morde wurden gerichtlich verfolgt.
„Ich versuche, die Menschen durch Workshops in Gemeinden und Schulen über Menschenrechte, ihren Schutz und geschlechterspezifische Gewalt aufzuklären. Wir zeigen den Menschen in unserer Gemeinde, wie sie ihre Zukunft verändern können und welche Rechte ihnen zustehen.“ Sie fügt außerdem hinzu: „Vor allem möchten wir Mädchen dazu beitragen, dass wir in wichtige Entscheidungsprozesse einbezogen werden.“

Die Ebola-Epidemie in Westafrika hat das Leben der achtzehnjährigen Satta aus Liberia stark verändert: „Zu Beginn des Ebola-Ausbruchs, informierten Teilnehmer meiner Kinder- und Jugendgruppe die Einwohner über die Risiken der Epidemie. Besonders Frauen und Mädchen waren stark von den Folgen der Krise betroffen. Meist waren es nämlich die Frauen und Mädchen, die kranke Verwandte pflegten oder sich plötzlich um das Familieneinkommen kümmern mussten. Viele Mädchen waren in der Not sogar dazu gezwungen, sich zu prostituieren.“ Durch Beratungsprograme des Liberian National Children’s Forum möchte Satta nun dafür sorgen, dass kein Mädchen mit ihrem Trauma zurückgelassen wird.

Unsichtbar im Fall von Konflikten und Katastrophen

Die neuen Nachhaltigen Entwicklungsziele sehen die Gleichberechtigung der Geschlechter vor - auch innerhalb von Konflikten und Katastrophen.
Anlässlich des Weltgipfels für Humanitäre Hilfe befragte Plan International Binnenflüchtlinge und Opfer von Naturkatastrophen im Westen Kolumbiens und bat sie um ihre Einschätzung, wann Nothilfe erfolgreich ist. Das Ergebnis: Die Mitsprache der Betroffenen ist essentiell, um erfolgreiche Nothilfemaßnahmen zu garantieren.
Plan betont, dass es wichtig sei, Kinder und Jugendliche frühzeitig und konsequent an Nothilfemaßnahmen zu beteiligen. Vor allem Mädchen droht sonst ein erhöhtes Risiko, sexualisierte Gewalt zu erleben, früh verheiratet zu werden oder an den Konsequenzen der Krisensituation zu sterben.


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