Uganda: Emmanuels Einsatz für die Rechte von Mädchen

von Lilli Gretemeier

Von der Gleichberechtigung der Geschlechter ist Uganda weit entfernt. Der 23-jährige Emmanuel setzt sich dafür ein, dies zu ändern.

In dem neuen Bericht „Unlock the Power of Girls Now“ von Plan International schildert die 17-jährige Kisakye aus Uganda, dass die meisten hohen Ämter in Wirtschaft und Politik in ihrem Land mit Männern besetzt werden. „Sie denken, dass Mädchen nicht in der Lage sind, diese Posten zu bestreiten“, sagt sie. „Das Präsidentenamt ist nicht für Mädchen gedacht.“

Eine neue, aber wachsende Gruppe Jungen und junger Männer in Uganda engagiert sich, um genau solchen geschlechtsspezifischen Diskriminierungen entgegenzutreten. Einer von ihnen ist der 23-jährige Emmanuel aus der Hauptstadt Kampala, der von seinem alleinerziehenden Vater großgezogen wurde. Seitdem er von Plan International geschult wurde, setzt er sich in Gemeinden in ganz Uganda und über die Landesgrenzen hinweg tatkräftig dafür ein, negative Einstellungen gegenüber Frauen anzufechten.

Gleichberechtigung stößt Emmanuel (23) immer wieder auf Hürden. © Plan International / Quinn Neelyi

Und das ist nicht so einfach: „Es geht mit Ächtung einher, wenn sich ein Mann für die Rechte von Mädchen einsetzt“, erzählt Emmanuel. „Die meisten Menschen sehen uns als Leute, die Frauen mehr Macht geben wollen und finden das nicht gut. Sie denken, wenn Frauen ihre Rechte kennen, werden sie anfangen, die Regeln im Haus aufzustellen. Sie gehen davon aus, dass das in den Familien Chaos auslösen würde und die Männer nicht mehr respektiert werden.“

Die Befragungen von Plan International für den Bericht 2017 haben gezeigt, dass Emmanuel mit seinen Erfahrungen, stigmatisiert zu werden, alles andere als allein ist. Von Spanien bis Kolumbien vertreten Jungen und junge Männer häufig die Ansicht, dass Mädchen und Frauen nur zu ihrem Vergnügen geboren wurden. Der Bericht stellt heraus, dass diejenigen Mädchen, die den Mut haben, aus diesen Stereotypen auszubrechen, auf Spott, Mobbing und sogar Gewalt stoßen.

Zur der Studie gehörte auch, dass Jugendliche ermitteln, wie Social Media-Plattformen wie Facebook, WhatsApp, Instagram und Twitter als Räume dienen können, um solche Einstellungen und diskriminierendes Verhalten zu bekämpfen. Als Mitglied der „Champions of Change“ − ein Plan-Projekt, welches junge Männer ermutigt, in ihren Gemeinden gegen ungerechte Geschlechternormen und Stereotype anzugehen − hat Emanuel dies mit großem Erfolg gemacht.

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Über Social Media kann Emmanuel viele junge Leute erreichen. © Plan International / Quinn Neely

„Auf Facebook, Twitter und Instagram verbreite ich positive Mitteilungen über die Errungenschaften in Bezug auf Geschlechterungleichheit und teile auf YouTube Videos mit Liedern zur Beendigung von Kinderheirat und Teenagerschwangerschaft, die ich geschrieben habe“, sagt er. „Die sozialen Medien sind ein gutes Mittel, um sich für die Rechte von Mädchen einzusetzen. Fast alle jungen Leute nutzen diese Plattformen und ich habe dort die Chance mit ihnen eins zu eins zu interagieren.“

Vor kurzem kam Emanuel auf Facebook mit dem 17-Jährigen Ivan ins Gespräch, der eine starke negative Einstellung gegenüber Frauen hatte. „Ich habe mit ihm darüber gesprochen, welche Vorteile es auch für Männer hat, wenn Frauen arbeiten gehen und Männer mehr für den Haushalt machen. Eine arbeitende Ehefrau zu haben, mindert den Druck auf den Mann, für die Familie sorgen zu müssen. Und ein Mann, der hilft, das Essen vorzubereiten, bedeutet, dass die Arbeit schneller erledigt ist.“ Die Wirkung auf Ivan war bemerkenswert: „Nach mehreren Unterhaltungen hat er angefangen, seine Denkweise zu ändern. Jetzt begreift er, dass Frauen einen positiven Beitrag zur Gesellschaft leisten können und hilft mir sogar dabei, auch andere Jungen davon zu überzeugen.“

Rashid Javed, der Direktor von Plan International Uganda, sieht Emmanuels Aktivismus als ein tolles Beispiel dafür ist, wie Technologie genutzt werden kann, um Räume für Frauen und Mädchen zu schaffen, die sie nutzen können, um mitzubestimmen und sich für ihre Zukunft einzusetzen. Außerdem sagt er: „Jungen wie Emmanuel verdienen Lob dafür, dass sie sich an dem Kampf zur Stärkung von Mädchen beteiligen, damit diese ihr volles Potenzial entfalten können. Emmanuels Aktionen zeigen, dass ihm bewusst ist, dass gleichwertige Chancen für Mädchen gut für sie, ihre Familien und die ganze Gesellschaft sind. Wenn wir in Mädchen investieren, profitiert davon jeder.“

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Emmanuel weißt, dass die Stärkung von Frauen uns alle weiterbringt und setzt sich tatkräftig dafür ein. © Plan International / Quinn Neely

„Emmanuels Beispiel zeigt zudem, wie wichtig es ist, dass wir das Stigma durchbrechen, mit welchen Jungen und Männer konfrontiert sind, wenn sie sich für die Rechte von Mädchen einsetzen. Sie brauchen Verbündete.“ „Jeder − Regierungen, Zivilgesellschaft, Unternehmen, Führungspersönlichkeiten, Eltern und andere Mädchen und Jungen − müssen verstehen, was durch geschlechtsspezifische Diskriminierung verursacht wird, welche Rolle sie dabei spielen und wie sie sie beenden können“, sagt Javed.

Emmanuel ist selbstbewusst und lässt sich durch Kritiker nicht von seinem Engagement für Mädchen abhalten: „Wenn Menschen mich kritisieren, dann fordere ich sie heraus“, erzählt er. „Ich sag ihnen, dass sie überlegen sollen, wer in den Zeiten für sie da war, in denen sie sich besonders allein fühlten. Meistens waren es die Frauen − unsere Mütter und Schwestern.“

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