Entführt auf dem Weg zur Schule

von Pia Sophie Arndt

Immer wieder werden in Kamerun Schulkinder entführt. Englischsprachige Separatisten wollen damit Angst verbreiten und verhindern, dass Eltern ihre Kinder weiter in den Unterricht schicken. Hintergrund ist ein Konflikt zwischen der englischsprachigen und der französischsprechenden Bevölkerung Kameruns, der sich seit einigen Jahren extrem zuspitzt.

Die Situation in Kamerun gerät zunehmend außer Kontrolle – mittlerweile droht dem Land ein Bürgerkrieg, vor dem bereits über 400.000 Menschen geflohen sind. ©Plan International

Die zwölfjährigen Zwillinge Diane und Eric* gehören zu den vier Kindern, die im Oktober 2018 auf ihrem Weg zur Schule entführt wurden. Die Kinder wurden tagelang von einer Gruppe von Kämpfern in einem Waldgebiet festgehalten, um sie davon abzuhalten, zur Schule zu gehen.

„Sie verbanden uns die Augen und so konnten wir nichts sehen! Wir wussten nicht, wer sie waren oder wohin sie uns gebracht hatten.“ sagt der 12-Jährige Eric leise. „Sie fragten nach der Telefonnummer unseres Vaters und riefen ihn an. Sie sagten ihm, dass sie uns entführt hätten, weil wir weiterhin die Schule besuchen. Wir blieben drei Tage bei ihnen. Nach vielen Telefonaten mit unserem Vater ließen sie uns an einem vereinbarten Ort zurück und unsere Eltern kamen, um uns abzuholen.“

Die Krise in Kamerun begann im Oktober 2016 mit friedlichen Protesten der englischsprachigen Minderheit im Nordwesten und Südwesten des Landes, die sich benachteiligt fühlte und nicht länger hinnehmen wollte, dass Justiz, Verwaltung und auch der Schulunterricht nur auf Französisch stattfinden.

Seitdem gerät die Situation jedoch zunehmend außer Kontrolle – mittlerweile droht Kamerun ein Bürgerkrieg, vor dem bereits über 400.000 Menschen geflohen sind. Bildung ist zu einem zentralen Streitpunkt zwischen der Regierung und den separatistischen Kräften geworden, die die Kinder als strategische Druckmittel missbrauchen, um Einfluss auf die Regierung zu nehmen.

Plan reagiert auf die Krise in Kamerun

Plan International hat auf die Krise reagiert und ein Projekt zur Unterstützung der Ausbildung von mehr als 200.000 Kindern in den von der Krise betroffenen Regionen durchgeführt. In enger Zusammenarbeit mit Gemeindeleitern und Sozialarbeitern wurden 15 kinderfreundliche Räume eröffnet – so genannte „Safe Spaces“ -, in denen mehr als 3.000 Kinder wieder unbefangen lernen und spielen können und darüber hinaus psychosoziale Unterstützung erhalten, um das Erlebte zu verarbeiten.

In der westlichen und Littoral Region, in denen heute viele Menschen leben, die durch die Kämpfe im Nord- und Südwesten vertrieben wurden, hat Plan ein Programm zur zusätzlichen Unterstützung von Schulen gestartet, die einen starken Anstieg der Teilnehmerzahlen verzeichnen. Dabei werden Lehrende fortgebildet, um Kinder gezielt unterstützen zu können, die von der Krise betroffen sind.

Kamerun gehört zu den 82 Ländern, die die Safe Schools Declaration unterzeichnet haben – eine Verpflichtung, Schüler, Lehrer und ihre Schulen frei von Angst, Gewalt und Besetzung während bewaffneter Konflikte zu halten. In Kooperation mit UNICEF werden Wege gesucht, die Erklärung der Safe Schools Declaration in der Konfliktlösungsarbeit zu nutzen.

Eric und Diane können nicht mehr zur Schule gehen, da ihre Schule seit ihrer Entführung geschlossen ist. „Jeden Abend nehmen wir uns etwas Zeit, um unsere Notizen aus den Vorjahren anzuschauen. Wir hoffen, dass sich die Situation bald ändern wird und wir wieder zur Schule gehen und unsere Freunde jeden Tag sehen können“, sagt Diane.

*Namen wurden geändert, um Identitäten zu schützen.

Plan International hat auf die Krise reagiert und unter anderem 15 Kinderschutzbereiche – so genannte „Safe Spaces“ – eingerichtet, in denen fast 3.500 Kinder in einem sicheren Umfeld lernen und spielen können und darüber hinaus psychosoziale Unterstützung erhalten, um das Erlebte zu verarbeiten. ©Plan International

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