Der erste Tag in Addis Abeba

von Maike Schulz
Helene mit anderen Jugendlichen

Jugenddelegierte aus acht verschiedenen Ländern sind in Addis Abeba (Foto: Plan)

(Text: Helene von PlanAction) Nachdem wir gestern damit verbracht haben uns kennen zu lernen, startet das Programm heute so richtig. Zunächst stellen alle Jugendvertreter sich und ihre Gruppe vor. Dabei geht es darum was sie in ihrem Heimatland für Projekte oder Kampagnen durchführen und warum sie hier in Addis Abeba sind. Alle teilen ihre ganz persönlichen Geschichten. Es ist sehr beeindruckend, was einige der Jugendlichen in ihrem Leben schon durchgemacht haben. Trotz oder gerade wegen der Erfahrung, dass jemandem zum Beispiel das Recht auf Bildung verwehrt wurde, stehen alle hier und erheben selbstbewusst ihre Stimmen. Ein Mädchen wurde zwangsverheiratet und setzt sich jetzt erfolgreich gegen Kinderheirat in ihrer Gemeinde ein, sie unterstützt die Mädchen, die Ähnliches wie sie selbst erleben müssen. Die Jugendlichen kommen aus Liberia, Norwegen, Sierra Leone, Burkina Faso, Ägypten und ich aus Deutschland. Morgen kommen noch Jugendliche aus Kenia und Äthiopien dazu.


Heute lernen wir sehr viel. Dabei geht es vor allem um die aktuelle Bildungssituation weltweit, damit wir alle auf demselben Stand sind. Die Fakten sind erschreckend:
• 57 Millionen Kinder gehen nicht zur Grundschule
• 125 Millionen Kinder gehen zur Schule, aber lernen nicht
• Wenn alle Kinder nur lesen könnten, würden 171 Millionen Menschen der Armut entkommen
• Wenn der Zugang zu Bildung so langsam wächst wie bisher, wird ein armer Junge aus einem ländlichen Gebiet der Subsahara seine Grundschule erst in ca. 20 Jahren beenden können. Diese Zahl wurde aus aktuellen Fehltagen/-monaten/ und -jahren, die meistens zu einem Schulabbruch führen, errechnet. Ein Mädchen mit demselben Hintergrund kann ihre Grundschule aber erst 2086 beenden können. Das ist natürlich nicht realistisch, weil niemand 70 Jahre zur Schule gehen würde, aber es verdeutlicht wie schwer der Zugang zu Bildung für Kinder aus dieser Region ist. Es ist unmöglich die Grundschule erfolgreich zu beenden, wenn sich nichts an der aktuellen Situation ändert.
• 4 von 5 Mädchen aus der Subsahara haben keinen Zugang zur formaler Bildung
Wer noch mehr und auch etwas über die Gründe warum Kinder nicht zur Schule gehen können erfahren möchte, kann sich bei YouTube folgendes Video ansehen: 57 million children out of school

 

Am Nachmittag erhalten wir ein Training über den Umgang mit Presse und Medien. Das Medienteam, das uns hier begleitet, kennt sich richtig gut aus und nach einigen Übungen und gespielten Interviews fühlen wir alle gut vorbereitet und sicher. Wir müssen sehr viel aufnehmen und alles ist spannend und neu, damit wir wieder wach werden und uns weiter konzentrieren können, unterbrechen wir das Programm immer wieder mit Energizern. Das bedeutet hier allerdings nicht eine Runde „Obstsalat“ zu spielen, sondern zu singen, zu klatschen und zu tanzen. Diese Energizer sind tatsächlich voller Energie und machen riesen Spaß! Wir haben nur gelacht.
Nach unserem Programm gehen wir zu einem kleinen Rasenplatz und nutzen die Zeit bis zum Abendbrot um etwas Fußball zu spielen. Drei kleine Kinder mit ihrer Nanny schaukeln am Rand des Platzes, als wir vor dem Eingangstor stehen, kommt das etwa 10-jährige Mädchen in unsere Richtung und ruft „Go away!“ Wir zögern und Craig telefoniert herum, ob dieser Platz überhaupt öffentlich zugänglich ist. Dann kommt aber schon der 5-jährige Junge auf uns zu und sagt „only for one hour“. Die Kinder sind wirklich süß, teilweise spielen sie mit und kommen immer wieder zu uns um unsere Haare anzufassen. Sie sprechen richtig gut Englisch und sind total neugierig. Irgendwann winkt der kleine Junge Maria zu sich um ihr was ins Ohr zu flüstern, er singt „Roar“ von Katy Perry.
Ich habe das letzte Mal wohl im Schulsport Fußball gespielt. Wir sind alle ziemlich außer Atem, ich habe mir wegen meiner kaum vorhandenen Fußballkünste nichts dabei gedacht, bis Craig uns fragt, ob wir merken wie dünn die Luft ist. Addis Abeba liegt auf 2355 m Höhe, davon sieht man gar nichts, wenn man sich so mitten in der Stadt aufhält. Die Jungs spielen ziemlich übermütig und so muss ein Nachbar tatsächlich auf sein Dach klettern, um den Ball aus der Regenrinne zu fischen. Bestimmt 5 Mal fliegt der Ball über die hohen Stacheldrahtzäune. Glücklicherweise sind hier alle so freundlich und aufgeschlossen, dass wir den Ball immer wieder bekommen. Viele Passanten bleiben stehen und schauen uns zu, es ist bestimmt ein ungewöhnlicher Anblick Mädchen und Jungen aus so vielen verschiedenen Nationen zusammen Fußball spielen zu sehen. Es macht wirklich Spaß und ich mache mich gar nicht soo schlecht, Torwart ist vielleicht nicht so mein großes Talent, aber ich konnte zumindest ein Tor vorbereiten

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