13 Jahre ehrenamtliches Engagement für Plan – Ein Rückblick

Das Jahr 2017 nähert sich dem Ende. Nur noch einige wenige Mal schlafen und schon beginnt 2018. Der Jahreswechsel ist dieses Mal ein ganz besonderer für mich. So stellt er sowohl das Ende meiner Mitgliedschaft im Jugendbeirat von Plan International Deutschland dar als auch das Ende meines 13-jährigen ehrenamtlichen Engagements für das Kinderhilfswerk. Trotzdem werde ich mich weiterhin ehrenamtlich für eine gerechtere Welt engagieren.

Claire und Björn auf der COP 23
Jugendvertreter Claire und Björn auf der COP 23 2017 in Bonn.

Leider bin ich mit 25 Jahren zu alt, um im Jugendbeirat weiterhin tätig zu sein. In den letzten dreizehn Jahren habe ich mich zum Teil als Aktionsgruppenmitglied, in der Jugendgruppe Plan Action, im Jugendbeirat oder zuletzt sogar als Jugendvertreter auf Veranstaltungen wie der diesjährigen Mitgliederversammlung engagiert. In meiner Zeit bei Plan habe ich viele unglaublich nette, motivierte und engagierte Menschen jeden Alters kennenlernen dürfen. Ich hatte die Möglichkeit, auf Messen, Aktionsständen oder beim Gespräch mit unserer Bundesumweltministerin Frau Dr. Hendricks den Jugendbeirat repräsentieren zu dürfen. Auf diese letzten 13 Jahre möchte ich nun zurückblicken.

Mama ist schuld!
Alles begann im Januar 2004. Damals haben wir in der Familie gerade eine Patenschaft für unser erstes Patenkind (einige sollten noch folgen) übernommen. Durch die Patenschaft wurde meine Mutter auf die Arbeit der Aktionsgruppen aufmerksam. 2005 entschloss sie sich, Aktionsgruppenmitglied in Celle zu werden und übernahm 2006 die Leitung der Aktionsgruppe. Von diesem Zeitpunkt an bin ich als Kind regelmäßig zu Veranstaltungen der Aktionsgruppe Celle mitgegangen. In der sechsten Klasse habe ich vor meinen Mitschüler*innen einen Vortrag über die Arbeit von Plan International gehalten und konnte sie davon überzeugen, eine Klassenpatenschaft für ein etwa gleichaltriges Mädchen zu übernehmen. Bis zum Abitur haben wir die Klassenpatenschaft weitergeführt und z. B. durch Kuchenverkauf oder andere Aktionen das Geld für den monatlichen Patenbeitrag gesammelt. Aus meiner Erfahrung heraus kann ich nur jeder Klasse empfehlen, darüber nachzudenken, eine Patenschaft zu übernehmen. Zum Beispiel wurde der Unterricht dadurch viel interessanter. So haben wir in Englisch beispielsweise Briefe, Gedichte etc. für unser Patenkind geschrieben. Durch verschiedene Aktionen, wie zum Beispiel Kuchenverkauf, Glücksrad oder die Organisation der Schuldisko haben wir den Patenbeitrag finanziert. Das alles fing also mit einer Patenschaft für ein Mädchen aus Tansania an, die meine Mutter übernommen hatte. So gesehen ist sie also schuld daran, dass ich mich bis heute für mehr Gleichberechtigung einsetze. Nun ist Plan mittlerweile über die Hälfte meines Lebens ein Teil von mir und gerade die letzten vier Jahre waren sehr prägend für meine persönliche Entwicklung.

Der Jugendbeirat auf dem Frühjahrsworkshop
Björn mit dem Jugendbeirat auf einem Workshop 2017.

Und meine kleine Schwester!
Im Jahr 2013 hat Plan Deutschland eine Jugendgruppe gegründet. Leider konnte ich zum ersten Workshop bei dem auch der neue Jugendbeirat gegründet wurde nicht kommen. Allerdings war meine kleine Schwester dabei und erzählte zuhause ganz begeistert davon, wie toll der Workshop war. Da blieb also gar nichts anderes übrig als mich für den nächsten Workshop anzumelden, schließlich wollte ich doch die Leute kennenlernen, von denen meine Schwester erzählte. So nahm ich am nächsten Workshop teil und habe 15 der motiviertesten und engagiertesten jungen Erwachsenen und Jugendlichen kennengelernt, denen ich bis heute begegnet bin. Die Chemie in der Gruppe, der Umgang untereinander und die Zusammenarbeit mit dem Team Jugend- und Freiwilligenkooperation, einfach alles hat gestimmt. Ich war erstaunt darüber, wie gut wir uns durch die Altersgruppen hinweg (14-22 Jahre) unterhalten konnten. Auch wenn gerade in den Anfängen einige Mitglieder noch etwas schüchterner waren, so hat doch jeder seinen Input eingebracht, sodass bei den Workshops großartige Kampagnen entstanden. Das fängt bei der Sticker Kampagne “Equal Rights” an, geht über „Make me visible“ und “#2065yourfuture” bis hin zu “My Choice, My Future”, um nur ein paar Highlights zu nennen. Zwischendurch gab es auch immer wieder Events zu denen der Jugendbeirat seine Mitglieder entsendete. Häufig haben wir darüber auf unserem Blog und unseren Social Media Kanälen berichtet.

Sticker-Aktion Equal Rights

Soziales Engagement – Warum denn DAS?
Die Frage „Warum engagierst du dich?“ muss jeder für sich selbst beantworten. Wenn ich auf Messen oder in Interviews gefragt werde, warum ich mich als Jugendlicher denn für andere Menschen einsetze, ist meine Antwort stets dieselbe: Weder ich, noch irgendein anderer Mensch hat etwas dafür geleistet in dem Körper, Land oder mit der Hautfarbe, Religion oder in die Lebenssituation geboren zu werden, in die er/sie es letztlich wurde. Ein Großteil unserer Lebensumstände ist durch die Geburt schon vorgegeben. Und genau deswegen finde ich es nicht fair, dass es mir so viel besser geht und ich es so viel einfacher habe als der Großteil der Menschen auf diesem Planeten. Nun könnte man sich zurücklehnen und sagen wie schön es doch ist, dass es mir so gut geht. Könnte ich, tue ich aber nicht! DENN: Wenn ich die Fakten kenne und mir bewusst bin, dass ich nichts dafür geleistet habe, um da zu sein wo ich bin, in einer so viel besseren Ausgangssituation als andere, dann kann ich davor nicht die Augen verschließen. Diese Erkenntnis hat dafür gesorgt, dass ich nachhaltig etwas zu Gunsten derer ändern möchte, die ohne Grund benachteiligt sind.

Das Rennen zum Gipfel
Lasst mich folgendes Bild verwenden: Wir befinden uns am Mount Everest. Vor der Geburt wird gewürfelt, wo wir starten: Am Fuß des Berges, in 500 Meter Höhe oder 100 Meter vor dem Gipfel. Ziel ist es den Gipfel zu erreichen. Anstatt auf die anderen hinabzuschauen und mich darüber zu freuen, dass ich nur noch 100 Meter vom Ziel entfernt bin, erkenne ich an, dass ich einen unfairen Vorteil habe. Mit diesem geht nach meinem Verständnis auch eine Verantwortung einher. Ich will, dass jeder die Chance bekommt da zu starten wo ich starten durfte, nämlich nur 100 Meter vom Gipfel entfernt. Deswegen engagiere ich mich für eine gerechtere Welt. Und wenn wir alle, die wir die Möglichkeit dazu haben diese Verantwortung anerkennen und unsere Hände zu denen ausstrecken, die weiter unten am Berg starten mussten, und statt auf sie herabzuschauen, sie zu uns hochziehen, dann werden wir in einer Welt leben, wo Hilfsbereitschaft und Mitgefühl die Norm und nicht die Ausnahme sind. Das ist die Welt, in der ich leben möchte.

Von Klimakonferenzen, Chancengleichheit und Geflüchteten

Planung der Make me visible-Kampagne 2014

Dabei hat mir in den letzten Jahren die Arbeit im Jugendbeirat sehr viel geholfen. Zusammen haben wir viel erreichen können. Zum Beispiel haben wir mit der Kampagne „Make me visible“ über 10.000 Fingerabdrücke dafür sammeln können, dass die Bundesregierung sich stärker dafür einsetzt, dass jedes Kind eine Geburtsurkunde erhält, denn ohne eine Geburtsurkunde kann man in vielen Ländern der Welt nicht zur Schule, zum Arzt oder auf die Universität gehen. Nur wegen des Fehlens eines Stück Papiers bleiben Millionen von Kindern die Türen zu Gesundheit, Bildung u.a. verschlossen. Dass das nicht fair sein kann und wir auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam machen wollten, führte zu den über 10.000 Fingerabdrücken, die ein paar Jugendbeiratsmitglieder dem Parlamentarischen Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im November 2014 übergaben.

Ein anderes Beispiel ist die Kampagne #2065yourfuture. Diese haben wir anlässlich der anstehenden Weltklimakonferenz in Paris im Jahr 2015 gestartet. Hierbei pflanzten wir symbolisch einen Wald aus über 11.000 gemalten Bäumen. Diese haben wir zusammen mit unserer Forderung nach mehr Jugendbeteiligung in den internationalen Verhandlungen am 25. November 2015 der Bundesumweltministerin Frau Dr. Hendricks übergeben. Im anschließenden Gespräch erklärte sich Frau Dr. Hendricks bereit, unsere Forderungen mit auf die Klimakonferenz nach Paris zu nehmen.

Carolin und Björn auf der CoY 11 2015 in Paris.

Tags darauf ging es dann für Carolin und mich zusammen mit Lena und zwei Jugendvertreterinnen des norwegischen Jugendbeirats nach Paris zur Jugendkonferenz CoY 11 (Conference of Youth), die in der Zeit vor der eigentlichen CoP (Conference of the Parties) stattfand. Für unsere Social Media Kanäle waren wir als rasende Reporter vor Ort und haben tagesaktuelle Updates und Infos gepostet, Fragen beantwortet und uns mit Politiker*innen, NGO Vertreter*innen und Journalist*innen getroffen, um die Stimme der Jugendlichen zum Thema Klimawandel mit in die Verhandlungen zum Klimaabkommen einzubringen. Im Rahmen der Eröffnung der Weltklimakonferenz hielt Marinel aus einem von Plan’s Projektgebieten in den Philippinen eine bewegende Rede über die realen Auswirkungen des Klimawandels, die Millionen von Menschen schon heute zu spüren bekommen.

Viele Familien, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene müssen aufgrund von Kriegen wie in Syrien und Afghanistan oder aus anderen Gründen wie z. B. politischer Verfolgung ihr Land verlassen. Im Jahr 2016 widmete sich der Jugendbeirat unter anderem der Zusammenarbeit mit einem Projekt von Plan International Deutschland mit geflüchteten Jugendlichen in Hamburg. Unter dem Namen „Perspektive Deutschland“ schufen wir ein Fotoprojekt, bei dem geflüchtete Jugendliche aus Afghanistan, Irak, Iran und Syrien Fotos zu folgenden Fragen machten: Worüber hast du dich bei deiner Ankunft in Deutschland gewundert? Was hat dir Freude bereitet? Was ist für dich „typisch deutsch“? Diese erläuterten sie dann näher, während wir im Jugendbeirat je ein Foto ohne den Text bekamen und dann das Foto interpretierten. Das Ergebnis waren zwei Beschreibungen pro Bild, die alle zusammen im Sommer 2016 in der Hamburger Meile ausgestellt wurden. Mehr dazu könnt ihr hier erfahren.

Unsere Meinung wird nicht ernstgenommen – Doch, bei Plan!
Wenn ich auf Messen oder bei Veranstaltungen mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen rede höre ich oft die gleiche Beschwerde: „Wir werden nicht ernstgenommen, unsere Meinung wird nicht respektiert. Die hören sich unsere Vorschläge zwar an, machen dann aber etwas ganz anderes.“ Ich habe das Glück, sagen zu können, dass es mir ganz anders geht. Ich bin bei Plan Deutschland unter anderem deswegen schon so lange aktiv, weil ich das Gefühl habe, ernstgenommen zu werden. Um zu verstehen wie der Jugendbeirat innerhalb der Organisation funktioniert, hier eine kurze Zusammenfassung: Der Jugendbeirat fungiert als beratendes Gremium, das heißt die Jugendbeiratsmitglieder und -vertreter werden innerhalb des Jugendbeirats demokratisch gewählt. Genauso stimmen wir über wichtige Entscheidungen etc. intern ab, damit der Jugendbeirat nach außen einen gemeinsamen Standpunkt vertritt. Innerhalb von Plan International Deutschland sind wir beispielsweise mit unseren beiden Vertreter*innen in der Mitgliederversammlung vertreten und werden z. B. auch zu Vorstandssitzungen eingeladen. Für uns ist spürbar, dass unsere Meinung vom Angestellten bis zum Vorstandsvorsitzenden ernst genommen und respektiert wird. Sollten wir einmal das Gefühl haben, dass dies nicht so ist, können wir das ohne Probleme direkt mit der Geschäftsführung oder in der Vorstandssitzung ansprechen. Diese Art von Offenheit und Respekt ist nicht selbstverständlich und dafür möchte ich an dieser Stelle einen ganz großen Dank an alle hauptamtlichen Mitarbeiter*innen und Vorstandsmitglieder aussprechen.

Gruppenbild aller LEAD Workshop Teilnehmer
LEAD-Workshop in Hamburg 2017

Ein gutes Beispiel wie intensiv und aktiv wir mit in die Entwicklung und Ausrichtung der Organisation einbezogen werden, ist der LEAD-Workshop. Dieser fand im April dieses Jahres in Hamburg statt. Im Vorfeld des Workshops, der mit internen und externen Expert*innen aus allen möglichen Fachbereichen gespickt war, fanden auf allen Kontinenten Jugendkonsultationsworkshops statt. Hier haben sich über 110 Jugendvertreter*innen mit 14 verschiedenen Nationalitäten ihre Meinungen, Erfahrungen und Positionen zu Themen wie politischer Teilhabe, Barrieren für jugendliches Engagement und vielem mehr ausgetauscht. Der LEAD-Workshop war ein Teil des Entwicklungsprozesses einer neuen globalen Strategie für die fast 80 Länder in denen Plan International arbeitet. Von Anfang an wurden wir um unseren Input gebeten, zum Beispiel in Form der Konsultationsworkshops. Aber auch auf dem LEAD-Workshop selbst wurden vier Jugendliche und junge Erwachsene von uns als Expert*innen für das Thema Jugend eingeladen. Anstatt wie ich es von vielen anderen häufig höre nur als „Quotenjugendliche“ anwesend sein zu dürfen, wurden wir wie die Expert*innen behandelt, die wir sind und das Ergebnis und Feedback des Workshops gibt uns da Recht. Mehr dazu gibt es hier. Deswegen möchte ich alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen auffordern, sich zu engagieren. Plan International nimmt euch ernst und bietet euch vielfältige Möglichkeiten eure Meinung zu verschiedensten Themen einzubringen und aktiv die Welt zu verändern. Wer also eigene Kampagnen und Aktionen planen und durchführen mag, mitreden will und Lust hat sich zu engagieren, kann sich jederzeit unter jugend@plan.de melden.

Dankeschön!
Die letzten Zeilen möchte ich nutzen, um mich nochmal bei allen Mitarbeiter*innen, insbesondere dem Team Jugend- und Freiwilligenkoordination, den aktuellen und ehemaligen Mitgliedern des Jugendbeirats, den zahlreichen Aktionsgruppen, die uns bei unseren Kampagnen immer so super unterstützt haben und beim Vorstand und der Geschäftsführung für ihren Einsatz, dass unsere Stimme gehört wird, zu bedanken. Ohne euch alle wäre es nicht möglich, Kindern eine Chance zu geben! Ich möchte mich für die schöne Zeit im Jugendbeirat bedanken und werde die nächsten Jahre gespannt mitverfolgen, was sich in der Plan-Welt so tut.

Frohes Neues und einen guten Rutsch wünscht euch Björn

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