Eine Stadt kämpft ums Überleben

von Hatai Limprayoonyong
Umgekippter Wagen auf dem Weg nach Tacloban

Auch auf der Straße nach Tacloban City ist die Verwüstung deutlich. (Foto: Plan)

Mein Name ist Hatai Limprayoonyong. Ich arbeite als interne Kommunikationsspezialistin für Plan International in Asien und berichte von den Philippinen.

Entwurzelte Bäume liegen am Straßenrand. Von Häusern sind nichts als Trümmer übrig geblieben. Strommasten sind umgeknickt. Boote liegen mit dem Bug nach oben auf der Erde und riesige sechsrädrige Lastwagen sind umgekippt.

Das ist die Straße, auf der ich nach Tacloban City fahre, ein durch Taifun Haiyan verwüstetes Gebiet.

Niemals zuvor hat Tacloban eine solche Zerstörung erlebt. Bevor der Taifun am Freitag durch die Stadt fegte, war Tacloban ein schöner Ort. Jetzt wurde alles auf den Kopf gestellt.

Zusammen mit meinen Kollegen von der Hilfsorganisation Plan International bin ich schon den ganzen Tag lang unterwegs in das betroffene Gebiet, doch wir sind noch immer nicht angekommen.

„Wir befinden uns jetzt in den Außenbezirken von Tacloban, es sind nur noch fünf bis zehn Minuten“, sagt der Fahrer, die Szenerie ist jedoch chaotisch. Die Straßen sind eng und voller Menschen, die zu Fuß unterwegs sind.

Unser Fahrzeug kommt nur langsam vorwärts, sehr langsam. Wir wollen nach Tacloban, um eine Lageeinschätzung durchzuführen, Hilfsgüter zu verteilen und festzustellen, wie es unseren Kollegen dort geht.

Während wir uns unserem Ziel nähern, liegt ein Leichengeruch in der Luft. Einige Leichen liegen am Straßenrand zwischen den Abfällen, die Menschen ignorieren sie einfach.

Wenn man all das sieht, wenn man es spürt, riecht und fühlt – es ist schrecklich.

Es gibt hier keine Nahrung und kein Wasser. Überall um mich herum versuchen die Menschen verzweifelt, etwas zu essen zu finden.

Mädchen und Jungen tragen Pakete mit Nudeln und Trockennahrung. Sie schnappen sich alles, was sie in zerstörten Geschäften finden können. Es ist schwierig anzuhalten und sie zu fragen, wie sie sich fühlen, während ihnen so viel aufgebürdet ist.

Es kommt nun zu Plünderungen, weil die Menschen so verzweifelt ums Überleben kämpfen.

Sie befinden sich in einer furchtbaren Lage und für einen kurzen Moment frage ich mich, ob ich in ihrer Situation das Gleiche tun würde.

Einer meiner Kollegen von Plan sprach mit einigen Ladenbesitzern und diese berichteten ihm, dass alles weg ist. Nun richten die Menschen ihren Blick auf eine beschädigte Fabrik, um an Nahrungsmittel zu kommen, doch der Besitzer sagt, dass er bereits alles weggegeben hat.

Ich habe Menschen gesehen, die in Richtung Stadt liefen und mit Nahrungsmitteln zurückkamen. Anscheinend verkaufen Leute Lebensmittel am Stadtrand, denn das Militär befürchtet, dass Menschen, die versuchen, nach Tacloban hineinzukommen, Lebensmittel plündern wollen.

Überall in der Stadt herrschen Chaos und Zerstörung, so weit das Auge reicht. Die 19-jährige Charlene muss diese Situation durchleben.

Charlene ist in einer Notunterkunft untergebracht, da ihr Zuhause weggeschwemmt wurde. Das Einzige, was von ihrer Küche übrig geblieben ist, ist die Arbeitsplatte. Alles andere ist fort.

Sie wohnte in der Nähe des offiziellen Regierungsgebäudes, ein Ziegelsteinhaus, doch selbst dieses konnte der Kraft des Taifuns nicht standhalten.

Charlene berichtet, dass die Menschen anfangen krank zu werden. Was sie jetzt dringend benötigen, sind Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente. Charlene möchte bei ihren Tanten und ihrem Bruder bleiben und sie sehnt sich danach, in die Schule zurückzukehren – zur Normalität.

Sie erzählt mir, dass sie versucht, stark zu sein, dass sie für die anderen Opfer des Taifuns betet und dass wir dies gemeinsam durchstehen können.

Ihre Tapferkeit steht stellvertretend für viele Menschen auf den Philippinen. Um mich herum sehe ich Familien, die versuchen, ihre Kinder von den Folgen des Taifuns abzuschirmen. Ein vierjähriger Junge spielt am Straßenrand und ist sich des Ausmaßes der Katastrophe nicht bewusst.

Wir wollen noch sehen, in welchem Zustand die Schule und die Evakuierungszentren sind. Wer weiß, wie es dort aussieht, wer weiß, was als Nächstes geschehen wird…

Unser Auto schiebt sich langsam in Richtung Tacloban voran. Es scheint, dass wir für einige Zeit hier sein werden. Ich denke, ich werde die Nacht hier verbringen müssen.

Interessant? Weitersagen:



Schreibe einen Kommentar