Was tut die Bundesregierung gegen Kinderarbeit?

Die Bundesrepublik Deutschland hat verschiedene internationale Abkommen zu Kinderarbeit und Kinderrechten unterzeichnet. Dazu gehört zum Beispiel die UN-Kinderrechtskonvention, die ein Recht auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung für alle Kinder festschreibt. Auch zu den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO hat sich Deutschland bekannt. In diesen Kernarbeitsnormen werden die Mitgliedsstaaten dazu aufgefordert, unverzüglich Maßnahmen zur Beendigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit (Formen der Kinderarbeit, die die physische und psychische Gesundheit und die Sicherheit der Kinder gefährden wie zum Beispiel der Einsatz als Kindersoldaten). Außerdem steht in den Kernarbeitsnormen, dass alle Mitgliedsstaaten aktiv auf die Abschaffung aller Kinderarbeit mitarbeiten sollen. Aber was tut die Bundesregierung ganz konkret gegen Kinderarbeit?

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) fördert das Internationale Programm zur Abschaffung der Kinderarbeit IPEC mit jährlich 400.000 Euro . Außerdem unterstützt das BMZ das westafrikanische Land Burkina Faso nach eigenen Angaben bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien gegen Kinderarbeit. Doch es geht nicht nur darum Veränderung in Burkina Faso oder wo anders in der Welt herbeizuführen – wenn es um Kinderarbeit geht, müssen auch wir hier in Deutschland uns an die eigene Nase fassen. Denn hier wird von Dumpinglöhnen und Kinderarbeit wirtschaftlich profitiert.

Als es 2014 zu tödlichen Unfällen in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan kam, initiierte das BMZ als Reaktion darauf das Bündnis für nachhaltige Textilien aus Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Die Mitglieder haben bis 2019 Zeit, an Maßnahmen mitzuarbeiten, die auf existenzsichernde Löhne abzielen und das Bündnis führt Aktionen gegen Kinderarbeit durch . Ein ähnliches Bündnis gibt es auch für Kakao: Das Forum nachhaltiger Kakao, ein Zusammenschluss des BMZ mit dem Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung, der deutschen Süßwarenindustrie, dem deutschen Lebensmittelhandel und Vertretern aus der Zivilgesellschaft.

2016 hat die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan verabschiedet, der sich mit der Umsetzung der UN-Leitlinie „Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte“ (2011) im Zeitraum von 2016 – 2020 beschäftigt .
Der nationale Aktionsplan fordert Unternehmen auf, eine Grundsatzerklärung zu verabschieden, in der sie sich verpflichten, ihrer Verantwortung zum Schutz der Menschenrechte nachzukommen. Außerdem sollen die Unternehmen Überprüfungen ihrer Wertschöpfungsketten durchführen, Maßnahmen (z. B. Schulungen von Mitarbeiter/innen) ergreifen, wenn sie bei diesen Überprüfungen Menschenrechtsverletzungen feststellen, ein Beschwerdesystem einrichten und über die Einhaltung der Menschenrechtsstandards regelmäßig öffentlich berichten. Wir, der Jugendbeirat von Plan International Deutschland, sind der Meinung, dass der Nationale Aktionsplan nicht weit genug geht und fordern, dass die Bundesregierung verbindliche Regelungen zum Schutz der Menschenrechte für Unternehmen verabschiedet, wie es auch in der UN-Leitlinie gefordert wird.

Auch Verbraucher und Verbraucherinnen können eine wichtige Rolle darin spielen, Unternehmen dazu zu bringen, dass sie die Menschenrechte einhalten, indem sie durch ihr Kaufverhalten zeigen, dass ihnen soziale und ökologische Standards wichtig sind und gegebenenfalls protestieren, wenn diese verletzt werden. Darum finden wir es wichtig, dass es mehr Aufklärung und Transparenz zum Thema Wirtschaft und Kinderrechte gibt, und fordern dies von der Bundesregierung ein.

Die Plattform www.siegelklarheit.de, die von dem BMZ finanziert wird, informiert Verbraucher und Verbraucherinnen über verschiedene Siegel, wie zum Beispiel das Fair-Trade-Siegel, und gibt Auskunft darüber, was sie bedeuten. Wir glauben aber das noch mehr Aufklärung nötig ist, um ein Bewusstsein für die Bedingungen, unter denen manche Produkte hergestellt werden, in der Öffentlichkeit zu schaffen. In dem Nationalen Aktionsplan zu Wirtschaft und Menschenrechten wird eine Gewährleistungsmarke vorgeschlagen, die die Einhaltung von Menschenrechten in der Produktion zertifiziert und bei der die Sicherstellung der Standards von dem Zertifizierer geprüft wird.

Aber nicht nur du und ich können durch unsere Kaufentscheidungen einen Unterschied machen, sondern auch Gemeinden und Städte. Denn auch diese kaufen ein: von Stiften für eine Verwaltung bis zu Pflastersteinen für einen öffentlichen Platz. Die öffentliche Beschaffung macht ca. 13% des Bruttoinlandprodukts aus, mit dem Deutschlands Wirtschaftsleistung gemessen wird. Deshalb können öffentliche Einrichtungen durch ihren Konsum faire und nachhaltig produzierte Produkte maßgeblich fördern. Wir fordern Städte, Gemeinden und Kommunen auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und bei der öffentlichen Beschaffung faire Alternativen zu nutzen, die Armut wirklich verhindern. Denn Armut ist die Hauptursache für Kinderarbeit.

Um aus dem Teufelskreis der Armut zu entkommen, ist vor allem eins wichtig: Bildung. Bildung hilft Kindern, eine bessere Zukunft für sich und für die Menschen in ihrem Umfeld zu schaffen. Deshalb fordern wir die Bundesregierung auf, sich international mehr für Bildung und Armutsbekämpfung einzusetzen. Außerdem fordern wir stärkeres Engagement für die Erhaltung von Kinderrechten und Bildungschancen für Kinder und Jugendliche in Krisen- und Konfliktsituationen. Denn Kinder und Jugendliche sind in Krisen- und Konfliktsituationen besonders von der Verletzung ihrer Rechte gefährdet. Die Rate der Kinder, die Opfer von Kinderarbeit werden, ist in Gebieten, in denen es bewaffnete Konflikte gibt, um 77% höher als der globale Durchschnitt. Aus diesen Gründen fordern wir die Bundesregierung auf die Globale Bildungspartnerschaft mit 100 Millionen Euro pro Jahr zu unterstützen und für den Education Cannot Wait Fonds, der Bildung in Krisen unterstützt, 50 Millionen Euro pro Jahr bereitstellt.

Mach mit und setze dich gemeinsam mit uns gegen Kinderarbeit als Bildungsbarriere ein. Hier findest du alle Infos: Education – Not for Sale

Text: Lara (18) aus dem Jugendbeirat

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