Menstruation: Eine Herausforderung für Rohingya-Mädchen

von Annika Best
Rohingya-Mädchen

Von links nach rechts: Nur Nahar, 15, Ismatara, 15, Hasina, 16, Rohana, 16. © Plan International

Für Rohingya-Mädchen, die in einem Flüchtlingscamp in Bangladesh leben, ist es mit vielen Schwierigkeiten verbunden, wenn sie ihre Periode haben: So gibt es nicht genug Binden für alle, die Mädchen werden stigmatisiert und ausgegrenzt.

Die Periode zu haben ist etwas ganz Normales für Mädchen und Frauen weltweit. Trotzdem ist es in vielen Fällen unangenehm, und viele empfinden es als peinlich, darüber zu sprechen. Die Mädchen, die in den Flüchtlingscamps rund um die Stadt Cox’s Bazar im Süden von Bagladesh leben, sind wie andere junge Frauen: Auch sie bekommen einmal im Monat ihre Periode und müssen in dieser Zeit mit den Krämpfen und den Stimmungsschwankungen zurechtkommen. Sie werden dabei jedoch mit besonderen Schwierigkeiten konfrontiert.

Zu wenig Hygiene

Das Camp Balukhali Flüchtlingscamp in Cox‘s Bazar ist überfüllt, unsauber und spartanisch eingerichtet. Mädchen und Frauen, die ihre Periode bekommen, müssen mit der konstant knappen Anzahl an Binden haushalten, haben keinen Zugang zu Medikamenten gegen Krämpfe und keine Möglichkeit, ihre benutzten Hygieneprodukte diskret zu entsorgen. Zusätzlich müssen sich gegen Stigmata, Scham und Schweigen behaupten.

Mitarbeiter von Plan International, die im Camp arbeiten, trafen sich mit einigen der Mädchen, um ein besseres Verständnis für ihre Situation zu erhalten. In Myanmar verwenden die Mädchen Binden oder wiederverwendbare Tücher während ihrer Periode. Die Binden kaufen ihre Mütter dort für rund 500 burmesiche Kyawt, das sind etwa 30 Cent. Traditionell werden die benutzten Binden in einem Loch vergraben, das sich weit weg vom Haus befindet.

Zu wenig Binden

Im Camp müssen sich die jungen Frauen darauf verlassen, dass gemeinnützige Organisationen, die vor Ort Hilfe leisten, ihnen Hygieneprodukte zur Verfügung stellen. Es ist sehr schwer, im Camp Binden zu beschaffen. Wenn es welche zu kaufen gibt, sind sie sehr teuer. Deswegen teilen sich die Mädchen die Produkte häufig. Aber sie müssen diese stark rationieren, weil es nicht ausreichend viele für alle gibt.

Als die Mädchen im Camp ankamen, war die Lage viel drastischer: Damals waren überhaupt keine Hygieneprodukte verfügbar. Also borgte man sich etwas von Freunden, benutzte irgendwelche Lappen als Binden oder blutete einfach in die Unterhose.

Rohingya-Mädchen

Die 15-jährige Nur Nahar sagt, dass in der Kultur der Rohingya es Frauen untersagt ist, rauszugehen oder mit Männern zu reden, während sie ihre Periode haben. © Plan International

Zu wenig Verständnis

Die kulturellen Praktiken der Rohingya rund um die Menstruation unterscheiden sich stark von dem, was Frauen und Mädchen in der westlichen Welt kennen. Wenn ein Mädchen das erste Mal seine Menstruation hat, ändert das sein Leben nachhaltig: Denn mit der ersten Periode endet die Schullaufbahn der Rohingya-Mädchen. Solange, wie ihre Tage andauern, dürfen sie nicht das Haus verlassen. Ihr Verschwinden aus dem öffentlichen Leben signalisiert den Nachbarn, dass sie „eine Frau geworden” sind. Die Dorfgemeinschaft wird sie daraufhin auch anders behandeln. “Wenn wir unsere Periode haben, dürfen wir nicht mit Männern reden. Wenn ein männlicher Verwandter zu Besuch kommt, sagt ihm die Familie, dass wir nicht zuhause sind, und wir müssen uns verstecken”, erzählt Nur Nahar (15).

Keine Medikamente

Das größte Problem für die Mädchen im Camp ist zwar der Mangel an Monatshygiene-Artikeln. Doch es gibt auch keine Medikamente, die gegen die Krämpfe helfen. In einem nahegelegenen Zelt wohnt die 17-jährige Jahida. Sie hat extreme Schmerzen während ihrer Menstruation und würde gern Medikamente gegen die Krämpfe nehmen.

Rohingya-Mädchen

Jahida hat starke Schmerzen, wenn sie ihre Periode hat. Sie wünscht sich Medikamente, die ihr helfen, die Krämpfe besser zu ertragen. © Plan International

“Ich bekomme meine Tage nur alle paar Monate einmal, aber wenn ich sie habe, quälen mich jedes Mal schlimme Krämpfe. Alles, was ich währenddessen tun kann, ist liegen und hoffen, dass es schnell vorbeigeht. Denn es gibt keine Medikamente, die mir helfen könnten,” sagt Jahida. Ihre Mutter unterstützt sie während dieser Zeit, indem sie die Binden für sie entsorgt.

Auch die Müllentsorgung ist ein Problem im Camp. Den Mädchen bleibt oft nichts anderes übrig, als ihre Binden in die Latrinen zu werfen, die dadurch verstopfen. Manche verfolgen auch weiterhin die Tradition, ihre benutzten Binden zu vergraben, doch auch das kann auf lange Sicht keine Lösung sein.

Plan International ist seit September vor Ort, um die hygienischen Bedingungen in den Flüchtlingslagern zu verbessern. Dazu hat Plan bereits 700 neue Toiletten gebaut, über 200 Wasch- und Badestellen für Frauen eingerichtet und über 10.000 Hygiene-Kits mit Seife, Eimern, Zahnbürsten und Wasserkanistern ausgegeben. Momentan verteilt Plan 12.000 Menstruations-Kits an Frauen und Mädchen im Teenageralter. Die Kits beinhalten eine waschbare Binde, die wiederverwendet werden kann und die weder das Latrinen-System verstopft, noch der Umwelt schadet.

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Mitarbeiter von Plan International schulen die Mädchen im Balukhali Flüchtlingscamp in Sachen Monatshygiene. © Plan International

Menstruation ist weltweit ein Tabu

Nicht nur unter den Rohingya ist Menstruation ein Tabu-Thema. Auch in anderen Ländern werden Mädchen und Frauen gesellschaftlich ausgegrenzt, wenn sie ihre Periode haben: 90 Prozent der Mädchen in Afrika gehen nicht zur Schule, wenn sie ihre Tage haben. Plan International arbeitet intensiv daran, die Tabus um die Menstruation zu brechen. Das beginnt bei der praktischen Lösung durch die Bereitstellung von Hygiene-Kits für Mädchen und endet mit Aufklärungskampagnen.

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