Südsudan: „Wir wollen nicht, dass unsere Kinder in Angst aufwachsen“

von Janina Schümann

Ein Beitrag von Daniel Muchena, Länderdirektor von Plan International Südsudan

Die Gewalt im Südsudan bringt die Kinder in große Not. Auch fünf Jahre nach der Unabhängigkeit leidet die jüngste Nation der Welt immer noch unter ihrer schwierigen Geschichte und einer unsicheren Zukunft. Über 99 Prozent der Südsudanesen stimmten 2011 für die Unabhängigkeit. Doch auch fünf Jahre, nachdem wir die Unabhängigkeit vom Sudan erlangt haben, ist Gewalt in unserem Land noch weit verbreitet. Die letzte Gewaltserie hinterließ viele Tote und zeigt, wie fragil der Frieden im Südsudan ist.

Am meisten unter den Auseinandersetzungen leiden die Kinder. Die jüngsten Ereignisse setzen die Mädchen und Jungen zusätzlich dem Risiko von Missbrauch und Ausbeutung aus. In Konfliktsituationen wird häufig auch gegen die Kinderrechte verstoßen – vor allem gegen die Rechte der Kinder auf Bildung, Gesundheit, Sicherheit und auf Einbindung an gesellschaftlichen Prozessen. Der neue Konflikt gibt Anlass zu großer Sorge.

Neue Serie von Gewalt

Mehr als 53 Prozent der Menschen im Südsudan sind Kinder unter 18 Jahren. Aufgrund des Konflikts besucht die Mehrheit aller Kinder nicht die Schule und die neue Serie von Gewalt verschlimmert ihre Situation. Vor allem Mädchen und Frauen werden zu Opfern. Mehrere von ihnen wurden vergewaltigt und überfallen. Das Risiko für Kinder, verheiratet, ausgebeutet oder in kriegerischen Konflikten eingesetzt zu werden, hat sich verschärft, und damit die Sorge um ihre Gesundheit und ihr Wohlergehen. Zudem ist die Rate der unterernährten Kinder im Südsudan extrem hoch.

Mehr als 53% der Menschen im Südsudan sind Kinder. © Plan

Als Länderdirektor von Plan International Südsudan besuche ich regelmäßig einzelne Gemeinden. Die Menschen dort erzählen mir, dass sie ihre Unabhängigkeit schätzen, dafür aber einen hohen Preis zahlen müssen. Viele Mittel der Regierung gingen für den bewaffneten Konflikt drauf. Eine große Menge an Spendengeldern wurde seit Dezember 2013 für lebensrettende Maßnahmen eingesetzt, so dass für die weitere Entwicklung kaum etwas übrig blieb. Viel zu wenig wurde in Bildung investiert. Dieser Rückstand beeinträchtigt die Mädchen und Jungen zusätzlich.

Unterstützung für Kinder

Plan International engagiert sich für den Schutz von Kindern und ihren Zugang zu Bildung. Um das das Leben von Kindern zu schützen, die Konfliktsituationen ausgesetzt sind und lebensrettende Maßnahmen in Konfliktgebieten zu unterstützen, rufen wir zu nachhaltigen Lösungen auf.

Damit Mädchen und Jungen trotz der Gewalt wieder ein Gefühl von Normalität entwickeln können, bieten wir seit drei Jahren pädagogische und psychosoziale Unterstützung für Kinder und ihre Eltern in Konfliktgebieten an. In unseren „kinderfreundlichen Bereichen“ haben sie die Möglichkeit in einem geschützten Rahmen unbeschwert zu spielen und zu lernen.

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Besonders Mädchen und junge Frauen leiden unter Gewalt. © Plan / Adrianne Ohanesian

Um die Entwicklung des Landes zu begünstigen, müssen die nachkommenden Generationen die Chance bekommen, haben ihre Fähigkeiten zu entwickeln und etwas für die Zukunft ihres Landes beitragen zu können. Wir fokussieren uns daher besonders auf die Schulung von Lehrpersonal. Dabei geht es auch darum, Mädchen zu und ihre Eltern zu ermutigen, ihren Schulbesuch ernst zu nehmen.

Wir haben so sehr für unsere Unabhängigkeit gekämpft, nun wollen wir auch, dass sich die Situation im Südsudan verbessert. Unser Land und alle Menschen hier haben es verdient, glücklich zu sein und voran zu kommen. Wir wollen nicht, dass unsere Kinder in Angst aufwachsen. Wir wollen, dass sie sich sicher fühlen, hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und ihre eigenen Entscheidung treffen können. Um das zu erreichen, muss die Regierung sich dafür einsetzten, in die Bildung von Kindern investieren.

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