SCHOKOLADE MIT GUTEM GEWISSEN?

Bei meinem letzten Besuch im Supermarkt verschlug es mich in die Schokoladenabteilung. Im Regal fand ich verschiedene Schokoladentafeln mit unterschiedlichen Siegeln: „UTZ Certified“, „Rainforest Alliance“, „FAIRTRADE“ oder „GEPA“. Auf den ersten Blick scheinen sie etwas Gutes anzupreisen. Jedoch wissen die wenigsten, mich eingeschlossen, was genau diese Siegel bedeuten und was sie wirklich versprechen. Deshalb habe ich zu den größten Siegeln recherchiert:

RAINFOREST ALLIANCE

Kinderarbeit: Kinder zwischen 12 und 14 Jahren dürfen nach Rainforest-Alliance-Bestimmungen zeitweise in landwirtschaftlichen Familienbetrieben arbeiten, wenn dies traditionell verwurzelt ist und soweit die Schulbildung weiterhin gewährleistet ist. Ansonsten ist Kinderarbeit untersagt.
Nachhaltiger Anbau: Rainforest-Alliance setzt auf Produktionssteigerung und will den Massenmarkt erreichen.
Soziale Standards: Den Bauern werden keine Mindestpreise für ihre Kakaobohnen garantiert.
Mein Fazit: Das Siegel hat durch lockere Standards den geringsten Anspruch. Wenn möglich sollte man Produkte mit einem anderen Siegel mit strengeren Vorschriften bevorzugen.

UTZ Certified

Kinderarbeit: UTZ Certified verbietet Kinderarbeit, wobei nach den Regeln der Internationalen Labour Organisation das Mindestbeschäftigungsalter bei 15 Jahren liegt. Minderjährige dürfen keine Arbeiten ausführen die schwer oder gefährlich sind sowie Arbeiten die sich auf ihr psychisches oder mentales Wohlbefinden auswirken können.
Nachhaltiger Anbau: Gentechnisch veränderte Pflanzen sind nicht ausgeschlossen, maßvoller Umgang mit Pestiziden ist erlaubt.
Soziale Standards: Den Bauern werden keine Mindestpreise für ihre Kakaobohnen garantiert. Mindestabnahmen garantiert UTZ Certified ebenfalls nicht. Die Bauern bekommen jedoch Ernteprämien.
Mein Fazit: UTZ Certified Schokolade ist keine Fair Trade Schokolade, hilft den Bauern aber ihren Anbau nachhaltiger zu gestalten und sichert ihnen einen recht zuverlässigen Handelspartner. UTZ Certified ist zudem sehr transparent und stellt in Reporten Zahlen offen dar, sodass jede/r Verbraucher/in die Entwicklungen nachvollziehen kann.

FAIRTRADE

Kinderarbeit: FAIRTRADE verbietet ausbeuterische Kinderarbeit.
Nachhaltiger Anbau: Nicht unbedingt Bio, verbietet aber den Einsatz einiger Chemikalien.
Soziale Standards: sehr hoch. Es sichert den Bauern Mindestpreise und zahlt Prämien.
Mein Fazit: Der Fokus bei diesem Siegel liegt auf dem fairen Handel. Wer eine Schokolade mit dem FAIRTRADE Siegel kauft, kann nicht davon ausgehen, dass diese aus biologischen Produkten hergestellt wurde. Dafür kann man sicher sein, dass die Menschen, die an der Herstellung der Schokolade beteiligt waren, angemessen entlohnt wurden.

GEPA

Kinderarbeit: GEPA verbietet Kinderarbeit.
Nachhaltiger Anbau: 75% faire Zutaten, GEPA strebt 100% an. Des Weiteren kann GEPA die Handelskette zurückverfolgen und garantiert somit transparente Produkte. GEPA versucht ebenfalls größtenteils Bestandteile der Schokolade wie Milch aus fairen Quellen zu beziehen.
Soziale Standards: Streng. GEPA arbeitet direkt und langfristig mit organisierten Kleinbauerngenossenschaften zusammen und fördert diese.
Mein Fazit: Da GEPA ist eines der strengsten Siegel auf dem Markt ist, kann man guten Gewissens deren Schokolade kaufen.

Im Großen und Ganzen ist es sinnvoll, mit Siegeln ausgezeichnete Produkte zu kaufen. Vorsichtig solltet ihr bei markeneigenen Siegeln oder Förderprogrammen von Unternehmen sein. Bei Unklarheiten hilft Internetseite Siegelklarheit der Bundesregierung weiter. Wir fordern unter anderem Städte, Kommunen und Gemeinden auf, mit gutem Beispiel voranzugehen und bei der öffentlichen Beschaffung faire Alternativen zu nutzen. Mehr zu unseren Forderungen und der Aktion „Education- Not for sale“ findest du hier.

Text: Béatrice (22) aus dem Jugendbeirat

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