Erlebnisse in Atakpamé

Luke von Plan Action schenkt uns einen Einblick in sein Reisetagebuch. Anfang Januar begab er sich in die fünftgrößte Stadt Togos – Atakpamé. Hier ist sein Bericht:

„Am 4. Januar hatte ich dank Plan International die Ehre in Togo zwei wundervolle Projekte zu besichtigen. Allerdings war es unabhängig von Plan, dass ich die Reise nach Togo für drei Wochen über Weihnachten machte. Ich habe in Togo selbst kein Patenkind und entschied mich dennoch dafür bei Plan International in Hamburg nachzufragen, ob ein Projektbesuch nicht eventuell ermöglicht werden könnte. Ich dachte mir:

So ein Projekt zu besichtigen wäre nicht nur eine unvergessliche Erfahrung für mich persönlich, sondern würde auch meine Zusammenarbeit mit Plan Action und der Kölner Aktionsgruppen, sowie mein Wissen über die Organisation – hinter der ich nun seit mehreren Jahren stehe – weitgehend beeinflussen.

Ich bin unglaublich dankbar – dass das Team JFK, der Jugend und Freiwilligenkooperation von Plan, und Henriette aus der Paten- und Spenderbetreuung – mir diesen Besuch möglich machten.

Ankommen in Togo

Wir waren bereits zwei Wochen in Togo gewesen, bevor wir am 3. Januar in Atakpamé eintrafen. Und da sahen wir es auch direkt: Das Plan Auto!

Für jemanden wie mich, der so viel davon gehört hat, dass man in den Projektländern meist auch gleich die Plan Autos sehen würde, war das natürlich sofort eine große Freude xD. Im Büro von Plan selber waren wir aber erst am nächsten Tag verabredet. Da trafen wir auch früh morgens (so gegen sieben) ein, wurden den beiden Mitarbeitern vorgestellt, die uns begleiten würden und dann ging es auch schon los. Also ab ins Plan Auto (ja, ich hab mich sehr darüber gefreut) und los: Raus aus der Stadt, vorbei an einem Dorf nach dem anderen…

Der Besuch

Es dauerte etwa anderthalb Stunden bis wir an unserem Ziel ankamen: die CEG Kpendele – eine weiterführende Schule in einem kleinen Dorf. Die Schule haben die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner selbst mit der Hilfe von Plan und einigen weiteren NGOs, sowie der Beratung einer Baufirma, im Laufe der letzten zwei Jahre errichtet. Vorher hatte es in dem Dorf lediglich eine Grundschule gegeben und die älteren Schülerinnen und Schüler hatten auf die Schule im nächsten Dorf, 60 km entfernt, gehen müssen – zu Fuß natürlich. Unterricht war heute keiner, schließlich hatten sie Ferien, doch als wir dort ankamen, wartete schon eine Gruppe von ungefähr fünf Menschen aus dem Dorf auf uns, die entweder eine Rolle im Schulbau oder der Administration spielten. Mit diesen setzten wir uns dann in eines der Klassenzimmer. Kaum eine Minute später kamen auch die nächsten Interessierten hinzu und so wurden es immer mehr im Laufe unseres Aufenthaltes, bis der kleine Raum komplett gefüllt war und die Leute sich vor die Fenster und Türen stellten um hereinzuschauen.

Zusammenkommen aller Interessierten

Die CEG Kpendele (welche Klasse 7-10 umfasst) hat zurzeit 206 Schüler, wovon leider gerade nur 70-80 Mädchen sind. Besonders beeindruckend war jedoch zu sehen wie die Schule ein gemeinsames Projekt des Dorfes darstellt, zu dem alle einen Teil beitrugen. Es war auch durchaus schön zu hören, wie alle Beteiligten des Gesprächs ihren Wunsch äußerten, dass bald alle Jugendlichen des Dorfes (insbesondere die Mädchen – was sehr von einigen männlichen Dorfbewohnern betont wurde) die Schule besuchen würden. Jedoch wurden natürlich auch noch einige Probleme angesprochen – Schulmaterial und auch Lehrkräfte seien zum Beispiel rar, wodurch häufig nur eine Klasse zur selben Zeit unterrichtet werden könne. Nach unserem Gespräch besichtigten wir den Rest der Schule. Die Tatsache, dass all dies in nur zwei Jahren gebaut wurde machte uns schon sehr nachdenklich (immerhin kommen wir aus einem Land, in dem Flughäfen, Opern oder auch U-Bahnen eher nie als rechtzeitig fertiggestellt werden, aufgrund der vielfach von zahlreichen Behörden geregelten Baumaßnahmen). Außerdem waren wir unglaublich beeindruckt von einer handgemalten Afrikakarte, welche in dem offensichtlich für Geografie genutzten Klassenraum an der Tafel zu sehen war.

 

Kreidebild Afrikas

Des Weiteren gab es auf dem Grundstück Toiletten (oder Kabinen mit Löchern im Boden) und insbesondere einen Tiefbrunnen mitsamt Pumpe welcher vom gesamten Dorf mitbenutzt wird. Außerdem unterhielt ich mich hier auch mit einigen Schülern und Schülerinnen (wobei die Unterhaltung aufgrund der sprachlichen Differenzen eher auf ein Grundsätzliches gehalten werden musste). Sie schienen alle sehr gerne dort zur Schule zu gehen und lobten den Unterricht. Auch wirkten die Mädchen sehr selbstbewusst und offen (sie fragten mich unter anderem, ob sie mich denn nicht in Deutschland besuchen könnten). Dann ging es weiter nach Anié, wo wir das nächste Projekt Besuchen sollten: den Jugendclub.

Jugendclub in Anié

In Anié wurden wir sofort von dem Betreuer des Jugendclubs (im „Because I am a girl“ Shirt) in Empfang genommen. Insgesamt zehn Kinder – vor allem, diejenigen sich in ihren Ferien die Zeit genommen hatten etwas für uns vorzubereiten – saßen auf den Bänken außerhalb einer Schule, dahinter noch einige Erwachsene. Begrüßt wurden wir gleich mit einem Willkommenslied.

Dann folgten einige Reden, zu denen jeder von uns etwas beitrug…Ich ebenso! Leider habe ich mir hier, oder auch allgemein, nicht allzu viele Notizen machen können, da ich mich die ganze Zeit vor allem auf die Übersetzung konzentrieren musste.

Aber ich skizziere dennoch kurz, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Die Menschen aus Anié hatten das erfolgreiche Projekt in Kpendele gesehen und sich so etwas für sich selbst gewünscht. Daraufhin sind sie auf Plan International und andere Organisationen zugegangen. Den Jugendclub gibt es inzwischen seit 2016. Der Club stellt im Prinzip einen Ort der Gemeinschaft dar, an dem Schülerinnen und Schüler verschiedenen Alters gemeinsam lernen und Zeit verbringen. Hier wird Gemeinschaft, aber auch insbesondere Gleichberechtigung und Verantwortungsgefühl groß geschrieben (so übernimmt hier eine Schülerin die Aufgaben der Präsidentin des Clubs und ein anderer Schüler ist für die Verwaltung zuständig). Des Weiteren gibt es in dem Ort noch konkret ein Projekt gegen Gender Violence. So wurden zum Beispiel im ganzen Ort Handys verteilt, so dass man bei Übergriffen sofort Hilfe holen kann. Auf diesem Weg wurde eine Frau bereits vor der Zwangsheirat gerettet. Auch gibt es verschiedene Projekte zur Sensibilisierung im Rahmen des Projektes gegen Gender Violence, sowie ein Projekt mit 140 Jungen und jungen Männern rund um die Vermittlung von positiver Männlichkeit.

Besonders bewegend fand ich hier jedoch die Redebeiträge der Schüler und Schülerinnen. Genau sie sind es, die mich in meiner Weiterarbeit mit Plan, aber auch in anderen Teilen meines Lebens, nachhaltig beeinflussen werden.

Die Schüler und Schülerinnen fanden unterschiedliche Antworten auf die Frage nach dem Einfluss, den das Projekt auf sie und ihr Leben hatte: Einige antworteten, dass das Projekt ihnen mehr Selbstbewusstsein und Stärke vermittelt hätte, so dass sie sich jetzt trauten vor Leuten zu sprechen, auf andere zuzugehen etc. Besonders interessant war es jedoch von den Mädchen zu hören, die sich ihr ganzes Leben für wertlos gehalten hatten und der Ansicht gewesen waren sie haben kein Recht darauf mit Jungs zu spielen und es sei allein ihre Aufgabe den Haushalt zu erledigen und nun neues Selbstbewusstsein und Stolz aus neuen Erfahrungen und Überzeugungen geschöpft hatten. Ein Mädchen erzählte, dass ihr Bruder jetzt verstanden habe, dass er genauso im Haushalt mithelfen könne und nun würden sie sich die Arbeit teilen. Ein anderes Mädchen erzählte, sie habe Jungs immer für dumm und blöd gehalten und habe nun gelernt, dass dies absolut nichts mit dem Geschlecht zu tun habe. Aber auch die Jungs erzählten von ihren Erfahrungen. Ein Junge ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Er erzählte, wie in seinem Leben Mädchen nie eine Rolle gespielt hätten. Zwar habe er eine Schwester, aber mit der habe er nie wirklich gesprochen. Gespielt wurde mit den anderen Jungs, zu Hause war seine Bezugsperson der Vater. Er meinte dies habe sich durch das Projekt komplett geändert, er sei jetzt mit Mädchen genauso befreundet wie mit Jungen. Und das merkte man seinem Umgang mit den beiden Mädchen links und rechts von ihm auch an. Nachdem alle Reden gehalten waren und auch ich ein paar Worte habe teilen können, ging es für uns zurück zum Büro von Plan International.

Gemeinsam Stark – Plan Projekte in Togo

Dort trugen wir uns dann ins Gästebuch ein… und da wurde ich dann gleich überrascht, denn der letzte Eintrag in dem Buch war zufälliger Weise von einem Mitglied der Kölner Aktionsgruppe, von der ich absolut keine Ahnung gehabt hatte, dass sie dort gewesen war.“

Text: Luke von Plan Action

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