„Ja, ich will“ eine unabhängige Frau sein

von Lara Betz

Naiserian aus Kenia wurde früh schwanger und dann gezwungen, einen älteren Mann zu heiraten. Damit Mädchen wie sie finanziell unabhängiger werden können, haben sie bei dem Projekt „Yes I do“ von Plan International die Möglichkeit, eine Berufsausbildung zu machen. Naiserian konnte so Friseurin werden und sich an einer Spargruppe in ihrer Gemeinde beteiligen.

Naiserian gemeinsam mit einem Plan-Mitarbeiter bei ihrem Abschluss. Naiserian machte nicht nur eine Ausbildung zur Friseurin, sondern nahm auch an Workshops zur finanziellen Unabhängigkeit teil. © Plan International

„Als ich schwanger wurde, wollte mein Vater mich mit einem älteren Mann verheiraten. Ich war deprimiert, weil ich keinen fremden und älteren Mann heiraten wollte. Deswegen wollte ich nicht mehr leben. Ich nahm Gift, aber ich wurde rechtzeitig gefunden und medizinisch versorgt – heute sage ich: Zum Glück!“, erzählt die 22-jährige Naiserian.

Nachdem sie im Krankenhaus versorgt worden war, erholte sich Naiserian zu Hause bis sie ihr Kind bekam. Trotzdem wurde sie unmittelbar nach der Geburt ihres Babys von ihrem Vater gezwungen, einen 44 Jahre alten Mann zu heiraten.

„Ich war damals am Boden zerstört, habe mich zurückgezogen und war hoffnungslos. Ich wusste nicht, wen ich um Hilfe bitten konnte, und wünschte mir, aus dieser Welt verschwinden zu können. Trotzdem entschied ich mich, stark zu sein und für mein Kind weiterzuleben“, erklärt Naiserian.

Der UN zufolge werden in Kenia fast ein Viertel der Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Beim Arrangement dieser Kinder-, Früh- und Zwangsheiraten spielen viele Faktoren eine Rolle, darunter Traditionen und Armut. Es herrscht die weit verbreitete Ansicht, dass Töchter dem Familienhaushalt zur Last fallen. Auf Grund dieser Einstellung versuchen viele Familien, sich durch eine frühe Verheiratung ihrer Töchter der finanziellen Verpflichtungen zu entledigen.

Ausbildungen für eine bessere Zukunft

Um Kinderheiraten und Teenager-Schwangerschaften zu reduzieren, führte Plan International 2017 mit finanzieller Unterstützung der niederländischen Regierung das Projekt „Yes I do” (dt.: „Ja, ich will“) in Kajiado County im Süden von Kenia ein. Das Projekt zielt darauf ab, Mädchen eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Sie werden ermutigt, ihr volles Potential auszuschöpfen und später selbst darüber zu entscheiden, ob und wen sie heiraten oder ob und wie viele Kinder sie bekommen wollen.

Gemeinsam mit 24 anderen Mädchen aus ihrer Gemeinde nahm Naiserian im Rahmen des Projektes an einer Berufsausbildung zur Friseurin und Kosmetikerin teil. Nachdem sie den Kurs des Berufausbildungszentrums „Beacon of Hope“ (dt. etwa: „Hoffnungsträger“) erfolgreich abgeschlossen hatte, arbeitet sie nun als Friseurin und kann ihre Familie selbst versorgen. So ist sie nicht mehr vollständig von ihrem Ehemann abhängig.

Wirtschaftliche Unabhängigkeit

Naiserian erlernte allerdings nicht nur das Friseurhandwerk, sondern nahm auch an einem Workshop über wirtschaftliche Unabhängigkeit teil und schloss sich ihrer lokalen Spargruppe an. Dank dieses Trainings, konnte sie ähnliche Gruppen in der Umgebung unterstützen, ihnen bei der Buchführung helfen und neue Spargruppen in anderen Gemeinden gründen.

„Ich habe es geschafft, während des dreimonatigen Trainings zwei neue Spargruppen in meiner Gemeinde zu gründen“, sagt Naiserian stolz.

Mittlerweile ist Naiserian weit entfernt von dem unglücklichen Mädchen, das sie früher war. Jetzt ist sie eine zufriedene junge Frau mit viel Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Naiserian freut sich auf ihre Zukunft und ist auf dem Weg, ein Vorbild für ihre Gemeinde zu werden.

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