SITUATIONSCHECK AFRIKA

Afrika Landschaft

Wir möchten Afrika unter die Lupe nehmen und nachschauen, wie die aktuelle Situation von Mädchen dort aussieht.
Auf dem Kontinent leben 1,2 Milliarden Menschen, rund 70% sind unter 25 Jahre alt. Die Bevölkerung wächst, was daran liegt, dass in afrikanischen Ländern Großfamilien alltäglich sind. In Deutschland gibt es pro Haushalt durchschnittlich 1,5 Kinder, in Benin sind es 6. Die häufigste Todesursache für Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren sind Schwangerschaften. Die Mädchen werden aus ihrer Kindheit gerissen. Sie müssen sich in jungen Jahren als Mutter behaupten und für ihre Familie sorgen. So bleibt wenig Zeit für den Schulbesuch oder das Erlernen eines Berufes. Dabei werden die Mädchen meist nicht selbstbestimmt schwanger. Sie werden früh von ihren Eltern verheiratet, um ihre Familie zu entlasten. Es herrscht ein sogenannter Kreislauf: Junge Mädchen werden früh schwanger und können somit nicht mehr die Schule besuchen. Ihnen bleibt die sexuelle Aufklärung, die im Unterricht stattfindet, verwehrt.
Um hier etwas besser auf das Thema einzugehen, werden wir uns auf ein bestimmtes Land konzentrieren.

Benin

Karte von Benin
Karte/Plan

Benin liegt im Westen Afrikas und hat 10,23 Millionen Einwohner, davon haben 45% noch nicht ihr 15. Lebensjahr erreicht. In Benin bekommen rund 23% aller Frauen ihr erstes Kind vor ihrem 18. Geburtstag. Die frühen Schwangerschaften bilden ein hohes Risiko für die jungen Mütter, die oft an Blutarmut oder Bluthochdruck leiden. Viele Säuglinge kommen zu früh oder untergewichtig auf die Welt.
Doch warum werden ausgerechnet im Benin so viele Mädchen so früh schwanger?
Zum einen liegt es an der Rollenverteilung der Männer und Frauen. Frauen sind wirtschaftlich abhängig, was ihre Eigenständigkeit verhindert. Durch die Mutterschaft erlangen sie Anerkennung und Respekt. Viele Eltern können Schulgeld nicht aufbringen, so werden die Mädchen aus der Schule genommen und Zwangsverheiratet. Die Mädchen werden schwanger, obwohl ihr Körper dazu noch nicht bereit ist.
Plan hat im Benin 3 Programmregionen, in welchen sie jungen Müttern und ihren Kindern den Zugang zu angemessenen Gesundheitsdiensten ermöglichen. Ca 3.800 schwangere Mädchen und junge Mütter sowie 7.600 Kinder unter fünf Jahren profitieren von den Projektmaßnahmen zur Verbesserung ihrer gesundheitlichen Situation. Ungefähr 23.850 Jugendliche und 5.300 Erwachsene werden durch Aufklärungsprogramme zur Familienplanung und zu sexueller Gesundheit erreicht. Das Ziel ist es, die Zahl der frühen Schwangerschaften zu senken. In den Aufklärungsstunden werden Erwachsene und Jugendliche in Gruppen eingeteilt, wo sie verschiedene Dialoge vorspielen. Es wird über Gesundheit und Verhütung diskutiert und der Verantwortungsvolle Umgang mit der eigenen Gesundheit vermittelt. Sie bekommen dazu Unterrichts- und Schulungsmaterialien ausgehändigt, in denen wichtige Informationen zur Hygiene, Fortpflanzung und Krankheiten wie HIV sowie der Rollenverteilung des Mannes und der Frau stehen. Es werden auch die verschiedenen Formen der Verhütung erklärt, die noch längst nicht von der Bevölkerung angewendet werden. Die Pille wird von 1% der Frauen verwendet.

Positiv ist, dass in den letzten 10 Jahren die Zahl der Schwangerschaften bei Jugendlichen leicht gesunken ist. Frauen, die Zugang zu Bildung haben, zur Schule gehen und studieren, können selbstbewusster und bestimmter agieren. Sie heiraten und bekommen ihre Kinder erst später.

Text: Béatrice Höner, Plan Jugendbeirat

Quellen:
2014 Fiche de données sur la population Bénin, PDF
http://ef-magazin.de/2016/08/22/9665-afrikanische-eliten-wer-sind-die-schuldigen-an-den-fluechtlingsdramen

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