Sicherheit für Mädchen in Kampala

von Annika Best

Faridah lebt in Ugandas Hauptstadt Kampala. Sie ist schon mehrfach Opfer von gewaltsamen Übergriffen geworden. Als Teilnehmerin des Projekts „Sichere Städte für Mädchen und Frauen“ hat sie eine Gruppe gegründet, um ihre Nachbarschaft in Kampala sicherer zu machen. Mit diesem länderübergreifenden Programm will Plan International das Leben für Mädchen und Frauen in Großstädten sicherer machen.

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Faridah und die Aktionsgruppe laufen gemeinsam Straßen ab, um besonders gefährliche Orte zu finden und zu dokumentieren. © Plan International / G. Van Buggenhout

Nachts, wenn nur ein paar wenige Straßenlaternen die Wege in Kampala mit schwachem Licht erhellen, sind Mädchen und Frauen in Gefahr. Die 18-jährige Faridah lebt mit ihrer Familie und mit ihrem neugeborenen Baby in den Slums von Kampala. Jeden Abend um 18 Uhr geht sie los, um an einer immer vollen Kreuzung im Center der ugandischen Hauptstadt Chips zu verkaufen. Der Weg zu diesem schlechtbezahlten Job ist gepflastert mit Angst. „Ich laufe lediglich einen Kilometer zur Arbeit, aber ich muss dabei jedes Mal zahlreiche Hindernisse überwinden. Wie betrunkene Taxifahrer, die mich schikanieren und versuchen mich zu betatschen”, sagt sie.

„Ich höre immer noch ihre Schreie“

Die größten Gefahren jedoch lauern direkt vor ihrer Haustür; in den Slums, in denen sie lebt. Vor allem nach Mitternacht, wenn Faridah von der Arbeit Heim kommt, ist es dort gefährlich: Kein Licht erleuchtet den Weg, Faridah läuft allein an verwaisten Schrottplätzen entlang und durch dunkle Gassen. Jedes Mal, wenn sie durch die Straßen geht, hat sie große Angst.

Und Faridah hat allen Grund, Angst zu haben. „Vor einigen Wochen haben wir die Leiche einer Frau gefunden. Sie wurde nur wenige Meter von unserem Haus entfernt angegriffen.” Sie selbst wurde auch schon überfallen. Vor einem Jahr, sie war im vierten Monat schwanger, ging sie mit einer Freundin die Straße entlang. Die beiden jungen Frauen wurden von Drogendealern attackiert. Faridah konnte entkommen, aber nicht ihre Freundin. Sie wurde in der Gasse vergewaltigt und getötet. „Ich kann immer noch ihre Schreie in meinem Kopf hören”, sagt sie.

„Heute ist alles hell erleuchtet“

„Sichere Städte für Mädchen“ – so heißt das Projekt von  Plan International, dass zum Ziel hat, Großstädte für Mädchen sicherer zu machen. Zusammen mit dem Plan-Projektteam hat sich in Faridahs Nachbarschaft eine Gruppe junger Menschen zusammengefunden, die prüft, welche Gegenden gefährlich sind und wie diese mit der Hilfe der Nachbarn sicherer gemacht werden können. Faridah ist die Vorsitzende dieser Gruppe. „Dort, wo meine Freundin getötet wurde, ist nun alles hell ausgeleuchtet”, sagt Faridah mit einer Mischung aus Traurigkeit und Stolz.

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Zu dem Programm von Plan International gehört auch, dass Mädchen dabei unterstützt werden, selbstsicherer zu werden und lernen, was sie bei Belästigungen tun sollen. © Plan International / G. Van Buggenhout

Die Gruppe setzt sich auch für Verbesserungen im Bereich der Hygiene und für Reparaturen an den Holzbrücken der Nachbarschaft ein. Wenn es viel geregnet hat, war es bislang unmöglich, über die Brücken zu gehen. Also mussten die jungen Frauen große Umwege unternehmen, die noch gefährlicher waren als der übliche Weg. Viele Mädchen gingen daraufhin nicht mehr zur Schule, zu groß war die Angst vor dem Weg dahin. Faridah: „Das macht sie auf lange Sicht noch viel verletzlicher.“

„Ich bin Faridah. Jeder muss mich respektieren!“

Um dies zu vermeiden, helfen Faridah und ihre Aktionsgruppe Mädchen dabei, ihr Selbstbewusstsein zu stärken und Durchsetzungsvermögen zu entwickeln. Auch lernen sie, wie sie besser mit möglichen Gefahren umgehen: Die Mädchen vermeiden nun Orte, wo sie niemand sehen und hören kann und sind so wenig wie möglich allein unterwegs. Zudem verständigen sie jetzt sofort die Polizei, wenn sie belästigt werden. Faridah: „Kürzlich schubste und schlug mich ein Mann, weil ich ihm gesagt hatte, dass er mich allein lassen soll. Daraufhin habe ich ihn bei der Polizei angezeigt.“ Noch vor einiger Zeit hätte sie dies einfach über sich ergehen lassen, ohne etwas zu sagen.

Trotz ihrer neugewonnen Stärke ist Faridah häufig noch sehr ängstlich, aber sie lässt es nicht mehr zu, dass ihr Leben durch die Angst bestimmt wird. Heute geht sie mit entschlossenem Blick zur Arbeit und wirkt dabei so selbstsicher, dass die meisten Männer sie nun in Ruhe lassen. Und sie hat ein neues Mantra, dass sie für jeden, der es hören möchte oder muss, wiederholt: „Ich bin Faridah. Jeder muss mich respektieren!“

Über “Sichere Städte für Mädchen und Frauen”

In den drei Metropolen Delhi, Hanoi und Kampala hat Plan International das “Urban Programme – Sichere Städte für Mädchen und Frauen” ins Leben gerufen. Dort bringt Plan International Gemeinden zusammen, um aus Nachbarschaften sichere Orte zu machen, wo Mädchen und Frauen respektiert werden und sich ohne Angst bewegen können.

Zusammen mit den Projektteams von Plan International planen und gestalten junge Menschen die Maßnahmen aktiv mit, die ihr Lebensumfeld sicherer machen sollen. In regelmäßigen Treffen mit Stadträten und Regierungsvertretern stellen sie die Gefahren dar, denen sie in ihren Stadtvierteln begegnen. Darüber hinaus werden Mädchen darin geschult, selbstbewusster aufzutreten, sich an öffentlichen Orten sicherer zu bewegen und es wird ihnen gezeigt, was sie bei Belästigungen tun können.

Die Situation in Hanoi und Delhi

Sehen Sie hier, mit welchen Herausforderungen Mädchen und Frauen in Hanoi und Delhi täglich kämpfen müssen und wo mithilfe von Plan International Verbesserungen erzielt werden konnten.

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