Mit dem Computerspiel Minecraft visualisieren Mädchen in Hanoi ihre Ideen für einen sicheren Stadtteil. © Plan International
Mit dem Computerspiel Minecraft visualisieren Mädchen in Hanoi ihre Ideen für einen sicheren Stadtteil. © Plan International
12.05.2017

Eine sichere Stadt für Mädchen - mit Minecraft

Unter dem Dach der Bewegung Because I am a Girl unterstützt Plan International Mädchen in Vietnam, mithilfe eines Computerspiels ihre Stadt sicherer zu machen.

In vielen Großstädten sind Bedrohungen, Diskriminierungen und sexuelle Belästigungen noch immer an der Tagesordnung. „Der dunkle Tunnel ist gefährlich“, „Der Kanal ist nicht umzäunt, es gibt keine Deckel für die Kanalisation“, „Wenn wir an Restaurants vorbeigehen, rufen uns die Männer und Jungen häufig gemeine und anstößige Dinge zu.“ Mädchen in Hanoi erzählten Plan International Vietnam von ihren alltäglichen Ängsten an öffentlichen Plätzen, Straßen und in Bussen.

Eine unbeleuchtete Straße ist nicht einfach eine Unannehmlichkeit - für Mädchen und junge Frauen ist es ein Sicherheitsrisiko. Die Erfahrungen derjenigen, die Entscheidungen zur Städteplanung treffen, unterscheiden sich jedoch häufig stark von denen der Mädchen, die den Gefahren auf der Straße am meisten ausgesetzt sind. Deshalb haben Plan International Vietnam und UN-Habitat zwei erfolgreiche Projekte vereint: Das „Safer Cities - Sichere Städte für Mädchen“ von Plan und das „Block by Block“-Projekt von UN-Habitat und Mojang, dem Unternehmen hinter dem bekannten Computerspiel Minecraft.

Ideen visualisieren mit Spieltechnologie


35 Mädchen zwischen 13 und 16 Jahren nehmen an dem „Block by Block“-Projekt von Plan International Vietnam und UN-Habitat teil. Zusammen mit Mitarbeitern von Plan haben sie zunächst einen sogenannten „Safety Walk“ (dt. „Sicherheitsspaziergang“) durchgeführt und Gefahrenquellen in dem Stadtteil Kim Chung von Hanoi identifiziert. Anschließend konnten die Mädchen an einem digitalen Modell des Stadtteils in dem Spiel Minecraft ihre Ideen zur Verbesserung der Sicherheit visualisieren und so eine sicherere Version ihres eigenen Stadtteils schaffen. „Ich konnte dazu beitragen, einen Stadtteil zu erschaffen, der schöner, sicherer und freundlicher für Mädchen - und für die ganze Gemeinschaft - ist“, erzählt die fünfzehnjährige Anh. „In dem Workshop können wir mit dem Modell unsere Träume wahr werden lassen.“

Die Entwürfe der Mädchen zeigen simple, aber wesentliche Faktoren eines sicheren Umfelds, wie Straßenbeleuchtung, Verkehrsschilder und Zäune. Außerdem beinhalten sie kostenlose Nottelefone, Schutzräume für Frauen, Mädchen und Obdachlose, sowie Bepflanzungen, Bänke und Sportplätze, um die öffentlichen Räume angenehmer zu gestalten.

Aktive Beteiligung in der Stadtplanung


Der Ansatz hat gezeigt, wie wichtig es ist, junge Menschen - und vor allem Mädchen - aktiv in Prozesse und Entscheidungen einzubinden, die sie selbst alltäglich beeinflussen. Im Rahmen des Projektes konnten die Mädchen ihre Minecraft-Entwürfe vor Entscheidungsträgern, wie dem schwedischen Botschafter in Vietnam, Pereric Högberg, Nguyễn ThịTám, der stellvertretenen Vorsitzenden des Bezirksausschusses, und weiteren Repräsentanten der lokalen Regierung präsentieren.

„Die Teilnahme an dem Projekt war sehr interessant und wichtig, weil uns dadurch ermöglicht wurde, unsere Stimmen zu erheben und die auch gehört werden können“, sagt Thao (16). So hat sich die stellvertretende Bezirksausschussvorsitzende Nguyễn öffentlich verpflichtet, einige der Ideen der Mädchen umzusetzen, wie beispielsweise mehr Straßenlaternen zu installieren und den tiefen Kanal zu umzäunen, der durch die Gemeinde fließt.

Ausweitung des Projektes


UN-Habitat hat bereits 35 „Block by Block“-Projekte in 25 Ländern weltweit umgesetzt, um armen Gemeinden zum Engagement in der Stadtplanung und damit zur Verbesserung öffentlicher Orte zu verhelfen. Plan International Vietnam und UN-Habitat werden weiterhin zusammenarbeiten, um in Hanoi noch mehr Vorschläge der Mädchen zu verwirklichen. Auch global plant Plan International, die Partnerschaft auszubauen und das gemeinsame „Block by Block“-Projekt auch an anderen Orten der Welt zu realisieren. Neben sichereren Städten haben die Projekte auch das Ziel, Mädchen in dem Umgang mit moderner Technologie zu stärken, damit sie diese nutzen können, um ihre Rechte zu verteidigen und wahrzunehmen.


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