Gewaltfrei surfen

von Marc Tornow
Ghana Strand

Ghanas Goldküste bietet Sonne, Strand und Meer. (Foto: Marc Tornow)

Wer an Ghanas paradiesische Strände mit Palmen und salziger Luft vom Atlantik denkt, hat nur einen Teil zum Thema Surfen in Westafrika erfasst. Verblüffend friedlich gehen Kinder hier mit dem Internet um – und verbringen ihre Freizeit ohne virtuelle Gewalt.

Die Sonne brennt über dem Fischerort Winneba und bei +45C noch am Nachmittag fliehen Alt und Jung in den Schatten. Beispielsweise in eines der Internetcafés an der Hauptstraße. Zwischen Marktständen mit frischen Meeresfrüchten und Imbissbuden voller gebratener Bananen können für wenige ghanaische Cedi E-Mails abgerufen, virtuelle Freundschaften gepflegt, Programmierkurse belegen oder Computerspiele gestartet werden.

Internetcafe in Winneba

Aus Sperrholzplatten bestehen viele Geschäfte in Ghana – und dieses Internetcafé in Winneba. (Foto: Marc Tornow)

 

Viele Internetcafés bestehen lediglich aus vier zusammen gezimmerten Wänden. Zwischen Sperrholzplatten und unter Wellblechdach amüsieren sich die Mädchen und Jungen mit virtuellen Geschicklichkeitsspielen wie Autorennen. Für Gewalt oder Kriminalität ist unter hellem Neonlicht kein Platz: „Kämpfe nicht, stehle nicht, spiele nicht um Geld“ verheißen unter anderem die Regeln des kleinen Ladens. „Mache erst deine Hausaufgaben und gehe zur Schule, bevor du am PC spielst.“

Regeln im Internetcafe

Wer am PC Spielen und Spaß haben will, muss einfache Regeln einhalten. (Foto: Marc Tornow)

 

Lernen ohne Angst
Mobbing oder gewaltsame Schikane scheinen auch sonst unter den meisten Schülern hier an der Küste Ghanas unbekannt. Alleine die Frage nach Raufereien, Benachteiligungen oder Bullying zwischen Klassenkameraden weckt schon bei vielen Lehrern Unverständnis. „Die Schule ist ein Ort des Lernens und wer die Regeln des Respekts verletzt, muss mit Sanktionen rechnen“, erklären sie zum Beispiel an der Taabosom Grundschule.

Kinder lernen ohne Angst

Mobbing oder Schikanen sind vielen Schülerinnen und Schülern in Ghana unbekannt. (Foto: Marc Tornow)

 

Doch ganz gewaltfrei sind die Schulen in dem westafrikanischen Land nicht. Wer zu spät zum Unterricht kommt, diesem unentschuldigt fern bleibt oder seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, riskiert Schläge mit dem Rohrstock. Das Verständnis der Lehrkräfte von Arbeit, Gehorsam und Sanktionierung ist anders als in Mitteleuropa. Und bis in Ghana wirklich ein Lernen ohne Angst stattfinden kann, müssen die Kinder weiter für sich und ihre Rechte streiten – etwa in Jugendclubs, die zum Teil über eigene Computer verfügen.

 

Lernen ohne Angst

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