Konfis sind #Nichtvergesser

Am 27.02.2018 hatte ich die Gelegenheit gemeinsam mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden  der evangelischen Kirchengemeinde Alpenrod eine Aktion zur Kampagne #Nichtvergesser durchzuführen. Die Kampagne wurde von deutschen Hilfsorganisationen, wie Plan International Deutschland, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen und dem Auswärtigen Amt ins Leben gerufen, um auf vergessene humanitäre Krisen aufmerksam zu machen.

Was genau sind „vergessene humanitäre Krisen“?

Diese Frage stellte ich den Konfirmanden und Konfirmandinnen am Anfang der Aktion. Humanitäre Krisen können durch Kriege und andere bewaffnete Konflikte, durch Naturkatastrophen, Hungersnöte oder Epidemien ausgelöst werden. Menschen die in einer humanitären Krise leben, erleben große Not. Sie müssen ihr Zuhause verlassen, haben nicht genug zu essen, nur unzureichende medizinische Versorgung und Zugang zu sauberem Wasser, erleben Gewalt und Kinder und Jugendliche können nicht mehr zur Schule gehen. Eine solche Krise gilt als vergessen, wenn die Krisensituation schon lang anhält und die betroffenen Menschen kaum internationale Hilfe erhalten. Es ist kein politischer Wille erkennbar, diese Krise zu beenden, auch deshalb weil in den Medien kaum darüber berichtet wird.

Nachdem wir über die allgemeine Definition von vergessenen Krisen gesprochen haben, wandten wir uns einer bestimmten humanitären Krisen zu. Denn die Idee hinter #Nichtvergesser ist über genau diese Krisen zu reden, damit sie eben nicht mehr vergessen sind. Denn Aufmerksamkeit für die Lebenssituation der betroffenen Menschen ist der erste Schritt zur Veränderung. Wir befassten uns daher näher mit der Lebenssituation der Bevölkerungsgruppe der Kachin in Myanmar.

Wie kam es zu der Krise der Kachin?

Im Verborgenen schwelt neben der Krise der Vertreibung der Rohingya ein weiterer Konflikt, der zu den längsten Bürgerkriegen der Welt zählt. Um diesen Konflikt zu verstehen muss man in die Geschichte zurückgehen. 1848 wurde die ehemalige britische Kolonie Burma, das heutige Myanmar, unabhängig. Die bis dahin unabhängige Bevölkerungsgruppe der Kachin geriet nun unter die Herrschaft der Burmesen. Die Burmesen machen in Myanmar mit 68%  die Mehrheit der Bevölkerung aus. Die Kachin dagegen sind mit nur 1% eine Minderheit in der Bevölkerung. Wenige Jahre nach der Unabhängigkeit übernahm das burmesische Militär durch einen Putsch die Regierung. Unter seiner Herrschaft wurden Minderheiten wie die Kachin brutal unterdrückt. Aber auch innerhalb der Bevölkerungsgruppe der Kachin bildeten sich bewaffnete Gruppen, die versuchen mit Gewalt gegen die Unterdrückung vorzugehen. 2015 gab es zwar erstmals wieder demokratische Wahlen in Myanmar, doch der Konflikt besteht weiterhin. Um das Geschehen in Myanmar besser nachvollziehen zu können spielten wir in der Konfirmandenstunde eine Diskussion zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen nach. Dazu teilten sich die Jugendlichen in zwei Gruppen: eine große – die Burmesen und eine kleine – die Kachin. Dann erarbeiteten die beiden Gruppen jeweils die Argumente ihrer Gruppe und anschließend diskutierten sie miteinander. In dem Gespräch nach dem Rollenspiel waren sich schnell alle einig: „Das ist ja total unfair!“ Die Minderheit hatte durchaus berechtigte Forderungen, aber kaum eine Chance diese durchzusetzen.

Wie leben die Kinder im Krisengebiet? Lu Lu Awng´s Geschichte

Anschließend betrachteten wir den Konflikt nochmal aus einer anderen Perspektive: aus der eines Kindes. Dazu schauten wir uns die Geschichte von Lu Lu Awng, einem 12 Jahre alten Mädchen aus der Bevölkerungsgruppe Kachin an. Lu Lu muss getrennt von ihrer Familie leben, da sie in dem Flüchtlingslager, wo ihre Eltern leben nicht sicher gewesen wäre und nicht zur Schule gehen konnte. Ihre Eltern wollen, dass Lu Lu später einmal eine Lehrerin, Ingenieurin oder Ärztin wird und so eine bessere Zukunft für sich, ihre Familie und die Menschen in ihrem Umfeld schaffen kann. Deshalb lebt Lu Lu im Wohnheim einer Kirche. Dort ist sie in Sicherheit und kann zur Schule gehen. Aber sie vermisst ihre Eltern sehr und hofft, dass sie sie bald wieder sehen wird.

Gegen das Vergessen

Nachdem wir uns den Konflikt nun so genau angeschaut haben, blieb noch eine drängende Frage: Was können wir für Menschen wie Lu Lu Awng tun? Die Kampagne #Nichtvergesser sammelt 100.000 Fotos von Menschen, die ein Zeichen gegen das Vergessen setzen, in dem sie auf kreative Art ein Bild mit einem Knoten, dem Symbol der Kampagne, machen. Diese Fotos werden im Sommer 2018 an den UN-Generalsekretär übergeben, mit der Bitte sich stärker für die Menschen in vergessenen humanitären Krisen einzusetzen. Deshalb machten auch die Konfirmandinnen und Konfirmanden zum Abschluss der Aktion ein solches Knotenfoto.

Wie Du auch ein Zeichen setzen kannst, welche anderen Möglichkeiten es gibt sich gegen das Vergessen zu engagieren und weitere Informationen zu vergessenen Krisen findest du hier: https://www.nichtvergesser.de/

Was Plan tut, um den Menschen in Myanmar zu unterstützen kannst du hier erfahren: https://www.plan.de/patenschaft-asien/patenschaft-myanmar.html

Mir hat die Aktion Spaß gemacht und ich habe mich sehr gefreut, wie ernsthaft und interessiert die Konfirmanden und Konfirmandinnen sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

Text: Lara (18) vom Jugendbeirat

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