Heute Nahrung und Wasser – morgen eine Schule

von Maike Schulz
Kleidre trocknen in Schule

In der zerstörten Schule lebt jetzt eine Familie. Die kaputten Stahlträger werden zum Wäschetrocknen verwendet. (Foto: Plan)

Von Ian Wishart, CEO Plan International Australien

Die Schultage sollten für jedes Kind die beste Zeit seines Lebens sein.

Doch viele Kinder, die ich heute in einer Schule im Norden Cebus getroffen habe, erlebten letzte Woche den schlimmsten Tag ihres noch jungen Lebens.

Mehrere Dutzend Kinder und ihre Familien, die in der Nähe der Schule in einem ländlichen Bezirk vier Stunden nördlich von Cebu, der zweitgrößten Stadt der Philippinen, leben, bekamen am letzten Freitag die ganze Kraft der Naturgewalten zu spüren, als Taifun Haiyan durch ihr winzige Dorf wütete.

Praktisch alles wurde durch den Sturm verwüstet, Häuser, Ernten und Existenzgrundlagen innerhalb weniger furchtbarer Stunden zerstört. Ein Mann erzählte mir, wie er und seine Familie sich zu Hause zusammendrängten und machtlos zusahen, wie Sturmböen ihr Haus gnadenlos zertrümmerten. Als das Auge des Sturms vorbeigezogen war, ergriffen er und seine Familie die Chance und flüchteten sich in die relative Sicherheit eines nahegelegenen Toilettenhauses aus Zement. Die 15-köpfige Familie musste sich dort eng zusammendrängen, doch sie waren sicher. Und dann kehrte der Sturm zurück – genauso mächtig und furchteinflößend wie zuvor.

Während die Familie in dem kleinen Toilettengebäude Zuflucht gefunden hatte, machte der Taifun eine nahegelegene Schule dem Erdboden gleich. Wo ich auch hinschaute, sah ich Stahlträger, verbogen in tausend Richtungen. Von den Dächern gerissenes Wellblech war mehrere hundert Meter durch die Luft geflogen und dann in den Boden gerammt. Holzbalken sind durch die Luft gewirbelt worden, als wären sie nicht schwerer als ein Zahnstocher.

Diese Schule, einst ein stolzer Ort und voller Liebe für die jüngsten Mitglieder der Gemeinde gebaut, hatte keine Chance.

In der Nähe scheinen ein paar Klassenzimmer aus Zement dem Sturm irgendwie standgehalten zu haben – aber nur fast. Drinnen ist jeder Raum bis zur Decke mit kaputten Schultischen, Tafeln und noch mehr verbogenen Stahlträgern gefüllt. Und dann wird klar, dass das Dach aufgerissen worden ist.

Es wird viele Monate oder sogar Jahre dauern, bis in dieser Schule wieder unterrichtet werden kann.

Heute wohnt die Familie, die in dem Toilettenhaus Schutz gesucht und für ihr Leben gebetet hatte, in dem, was von den Klassenzimmern übrig geblieben ist. Das Dach ist voller Löcher und der Fußboden noch nicht getrocknet. Trotzdem schlafen sie auf diesem Fußboden. Ihre Wäsche hängen sie draußen über den verbogenen Stahlträgern auf. Was sollten sie sonst auch tun?

Die Kinder sind noch in der Schule. Aber sie haben keinen Unterricht mehr. Stattdessen bahnen sie sich ihren Weg durch den Schutt. Manchmal lachen sie und spielen mit Trümmern an dem Ort, wo sie einst gelernt haben. In anderen Augenblicken wiederum scheinen sie ziellos und gelangweilt zu sein ohne Schulunterricht, auf den sie sich freuen können.

Die Erinnerungen an diesen mächtigsten Sturm der Geschichte werden sie für den Rest ihres Lebens nicht mehr los werden.

„Wir brauchen Hilfe“, sagt der Vater, der jetzt in dem Klassenraum lebt.

Heute brauchen sie Nahrung und Wasser. Morgen werden sie eine Schule brauchen.

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