Die Sonnenanbeter in Bangladesch

Undurchdringliche Mangroven mit Tigern und bunt gefiederten Vögeln, durchzogen von Hunderten Flussarmen, in denen Delphine zu Hause sind: So präsentiert sich das Mündungsdelta des Ganges in Bangladesch. Mittendrin und am Golf von Bengalen strömen die Menschen allmorgendlich an den Strand von Kuakata – zur Begrüßung des Tages mit seinem farbenprächtigen Sonnenaufgang.

Sonnenaufgang Kuakata_M.Tornow1

Für die einheimischen Reisenden wird die Visite am Meer regelmäßig zu einer Art Kult. Mit dem ersten Hahnenschrei führt ihr Weg aus dem beschaulichen Ort Kuakata hinaus an den Beach. Noch in der abklingenden Dunkelheit bekommt es die sandige Pracht – von Wind und Wellen geglätteter Strand – mit Tausenden Fußgängern sowie Rädern und Mopeds zu tun. Alle wollen den Sonnenaufgang erleben! Nach bangladeschischer Lesart hatte man das Seebad nicht gesehen, wurde der Tag nicht wenigstens einmal direkt am Wasser mit dem Erscheinen der Sonnen begonnen.

Am Strand in Bangladesch_M.Tornow4

Der Run zur besten Aussicht auf das Naturschauspiel führt zu einer wahren Hatz in Richtung Osten. Endlich ist es soweit: Durch Palmenwälder, die für tropisches Flair sorgen, erscheint die Sonne wie eine glühende Scheibe hinter paradiesischer Kulisse. Der Golf von Bengalen versinkt in einem Feuerwerk aus orange-roten Farben. Die Menschen fotografieren sich vor dem in knalligen Farben explodierenden Himmel oder lassen Aufnahmen von mobilen Fotografen von sich machen. Denn die meisten können sich keinen eigenen Apparat leisten. Bei Monatslöhnen von 100 US-Dollar und weniger ist der Besuch am Meer ein seltenes Stück Luxus im entbehrungsreichen Alltag.

Vor dem Bad der Sonnenaufgang_M.Tornow3

Vor allem entlang der Küsten Bangladeschs ist das Leben der Menschen alles andere als bequem: Sie wohnen im direkten Einfallswinkel möglicher Wirbelstürme. Diese werden zu verschiedenen Jahreszeiten zur tosenden Gefahr und landen über dem Ganges-Delta mit voller Wucht an. Eine Folge solcher Naturgewalten ist die Versalzung vieler Felder. Während im Landesinneren die einen so immer schlechtere Ernten einfahren, entfaltet Kuakata Beach ein wenig touristischen Badespaß. Falls überhaupt, so gehen Männer wie Frauen bekleidet in die trübe Brandung. Kuakata – das ist also vor allem der Reiz am Meer zu sein, nicht in ihm.

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