Guter Glaube mit Geisterhäusern

von Marc Tornow

Schädliche Kräfte kommen in der Vorstellungswelt Südostasiens häufig vor. Geister bewohnen nach kambodschanischem Verständnis zum Beispiel Flüsse, Äcker oder Wälder. Bestimmte Orte sind dafür prädestiniert, böse Einflüsse zu bündeln – gegen die sich die Leute kreativ wappnen.

Ein Geisterhaus darf nie vom Schatten des Hauses getroffen werden, dem es zum Schutz geweiht ist. © Foto: Plan/Marc Tornow

Ein Geisterhaus darf nie vom Schatten des Hauses getroffen werden, dem es zum Schutz geweiht ist. © Foto: Plan/Marc Tornow

Sie sehen hübsch aus und sind oft mit duftenden Blumen geschmückt. Auf den ersten Blick erinnern sie so an kleine Tempel. Doch mit Buddhismus haben diese in vielen Regionen Südostasiens aufgestellten Geisterhäuser nichts zu tun. Sie stehen vielmehr auf Sichtweite zu Gebäuden – und sollen diese samt ihrer Bewohner vor Schaden bewahren. In den Millionenstädten leisten sich die Eigentümer von Bürogebäuden ebenfalls eigene Geisterhäuser – die entsprechend der Größe ihrer Häuser teilweise sogar meterhoch aufragen können.

Entlang kambodschanischer Wege können schädliche Kräfte und Geister auftauchen – sagt der Volksmund. © Foto: Plan/Marc Tornow

Entlang kambodschanischer Wege können schädliche Kräfte und Geister auftauchen – sagt der Volksmund. © Foto: Plan/Marc Tornow

Gerade in der Nähe von Häusern tauchen Geister auf, etwa jene der früher hier lebenden Besitzer. Den gängigen Glaubensvorstellungen nach können diese Seelen aus dem Jenseits zurückkehren und Unglück oder Krankheiten bringen. Um das zu verhindern, werden sie sicherheitshalber zu den kleinen Schreinen gelockt und milde gestimmt. Dort brennen Räucherstäbchen, ein Schälchen Schnaps oder Süßigkeiten werden dargeboten. Die Opfergaben binden schädliche Einflüsse.

Tattoos wehren Geister ab. © Foto: Plan/Marc Tornow

Tattoos wehren Geister ab. © Foto: Plan/Marc Tornow

Ebenfalls hilfreich für ein gesundes Aufwachsen sind nach kambodschanischer Mythologie auch Amulette, die Eltern ihren Töchtern und Söhnen umhängen. An einer Kette baumelt da oft ein Talisman am Hals, der bei genauerer Hinsicht aus einer Miniatur einer Buddha-Statue besteht. Damit soll verhindert werden, dass ein Geist in die Kinder fährt.
Dieselben schützenden Kräfte schreiben die Bewohnerinnen und Bewohner auch Tätowierungen zu. Buddha-Bildnisse, heilige Insignien oder Sanskrit-Zitate überall am Körper aufgebracht verhindern, dass sich unheilsame Kräfte darin einnisten. Auf die eine oder andere Art beschirmt, meistern die Menschen so ihren Alltag.

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