Arantza schafft sichere Orte für alle

von Lara Betz

Seit Jahren steckt Venezuela in einer schlimmen Wirtschaftskrise, vor deren Auswirkungen mittlerweile über 3 Millionen Menschen geflohen sind. Arantza ist eine von ihnen und lebt mit ihrer Familie nun in Peru. Das war am Anfang nicht leicht. Mittlerweile nimmt sie an einem Plan-Projekt teil, das eine sichere Umgebung für Menschen jeglicher Herkunft schafft.

Arantza

Arantza musste mit ihrer Familie von Venezuela nach Peru fliehen. In einem Projekt von Plan setzt sie sich nun für eine sichere Umgebung für alle Menschen ein. © Plan International

In ein anderes Land zu ziehen ist nicht einfach. Viele venezolanische Migranten werden ausgenutzt, wenn sie versuchen, Arbeit zu finden. Häufig leben sie in armen Verhältnissen und werden von Einheimischen diskriminiert. Die Situation ist noch schwieriger für Kinder und Jugendliche, weil sie häufig keinen Einfluss auf die Entscheidung ihrer Eltern haben, sondern sich einfach an die neue Lebenssituation anpassen müssen.

Als Arantza mit ihrer Familie nach Peru kam, besuchte sie zunächst eine Schule in Tumbes im Nordwesten des Landes, verließ diese allerdings nach zwei Monaten wieder. Es fiel ihr schwer, sich zu integrieren, da sie von den anderen Kindern gemobbt wurde. „Oft wurde ich von Jungen belästigt. Sie machten unangebrachte und beleidigende Kommentare, auch über meine Mutter. Mir ging es dort nicht gut“, erinnert sich Arantza.

Auch für ihre Eltern war das neue Leben in Peru eine Herausforderung. „Mein Vater fand anfangs keinen Job. Er musste auf der Straße Kuchen verkaufen. Es war sehr schmerzhaft zu sehen, dass die Leute unfreundlich zu ihm waren und ihn schlecht behandelten.“

Eine gemeinsame Studie von Plan International und dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR), zeigt, dass vierzig Prozent der venezolanischen Migrantinnen und Migranten in Tumbes arbeitslos sind. Diejenigen, die arbeiten, können in siebzig Prozent der Fälle nicht von ihrem Gehalt leben. Diese Erfahrung machte auch Arantza: „An manchen Tagen konnten wir uns nicht einmal etwas zu essen leisten.”

Gewalt und Missbrauch verhindern

Obwohl es ihre Familie nicht gerade leicht hat, seitdem sie Venezuela verlassen haben, bleibt Arantza positiv. Sie lebt jetzt seit zehn Monaten mit ihrer Familie in Tumbes. Eigentlich wollte die Familie nach Lima ziehen, die Hauptstadt von Peru, aber sie entschieden sich dagegen, nachdem sich Arantza dem „Safe Environments Project“ (dt. etwa: „Projekt für eine sichere Umgebung“) von Plan International und dem UNHCR angeschlossen hatte.

Das Programm informiert venezolanische Familien darüber, wie sie Gewalt, sexuelle Belästigung und Missbrauch verhindern können. Arantza ist nun Projektleiterin und arbeitet mit Gemeindevorsteherinnen und -vorstehern zusammen, um sichere Orte ohne Gewalt für alle Menschen zu schaffen, unabhängig von Nationalität und Einwanderungsstatus.

Arantza

Arantza spricht mit geflüchteten Mädchen über ihre Erfahrungen. Sie weiß, dass nicht alle Venezolanerinnen und Venezolaner so viel Hilfe zu bekommen wie sie. © Plan International

Sie besucht nun eine andere Schule und hat durch das Programm gelernt, wie sie auf Mobbing reagieren kann. An der neuen Schule hat Arantza gute Erfahrungen gemacht: trotz ihrer anfänglichen Schüchternheit waren ihre Mitschülerinnen und Mitschüler ihr gegenüber freundlich und fürsorglich. Sie helfen ihr bei den Hausaufgaben und treffen sich, um gemeinsam zu lernen.

Arantzas Mutter hat einen Teilzeitjob als Lehrerin gefunden und arbeitet zudem noch in einem Friseursalon, dessen Besitzer sie und ihre Familie unterstützt, wo er nur kann. Und auch Arantzas Vater fand durch die Hilfe des stellvertretenden Direktors ihrer Schule eine Festanstellung in einer Werkstatt.

Schlechte Arbeitsmöglichkeiten

Laut des peruanischen Migrationsamtes lebten im Dezember 2018 bereits rund 635.000 Venezolanerinnen und Venezolaner in Peru – mehr als viermal so viele wie noch im Januar 2018. Die UN schätzt, dass die Anzahl bis Ende 2019 bei 1,4 Millionen liegen wird.

„Die Arbeitsmöglichkeiten und Arbeitsbedingungen für venezonalische Migrantinnen und Migranten sind furchtbar. Viele Kinder arbeiten als Straßenverkäufer. Das macht mich sehr traurig“, sagt Arantza. „Wenn du einmal in ähnlichen Umständen gelebt hast, kannst du nachempfinden, wie schlecht es den anderen geht. Das tut weh.“

Trotz aller Herausforderungen der letzten Monate gab es auch glückliche Momente. „Eine peruanische Freundin meiner Mutter hat meinen größten Traum erfüllt: Sie organisierte eine Party für mich, schenkte mir ein wunderschönes Kleid und hat sich einfach um alles gekümmert, damit ich meine Quinceañera feiern konnte”, erinnert sich Arantza lächelnd. Quinceañera ist die traditionelle Feier des 15. Geburtstages eines Mädchens in einigen Gebieten Lateinamerikas und ein überaus wichtiges Fest für die ganze Familie.

Arantza ist sehr dankbar, dass ihre Familie in dieser schweren Zeit von vielen Seiten Unterstützung erhalten hat. Sie weiß, dass nicht alle venezolanischen Familien dieses Glück haben.

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