Vom Marktstand ins Klassenzimmer

von Annika Best
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Balkissa ist zehn Jahre alt. Vor wenigen Monaten besuchte sie zum ersten Mal die Schule. © Plan International

In Mali müssen Kinder bis zu acht Kilometer zur Schule laufen. Die Einschulungsrate ist niedrig, viele müssen Klassen wiederholen oder brechen die Schule vorzeitig ab. Plan International hilft Kindern wie Balkissa, sich in das Schulsystem (wieder-) einzugliedern.

Noch vor einigen Monaten hatte die zehnjährige Balkissa noch nie ein Klassenzimmer von innen gesehen. Stattdessen ging sie jeden Tag mit ihrer Mutter zum Markt und verkaufte dort Gewürze oder half bei der Hausarbeit. Sie konnte weder lesen noch schreiben, und so sahen die Perspektiven für ihr späteres Leben düster aus.

Mali ist eines der ärmsten Länder Afrikas. Viele Kinder müssen weite Strecken laufen, um zur nächstgelegenen Schule zu kommen. Fünf bis acht Kilometer Schulweg sind keine Seltenheit. Die Einschulungsrate ist niedrig, zudem werden weniger Mädchen als Jungen eingeschult. Viele müssen Klassen wiederholen oder brechen die Schule vorzeitig ab.

Zugang zu Bildung

Plan International setzt sich dafür ein, dass Mädchen in Mali solche Hindernisse überwinden und eine gute Ausbildung erhalten. So sollen Kinder wie Balkissa Zugang zu Bildung erhalten und das Leben dieser jungen Frauen nachhaltig verbessert werden.

Mit dem “Accelerated School Programme” (auf Deutsch etwa: “beschleunigtes Schulprogramm”) will Plan International Kindern Bildung ermöglichen, die vorher noch nie eine Schule besucht haben oder diese vorzeitig abbrechen mussten. Durch das Programm sollen Kinder in das konventionelle Schulsystem (wieder-) eingegliedert werden.

In Balkissas Dorf wurde zu Beginn des Schuljahrs ein Lernzentrum eröffnet. Balkissa konnte so gemeinsam mit 25 anderen Kindern aus ihrem Dorf, darunter 15 Mädchen, das erste Mal zur Schule gehen. „Ich arbeite im Unterricht sehr gut mit. Meine Mutter unterstützt mich dabei, dorthin zu gehen“, sagt Balkissa. „Ich kann jetzt die Bambara-Sprache, die hier in Mali gesprochen wird, gut lesen und schreiben.”

Gut ausgebildete Mädchen sind gesünder

Um ältere Kinder zu finden, die nicht zur Schule gehen, arbeiten die Angestellten des Lernzentrums eng mit der Dorfgemeinschaft zusammen. Besonderes Augenmerk legen sie hier auf Mädchen und behinderte Kinder. Das Zentrum bietet neunmonatige Kurse an, die es den Kindern erlauben, anschließend in den normalen Schulbetrieb zurückzukehren oder auch erstmals eine normale Schule zu besuchen. Die Lehrer sind darin geschult, den Kindern einen integrativen und geschlechtersensiblen Unterricht zu erteilen.

Besonders für Mädchen ist es eine Herausforderung, eine Schule zu besuchen und ihre Bildung nicht frühzeitig abzubrechen. Plan International leistet deshalb auch wichtige Aufklärungsarbeit in den Gemeinden, denn gut ausgebildete Mädchen sind belesener, gesünder und geben dies auch an ihre Kinder weiter.

Balkissa ist zuversichtlich, dass sie auch nach Ende des Programms weiterhin zur Schule gehen kann. „Ich möchte einen höheren Bildungsabschluss erreichen, um später Krankenschwester werden zu können. Dann bin ich in der Lage, Kindern in meinem Dorf zu helfen und sie zu pflegen, wenn sie krank werden sollten.“

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Ein Kommentar zu „Vom Marktstand ins Klassenzimmer“
Silvia sagt:

Leider ist das nicht der übliche Weg, der hier beschrieben wird. Es ist illusorisch zu glauben, man könne in einem islamischen Land wie Mali selbstbewusste und selbständige Frauen heranziehen, indem man Kindern – und Mädchen – Bildung ermöglicht. Ich habe das einst auch geglaubt – die Realität sah anders aus: das Geld, das wir über Jahre für Schule, neuen Dorfbrunnen usw. gespendet hatten, versandete wie Regentropfen in der Wüste. Unser Patenkind (Mädchen) konnte auch nach 5 Jahren Schule nicht schreiben und wurde mit 15 oder 16 Jahren verheiratet, eben so, wie es in Mali Brauch ist. Wir werden die dortigen Traditionen nicht ändern und können ebenso wenig unsere westlichen Wertvorstellungen 1:1 nach Afrika transportieren, wo sie nicht erwünscht sind.

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