„Ein Kind ist niemandes Eigentum“

von Lara Betz

Kinder haben ein Recht darauf, frei zu sein und vor Misshandlungen geschützt zu werden. Plan International kämpft gemeinsam mit ECPAT Philippines für dieses Recht und gegen die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Jugend-Aktivistin Malen lenkte in ihrer Rede vor Abgeordneten des Repräsentantenhauses die Aufmerksamkeit auf Kinderprostitution und -pornographie in den Philippinen.

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Malen setzt sich für Kinder auf den Philippinen ein und kämpft gegen deren Ausbeutung. © Plan International

Die 17-jährige Malen ist eine Jugend-Aktivistin für ECPAT (End Child Prostitution, Child Pornography and Trafficking of Children for Sexual Purposes) Philippines. Dieses Netzwerk kämpft gegen Kinderprostitution, -pornographie und -handel. ECPAT arbeitet dafür mit Plan International in der so genannten „Girls Advocacy Alliance“ zusammen.

Das Ziel dieser Zusammenarbeit ist, alle geschlechterspezifische Gewalt zu beenden, insbesondere Kinderhandel, Kinderarbeit und die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern. Außerdem soll die Ausgrenzung von Mädchen und jungen Frauen in der Wirtschaft reduziert werden.

Mary Lynn, genannt Malen, ist Mitglied der lokalen Theatergruppe Sali Ka Bata, die von ECPAT Philippines organisiert wird. Mit dieser Gruppe versucht sie, durch Theater die Aufmerksamkeit der Menschen in Schulen und Gemeinden auf die Ausbeutung von Kindern zu lenken.

Dialog zwischen Jugendvertretern und Abgeordneten

Im Februar organisierte Plan International bei der „National Awareness Week for the Prevention of Child Sexual Abuse and Exploitation“ (dt. etwa: die Nationale Woche für die Prävention von sexuellem Missbrauch an Kindern) einen Dialog zwischen Jugendvertretern und Abgeordneten des Repräsentantenhauses. Malen war eine der Rednerinnen der Veranstaltung:

“Ich bin mit zwei Freundinnen aufgewachsen, die Zwillinge waren. Sie stammten aus zerrütteten Familienverhältnissen und haben mir erzählt, wie sie überlebt haben, wenn ihre Eltern sie alleine gelassen haben. Sie bettelten an vorbeifahrenden Taxis oder Autos und nutzten das wenige Geld, das sie erhielten, um Essen zu kaufen. Außerdem hielten sie in den sozialen Medien Kontakt zu verschiedenen Männern und trafen sich mit ihnen, um Sex gegen Geld anzubieten.

Ich konnte in ihren Augen sehen, wie sehr es ihnen leid tat, als sie mir erzählten, was sie tun mussten, um Geld für Essen und Kleidung zu bekommen. Sie haben auch zugegeben, dass eine von ihnen schwanger wurde und abtreiben musste, weil sie sich nicht um das Kind kümmern konnte. Als sie beide vor mir geweint haben, wusste ich nicht, was ich tun könnte, um ihnen zu helfen. Das tat mir weh. Ich habe gedacht, dass ich nichts machen könnte, aber das war falsch.

Wir sind kein Spielzeug

Ein Kind ist ein Mensch und nicht das Eigentum von irgendjemandem. Wir sind kein Spielzeug, das man wegwerfen kann, wenn man keine Lust mehr darauf hat. Kinder sollten nicht benutzt werden, um die Schulden der Familie zu bezahlen oder die sexuellen Wünsche Erwachsener zu erfüllen. Sie sind Menschen. Sie haben Rechte: das Recht, frei zu sein, zu leben, Erfolg zu haben, gehört zu werden, teilzuhaben und vor Misshandlung geschützt zu werden. Das scheint heutzutage nicht der Fall zu sein. Und häufig sind die Menschen, die die Kinder beschützen sollten, genau die, die ihnen schaden.

Die ‚Vergewaltigungskultur‘ in den Philippinen wird schlimmer, und dazu gehört die Beschuldigung und Demütigung von Opfern. Kinder, die ausgebeutet oder anderweitig sexuell missbraucht werden, schweigen, da sie nicht verstanden werden. Stattdessen bekommen sie Kommentare zu hören, wie ‚Das passiert, weil du dich so anziehst‘ oder ‚Du warst viel zu spät draußen‘.

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„Wir brauchen Verständnis und Schutz“, fordert Malen. © Plan International

Wir leben in einem tropischen Land, es ist warm. Er oder sie könnte sich in dem Outfit einfach wohl fühlen. Und was ist, wenn die Person in der Nachtschicht arbeitet oder nachts Hunger hat und deshalb nach draußen gegangen ist, um zu essen? Niemand will vergewaltigt werden oder Opfer von sexueller Ausbeutung/Gewalt werden, also warum beschuldigen wir die Opfer? Sie sind diejenigen, die falsch behandelt wurden, und dennoch geschieht ihnen immer noch Unrecht.

Wir sollten diese ernsten Probleme nicht verharmlosen. Ich sehe viele Bilder und Videos in den sozialen Medien, die sich über diese Themen lustig machen, weil Menschen darüber einfach nicht genug Bescheid wissen/informiert sind. Alle Kinder und Jugendlichen können Opfer von Misshandlungen werden.

Nicht nur die Armen sind in Prostitution involviert

UNICEF hat eine Studie zu Gewalt gegen Kinder veröffentlicht und danach richten sich viele Misshandlungen auch gegen Jungs. Und nach einer Studie von Plan International, sind es nicht nur die Armen, die in Prostitution und Pornographie involviert sind. Es gibt auch viele Fälle von Kindern und Jugendlichen aus dem Mittelstand. Darüber hinaus nutzen Straftäter auch junge Leute mit mentalen, emotionalen und physischen Beschwerden aus.

Das Sprichwort ‚Junge Menschen sind die Hoffnung des Landes‘ ist beliebt. Aber wie können wir das über ein Kind sagen, das in Misshandlung ‚gefangen‘ ist, mitgenommen von den Blutergüssen und Wunden, die man ihm zugefügt hat, nicht einmal den Hauch der eigenen Rechte habend?

Deswegen brauchen wir Abgeordnete, die uns zuhören. Und noch mehr brauchen wir Verständnis und Schutz. Wir fordern von unserer Regierung, die Gesetze streng umzusetzen, und alles in Bewegung zu setzen, um die Aufmerksamkeit auf dieses Problem zu lenken. Wir hoffen, dass die Verordnung zur Prävention gegen Menschenhandel (engl.: ‚Human Trafficking Preventive Education Act‘) ins Gesetz aufgenommen wird, weil dies ein Teil der Lösung ist, um den Anstieg der Opferzahlen zu stoppen.

Wir müssen handeln – und zwar jetzt!“

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