Die Macht kollektiver Aktionen

von Lara Betz

von Aneeka McNamara

Die 23-jährige Jugendbotschafterin Aneeka McNamara übernahm 2017 beim #GirlsTakeover die Metro in Melbourne, Australien, um auf die Sicherheitsbedenken von jungen Frauen aufmerksam zu machen. Diese Erfahrung überzeugte sie davon, wie wichtig und mächtig kollektive Aktionen im Einsatz für echte Gleichberechtigung sind.

Aneeka

Aneeka nahm an einer Takeover-Aktion teil und sprach mit Mitarbeitern der Metro von Melbourne über die Sicherheit von Mädchen und Frauen. © Plan International / Jem Karto

Geschlechterungleichheit ist ein globales Problem, das Männer und Frauen in jedem Land betrifft. Als solches erfordert es eine globale Antwort.

Der #GirlsTakeover ist eine koordinierte und weltweite Aktion und findet jedes Jahr in über 70 Ländern rund um den Welt-Mädchentag, den 11. Oktober, statt. Dabei übernehmen Mädchen und junge Frauen Führungspositionen und haben die Gelegenheit, für sich selbst und Gleichaltrige Themen und Probleme öffentlich anzusprechen, die sie bewegen und Veränderungen zu fordern, die sie sich wünschen.

Es ist egal, ob die Mädchen politische Positionen, die Positionen von CEOs und Vorstandsmitgliedern oder Dorfvorstehern übernehmen. Das Wichtige ist, dass sich junge Frauen repräsentiert fühlen, und dass das, was sie zu sagen haben, in ihrer Gesellschaft als wichtig wahrgenommen wird. Die Takeover-Aktionen ermutigen Mädchen auch, auf ihr eigenes Können zu vertrauen und sich selbst als zukünftige Führungskraft zu sehen.

Die Möglichkeiten für Mädchen und junge Frauen, auf hoher Ebene gehört zu werden, sind rar. Auf der ganzen Welt sind sie in Führungsrollen deutlich unterrepräsentiert. Das zeigt, wie wichtig globaler Zusammenhalt im Einsatz für Geschlechtergleichstellung ist.

Dinge in die eigene Hand nehmen

Vergangenes Jahr übernahm ich gemeinsam mit zwei anderen Aktivistinnen die Metro in Melbourne. So konnte ich auf die Sicherheitsrisikos und die Bedenken von Mädchen, öffentliche Verkehrsmittel, besonders in der Nacht, zu nutzen, aufmerksam machen.

Öffentliche Verkehrsmittel spielen eine große Rolle in unserem städtischen Alltag. Mit ihnen kommen wir jeden Tag zur Arbeit, Schule, Universität und diversen gesellschaftlichen Anlässen. Trotzdem fühlen wir Frauen uns in Melbourne häufig nicht sicher, wenn wir öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Unser Ziel war es, dass Mädchen und Frauen öffentliche Dienste sicher nutzen können. Die gemeinsame Aktion des #GirlsTakeover gab uns die perfekte Möglichkeit, um mit dem Vorstand der Metro zu sprechen, der diese Veränderungen bewirken kann.

Mädchen müssen zu Themen befragt werden, die sie betreffen

Am Tag der Takeover-Aktion nahmen wir die Mitarbeitenden der Metro mit zu einem sogenannten „safety walk” zur Flinders Street Station und teilten mit ihnen unsere Erfahrungen als junge Frauen. Im Austausch erfuhren wir, was die Metro bereits unternimmt, um die Sicherheit ihrer Passagiere zu gewährleisten, und wie sie auf Berichte von Gewalt oder anderen Vorfällen in den Zügen reagiert. Ich sprach mit den Beamten, die nachts an den Gleisen arbeiten, sowie mit den leitenden Polizeibeamten, die Fälle bearbeiten, die mit sexueller Belästigung und Übergriffen zu tun haben.

Die Metro und die Polizei von Victoria erkannten, dass geschlechtsspezifische Gewalt ein großes Problem in unserer Stadt ist. Für uns war es gut, zu lernen, dass sie aktiv daran arbeiten, das zu ändern. Nach unserer Meinung und unserem Rat bezüglich dieser Themen gefragt zu werden, war ein bedeutender Schritt.

Aneeka denkt, dass ihre Generation eine positive Veränderung in der Welt bewirken kann. Dafür setzt sie sich gemeinsam mit weiteren Jungendbotschafterinnen ein. © Plan International

Später an diesem Tag erläuterten wir dem Vorstandsvorsitzenden und dem Vorstand der Metro, was wir verändern würden, um den Service zu verbessern. Das war ziemlich einschüchternd, da wir einem Vorstand von acht Männern und nur einer Frau – alle deutlich älter als wir – gegenübersaßen. Sie sagten, dass sie noch nie von jungen Frauen zu Sicherheitsmaßnahmen ihres Bahnnetzes beraten wurden, und stimmten zu, dass sich dies ändern müsse. Um sicherzustellen, dass sie eine Dienstleistung anbieten, von der die ganze Stadt und alle Einwohner profitieren können, müssen sie junge Frauen in den Meinungsaustausch einbeziehen.

Wie #GirlsTakeover eine echte Veränderung bewirken können

Als Ergebnis dieser Takeover-Aktion und dem anschließenden Projekt, bei dem eine Karte erstellt wurde („safety mapping project“), ist die Sicherheits-App „Free to be““ entwickelt worden. Die App kann genutzt werden, um Fälle von sexueller Belästigung anzuzeigen. Junge Frauen werden damit die Möglichkeit haben, diskret Hilfe zu rufen, wenn sie diese benötigen, und Fälle von sexuellem Fehlverhalten anzuzeigen. Zurzeit werden viele sexuelle Übergriffe nicht angezeigt. Die Entwicklung dieser App geht zurück auf die Erfolge, die Plan International mit dem Großstadt-Projekt „Sichere Städte für Mädchen und junge Frauen“ erzielt hat.

Die App kann auch bewirken, dass mehr Personen die Vorfälle, die sie beobachten, an Autoritäten melden, ohne direkt involviert zu werden. Menschen sehen häufig, dass jemand in öffentlichen Verkehrsmitteln belästigt wird, haben jedoch Angst, einzugreifen, weil sie um ihre eigene Sicherheit fürchten. Wir möchten das ändern und eine kulturelle Verschiebung bewirken – weg davon, dass sexuelle Belästigungen in unserer Stadt als normal und akzeptabel gelten. Öffentliche Verkehrsmittel sind ein bedeutender Teil des städtischen Lebens, und eine Veränderung hier wird sich hoffentlich auch auf andere öffentliche Orte auswirken.

Die Stärke und das Potential von Mädchen

Ich sehe viel Potential für Veränderung in meiner Generation, die später die nächste Generation Führungskräfte stellen wird. Ich sehe so viel Stärke und Wirkungskraft in gemeinsamen, von Jugendlichen geleiteten Aktionen und ich glaube, dass wir die Fähigkeit haben, eine Welt zu schaffen, in der wir in Zukunft leben wollen.

Ich sehe, dass die heutige Jugend, sowohl junge Männer als auch Frauen, den Status quo nicht akzeptieren wollen. Aus diesem Grund, freue ich mich so, Teil der Bewegung für Gleichberechtigung zu sein.

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