Was wäre wenn…?

Teilnehmerin #MyChoicemyFuture

Wenn man so in die Welt schaut und von Kinderheirat, Armut und Chancenlosigkeit hört, die ganz besonders Mädchen und junge Frauen trifft. Mädchen, die noch im Teenageralter ein Kind bekommen und ihre Schulbildung abbrechen müssen. Dann fragt man sich, wie es einem selbst ergehen würde. Was wäre, wenn ich jetzt schon Mutter wäre?
Sophia wurde mit 18 Jahren, noch vor ihrem Abiturabschluss Mutter und musste von der Schule gehen. Für uns hat sie ein wenig aus ihrem Alltag berichtet:

 

Ein Erfahrungsbericht

Mein Name ist Sophia, ich bin 19 Jahre alt und bin mit 18 Jahren Mutter einer wundervollen Tochter geworden. Dass ich so jung Mutter wurde, war natürlich nicht geplant, aber nicht geplant bedeutet ja nicht unbedingt nicht gewollt, denn die kleine Maus ist nun das Wichtigste in meinem Leben.
Als ich von meiner Schwangerschaft erfahren habe, was ziemlich spät war (27 SSW), waren die Reaktionen bei Freunden und Familie im Großen und Ganzen alle gleich. Meine Freunde waren im ersten Moment natürlich geschockt, aber haben mir ihre Unterstützung angeboten und waren für mich da, was mir sehr gut getan hat. Es gibt einem das Gefühl nicht alleine da zu stehen. Als ich es meiner Familie erzählt habe, dieselbe Reaktion. Erst der Schock und dann haben mich alle unterstützt. Im Nachhinein glaube ich, wenn ich nicht so einen Rückhalt gehabt hätte, wäre ich nicht so gut mit der Situation klar gekommen. Die Lehrer waren auch für mich da und haben einen Plan ausgearbeitet, mir die Arbeit von zu Hause zu ermöglichen.

Leider sind mit der Zeit Schwierigkeiten aufgetreten dadurch, dass ich nicht im Unterricht saß, habe ich die konkreten Erklärungen der Lehrer nicht mitbekommen und somit manches nicht verstanden. Später wurde mir dann noch das Abitur auf Grund der Fehlzeiten des gesetzlichen Mutterschutzes verwehrt. Jetzt hatte ich entweder die Möglichkeit mein Abitur nachzuholen oder mit meinem Fachabitur eine Ausbildungsstelle zu suchen. Ich habe mich schließlich für das Letztere entschieden.
Während der Schwangerschaft musste ich natürlich auf einiges verzichten, wie zum Beispiel auf das, was man als Jugendlicher am Liebsten macht. Auf Partys und Alkohol zu verzichten war selbstverständlich, aber trotzdem eine große Umstellung für mich. Jetzt wo die Kleine da ist und ich manchmal wieder auf Partys gehe, verzichte ich für mich selbst auf zu viel Alkohol. Man muss ja schließlich am nächsten Tag wieder für die Kleine da sein.
Mit meiner Clique in den Urlaub fahren, ist leider auch etwas auf das ich verzichten muss und das ist auch das einzige was ich ein bisschen schade finde. Aber dafür weiß man ja was man für eine süße Maus hat!
Bei der Frage um die Erziehung habe ich mir auch schon einen Plan erstellt. Da ich für das Jahr 2017 eine Ausbildungsstelle in der Verwaltung suche, muss die Kleine ab diesen Zeitpunkt ja schon in der Kita oder bei einer Tagesmutter betreut werden. Ich persönlich finde es besser wenn sie, gerade weil sie so jung ist, erstmal bei einer Tagesmutter untergebracht ist. Leider sind in meinem Heimatort die Tagesmütter schnell ausgebucht, deshalb versuche ich erstmal einen Platz zu bekommen, ansonsten geht sie in den Kindergarten in die U3 Gruppe.
Abschließend kann ich sagen, dass sich mein Leben natürlich verändert hat und anders ist, aber wie ich finde: schön anders. Mir macht das Leben mit meiner Maus Spaß trotz des Schlafmangels und der Kinderbetreuung rund um die Uhr und ich würde sie nie mehr hergeben.

Text: Sophia, 19

Hintergrundinformationen zur Bildung von Mädchen

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