SADIA, MIT 14 JAHREN VERHEIRATET, MIT 16 JAHREN MUTTER

Sadia mit ihrer Tochter. Foto: Plan / Nina Ruud

Jedes Jahr werden über 15 Millionen Mädchen aufgrund des Drucks in ihrer Gemeinschaft verheiratet. Sadia, 16 Jahre alt, kommt aus Bangladesch und berichtet über ihr Leben seit sie mit 14 Jahren verheiratet wurde.

„Mein Name ist Sadia, ich bin 16 Jahre alt und ich leben in einem kleinen Dorf nahe Dhaka, in Bangladesh. Meine Eltern haben mich mit 14 Jahren zwangsverheiratet. Mein Mann ist vier Jahre älter als ich, vor der Hochzeit kannten wir uns nicht. Zusammen haben wir eine 8 Monate alte Tochter, Habiba.

In der 6. Klasse haben meine Eltern verkündigt, dass ich die Schule verlassen würde. Mir blieben nur noch zwei Jahre vor dem Abschluss, lernen machte mir Spaß, ich wollte Lehrerin werden. 5 Tage nachdem ich die Schule verlassen hatte, nannte meine Großmutter mir den wahren Grund, warum ich von der Schule gehen musste. Ich sollte heiraten. Meine Freunde spielten vor meinem Haus und ich verstand, dass es das Ende meiner unbeschwerten Kindheit sein sollte. Ab jetzt würde ich hart arbeiten und mich um meine Familie kümmern müssen.

Man sagte mir, dass mein zukünftiger ein ordentlicher Mann sei. Ich bekam ihn vor der Hochzeit nicht zu Gesicht. Ich hatte Angst und konnte mir nicht vorstellen, was er von mir als seiner zukünftigen Frau erwarten würde.

Bei unserer Hochzeitsfeier, brachte man uns, während die Gäste aßen, in ein anderes Zimmer, wo die offizielle Zeremonie stattfand. Wir saßen auf dem Bett und bekamen, wie es die Tradition besagt, Reis und Milch. Das war das erste Mal, dass ich meinen Mann sah. Mit den ersten Worten, die er zu mir sagte, bat er mich mit dem Weinen aufzuhören.

Die Nacht darauf hatte ich meine erste sexuelle Erfahrung. Am nächsten Morgen wachte ich mit großen Schmerzen auf und weinte sehr. Ich trauerte um meine verlorene Freiheit. Zu der Zeit wusste ich nicht wie Kinder entstehen. Als meine Periode nicht mehr einsetzte und ich anfing, mich schlecht zu fühlen, fragte ich um Geld, um mich im Krankenhaus untersuchen zu lassen. Dort sagte man mir, ich sei im dritten Monat schwanger.

Gegen Ende der Schwangerschaft verkomplizierte sich mein Zustand. Das Baby hörte auf, sich in meinem Bauch zu bewegen. Im Krankenhaus sagte man mir, das aufgrund meines jungen Alters kein Fruchtwasser vorhanden war und das, falls ich Zuhause entbinden würde, das Risiko bestünde, dass das Baby und ich die Geburt nicht überleben würden. Als mein Mann dies erfuhr, setzte er sich dafür ein, dass ich meine Tochter Habiba per Kaiserschnitt auf die Welt bringen konnte.

Heute bereitet es mir am meisten Sorge zu wissen, dass meine Tochter ebenfalls so früh verheiratet werden könnte. Als Mutter hoffe ich dass ich genug Einfluss auf das Leben meiner Tochter haben werde, um dies zu verhindern. Ich versuche, anderen verstehen zu geben, dass man frühe Zwangshochzeiten verhindern sollte und das frühe Schwangerschaften für junge Mädchen in der Entwicklung sehr gefährlich sind.“

Übersetzt von: Béa aus dem Jugendbeirat
Quelle: Plan International France
Originaltext: https://www.plan-international.fr/info/actualites/blog/2016/01/sadia-mariee-de-force-14-ans-mere-16-ans
Foto: Plan / Nina Ruud

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