Jungen und Männer setzen sich für die Sicherheit von Mädchen in Kampala ein

von Lara Betz

In der Hauptstadt Ugandas werden Mädchen und junge Frauen oft belästigt. Das zeigt eine Studie von Plan International. Unangebrachte Berührungen und Bemerkungen sowie Missbrauch werden als normal empfunden. Unter dem Dach-Programm „Urban Programme“ werden die Projekte „Sichere Städte für Mädchen” in Metropolen auf drei Kontinenten durchgeführt, unter anderem in Afrika. In Kampala engagieren sich dabei nicht nur viele Mädchen für die Sicherheit in der Stadt, sondern auch Jungen und Männer, wie Eric und Umar.

Eric

Der 24-jährige Eric setzt sich nun aktiv für die Sicherheit von Mädchen in Kampala ein. © Plan International / Quinn Neely

Im Rahmen der Projektaktivitäten nehmen Mädchen und Jungen unter anderem an Workshops teil, um diskriminierende Geschlechternormen zu überwinden. In sogenannten „Safer Cities“-Gruppen können sie mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern über Probleme in der Gemeinde diskutieren. Auch unternehmen sie „Safety Walks“ (dt. etwa: „Sicherheits-Rundgänge“), bei denen sie Gefahrenquellen in ihren Vierteln dokumentieren – zum Beispiel, welcher Park für Mädchen gefährlich ist, oder öffentliche Waschanlagen mit defekten Lampen.

Außerdem bewerten Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Qualität der öffentlichen Räume und der Dienstleistungen der Stadt, die für Mädchen relevant sind. Zum Projekt gehört auch, dass die Mädchen den Behörden ihre Ergebnisse präsentieren. Das hat in Kampala positive Veränderungen bewirkt: Straßen wurden benannt, Ampeln und Straßenbeleuchtungen installiert und verbessert und Bürgersteige gebaut. Darüber hinaus nahm das Personal der öffentlichen Verkehrsmittel an Trainingseinheiten und „Safer Cities“-Gruppen teil, damit sie die Sicherheit von Mädchen diskutieren und sich dafür einsetzen können.

Um Mädchen eine Plattform zu bieten, ihre Meinung in der Öffentlichkeit zu äußern, leiten sie Dialoge, um die Ergebnisse der „Safty Walks“zu diskutieren. Insbesondere Jungen werden dazu ermutigt, sich an diesen Dialogen in der Gemeinde zu beteiligen.

Das Projekt „Safer Cities – Sichere Städte für Mädchen“ arbeitet auch mit vielen Jungen und Männern, um ihre Einstellung zu ändern. © Plan International/ Quinn Neely

Durch die Aktivitäten ist die Sicherheit in den Gemeinden und das Bewusstsein, dass man Mädchen schützen muss, gestiegen. Mädchen berichten, dass sie nun weniger Belästigungen in Kampala erfahren.

Der 24-jährige Eric und der 18-jährige Umar, erzählen, wie ihre Teilnahme am „Sichere Städte“-Projekt ihre Einstellung zu Mädchen und Frauen verändert hat:

Eric

„Ich wohne mit meiner Frau und unserem neunjährigen Sohn in einem Slum in Kampala. Dort gibt es viel Kriminalität und Gangs, was es für jeden gefährlich macht. Als meine Frau schwanger wurde, war sie 13 Jahre und ich 15 Jahre alt. Ich musste die Schule früh verlassen, weil ich arbeiten und mich um meine Familie kümmern musste. Deswegen lehnte ich auch ein Stipendium für eine Universität ab und fing an, „Boda Bodas“ (Anm. der Red: Motorrad-Taxis) zu fahren.

Das Projekt „Sichere Städte“ lernte ich kennen, als ein Mitarbeiter von Plan International zu einer Boda-Boda-Haltestelle kam und uns einlud, an einem Projekt-Workshop teilzunehmen. Zuerst interessierte ich mich nicht dafür, aber dann merkte ich, dass das, was er sagte, sinnvoll war – nicht nur für Mädchen, sondern auch für Jungen und Männer.

Bevor ich an dem Projekt teilnahm, belästigte ich viele Frauen. Ich rief ihnen Anzüglichkeiten hinterher, fasste sie an und demütigte sie. Das war normal für uns Fahrer. Ich betrachtete Frauen als wertlos und als Sexobjekte. Nun weiß ich, dass das falsch ist. Wir Boda-Boda-Fahrer hatten unsere „Regeln“, aber diese „Regeln“ konzentrierten sich nicht auf die Sicherheit von Mädchen und Frauen in der Stadt. Sie waren nur für uns nützlich.

Eric

Als „Boda Boda“-Fahrer belästigte Eric zuvor viele Mädchen. Jetzt behandelt er Mädchen gleichberechtigt und ist so ein Vorbild für andere „Boda Boda“-Fahrer. © Plan International / Quinn Neely

Durch das Projekt „Sichere Städte“ lernte ich, empathisch zu werden. Wir wurden ermutigt, die Situation aus der Perspektive unserer Schwestern, Töchter und Mütter zu sehen und uns in ihre Lage zu versetzen, wenn sie belästigt werden. Schritt für Schritt veränderte sich so unsere Einstellung.

Nun wollen wir uns für Gleichberechtigung einsetzen. Deswegen haben wir unsere Regeln und Bestimmungen überarbeitet und unsere Routen geändert. Jetzt nehmen wir Wege, die für Frauen sicherer sind.

Dank des Projektes gehe ich auch mit meiner Familie anders um. Ich bin ein besserer Vater geworden. Ich setze mich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung ein. Die Spielzeuge, die wir unserem Kind geben, und die Art, in der ich mit meiner Frau rede, sind jetzt ganz anders. Ich respektiere ihre Meinung und zeige meiner Frau, wie sehr ich sie wertschätze.

Den anderen Boda-Boda-Fahrern ist es nun unangenehm, Mädchen vor mir zu belästigen. Ich bin zu einem Vorbild geworden. Jungen und Männer spielen eine große Rolle, wenn wir Kampala für Mädchen und Frauen sicher machen wollen. Wir können das nur schaffen, wenn wir zusammen arbeiten. Wenn mein Sohn so alt ist wie ich, soll Kampala eine sichere Stadt sein, auch für Mädchen. Ich möchte, dass er sich aktiv für die Sicherheit von Mädchen und Frauen einsetzt – und nicht einfach nur zuguckt. Jeder hat diese Verantwortung.“

Umar

„Ich musste die Schule mit 16 Jahren abbrechen, weil meine Mutter alleinerziehend ist und es sich nicht leisten konnte, die Schule für mich und all meine Geschwister zu zahlen. Die meiste Zeit des Tages verbringe ich damit, meiner Mutter zu helfen. Sie verkauft Kartoffeln auf der Straße. Manchmal übernehme ich Gelegenheitsarbeiten, aber mir wurde kürzlich gekündigt, weil ich noch nicht 18 bin und die Firma meinte, ich wäre zu jung. Es ist schwierig für mich, einen festen Job zu finden.

Meine kleine Schwester inspirierte mich, am Projekt „Sichere Städte“ teilzunehmen. Ich möchte, dass sie und alle Mädchen als gleichberechtigt gesehen werden.

Umar

Umar weiß nun, dass Mädchen nicht nutzlos sind, sondern Großes bewirken können, wenn sie die Chancen erhalten. © Plan International / Quinn Neely

Ich habe zwar noch nie in meinen Leben jemanden belästigt, hatte jedoch ein falsches Bild von Mädchen und Frauen. Ich dachte, dass Mädchen zu nichts gut wären.

Jetzt weiß ich, dass man Mädchen und Frauen respektieren und sie gut behandeln sollte. Man muss anderen Jungen beibringen, dies ebenso zu sehen. Männer, die Mädchen belästigen, sind Feiglinge und sollten sich darüber Gedanken machen, wie sie es fänden, wenn ihre Schwester, Mutter, Tochter oder Freundin das Opfer von Belästigung würde. Andere Jungen sollten erkennen, dass wir alle Menschen sind.“

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