Uganda: Alice schraubt als Fahrradmechanikerin an einer besseren Zukunft

von Anne Rütten

Als ihr Mann starb, musste Alice mit vielen Schwierigkeiten und Stigmatisierungen kämpfen. Dann bekam sie die Möglichkeit, eine Ausbildung als Fahrradmechanikerin zu machen. Jetzt schraubt sie nicht nur an ihrer eigenen Zukunft, sondern unterstützt das Vorankommen ihrer ganzen Gemeinde. Denn Fahrräder sind ein wichtiges und wirksames Mittel für Entwicklung und das Erreichen der globalen Entwicklungsziele (SDGs). Aus diesem Grund hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Einführung des Weltfahrradtags beschlossen, der am 3. Juni dieses Jahres zum ersten Mal stattfand.

Von Leah Missbach Day

© Leah Missbach Day, Joel Ogambi

© Leah Missbach Day, Joel Ogambi

Alice Takoberwa ist 43 Jahre alt, zweifache Mutter und verwitwet. Ihr Mann war HIV-positiv und starb an Komplikationen mit der Infektion. Die Trauer um ihren Partner und die Stigmatisierung, die sie als alleinerziehenden Mutter erlebte, brachten Alice zur Kadama Witwenvereinigung in Budaka, Uganda. Dort traf sie auf Frauen, die Ähnliches erlebt hatten wie sie selbst, und sich nun dafür engagierten, ihre Gemeinden vor HIV und AIDS zu schützen.

In Uganda sind Aids und HIV weit verbreitet. Trotz großer Fortschritte in der Eindämmung der Krankheit, lag die Infektionsrate 2015 bei rund 7 Prozent. Auch Plan unterstützt seit vielen Jahren Programme zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung sowie zur HIV-/Aids-Prävention und -Behandlung in dem ostafrikanischen Land.

Alice war begeistert als sie erfuhr, dass die Witwenvereinigung durch eine Initiative der Hilfsorganisationen Comic Relief und World Bicycle Relief 100 so genannte Buffalo-Fahrräder erhalten würde. Diese besonders robusten Fahrräder wurden von World Bicycle Relief gezielt für den Einsatz in ländlichen Regionen entwickelt. Das Ziel der Spende: Die Fahrräder sollen die Frauen für ihre tägliche Arbeit mobiler machen – ein wichtiger Faktor wenn es darum geht, im ländlichen Raum Hausbesuche zur Pflege und Aufklärung von Menschen mit HIV machen. Fahrradfahren konnte Alice bereits. Nun konnte sie es kaum erwarten, bald jeden Tag zu radeln.

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© Leah Missbach Day, Joel Ogambi

Eine neue Herausforderung

Eine der Frauen ihres Vereins sollte als Fahrradmechanikerin ausgebildet werden. Schließlich galt es die 100 Fahrräder in ihrem Dorf regelmäßig zu warten und zu reparieren, damit sie lange im Einsatz bleiben. Aber wer könnte diesen Job übernehmen? Alice hatte keine Erfahrung in diesem Bereich, aber sie wollte sich der neuen Herausforderung stellen. „Frauen fahren Autos. Ich kann Fahrrad fahren. Warum sollte ich nicht auch Fahrradmechanikerin werden können?” fragte sie sich.

Gesagt, getan. Eine Woche lang besuchte Alice das Ausbildungsprogramm von World Bicycle Relief für Mechanikerinnen und  Mechaniker in der Montagefabrik in Kisumu, im benachbarten Kenia. Dort lernte sie alles über Montage, Reparatur und Wartung der Buffalo-Fahrräder, für die sie später in ihrer Organisation zuständig sein würde.

Schon bald darauf wurden 100 Buffalo-Fahrräder an die Witwenvereinigung in Budaka übergeben. Jetzt konnte Alice das, was sie gelernt hatte, in die Tat umsetzen und zeigte den anderen Frauen, wie sie ihre neuen Fahrräder am besten pflegen sollten.

Unabhängig in eine bessere Zukunft

Alice ist fest überzeugt, dass Frauen alleine zurechtkommen, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. „Ich möchte andere Witwen dazu ermutigen, an ihre Fähigkeiten zu glauben”, sagt sie. „Viele sind der Meinung, dass nur Männer arbeiten können.”

Aber eine Frau, die arbeitet, kann selbst für den Lebensunterhalt ihrer Familie sorgen. Diese Unabhängigkeit, sagt Alice, hilft den Frauen, Vorurteile und Sorgen hinter sich zu lassen, die der Verlust des Ehemannes mit sich bringt. In ihrer Region verlieren Frauen nach dem Tod des Partners oft alle Rechte und werden an die Familie des Mannes weitervererbt oder zwangsverheiratet.

Alice wünscht sich einen sozialen Wandel. Mit ihrem Buffalo-Fahrrad ist sie ihrem Ziel schon nähergekommen. Sie hat etwas Neues gewagt. In ihrem Dorf gab es bisher keine weibliche Mechanikerin. Mit den Fahrrädern können die Frauen des Witwenvereins ihre Aufklärungsarbeit verbessern, mehr Menschen erreichen und so dazu beitragen, dass weniger Kinder mit einer HIV-Infektion geboren werden. Dank Ihrer Arbeit werden mehr Schwangere als je zuvor ihre Kinder in Gesundheitseinrichtungen zur Welt bringen. Mobilität und mutige Frauen wie Alice können die Entwicklung ganzer Dorfgemeinschaft in Gang bringen.

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© Leah Missbach Day, Joel Ogambi

World Bicycle Relief und Plan International arbeiten seit 2010 im Rahmen des Bildungsprogramms BEEP (Bicycles for Educational Empowerment) zusammen. Der Schwerpunkt der Partnerschaft liegt auf Bildung für Mädchen.

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